Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'24 - Hochrhein-Bodensee

39 Bild: Adobe Stock/Mince V ier Buchstaben, eine Botschaft und viele Interpretationen: MAGA. Mit der Kampagne „Make America Great Again“ ist Donald Trump erneut zum Präsidenten der größten Volkswirtschaft der Welt gewählt worden. Welche Gesetze er für dieses Ziel schaffen wird: noch unklar. Han- delsbeschränkungen und Einfuhrzölle dürf- ten aber eine Rolle spielen. Unternehmen im Südwesten werden davon betroffen sein – aber sie geben sich optimistisch. Joachim Maier ist Geschäftsführer der WEFA Inotec in Singen. Das familiengeführte Unter- nehmen produziert Strangpresswerkzeuge für die Automobilindustrie und hat seit 2009 eine Fertigung in Michigan. „Dort produzie- ren wir Formen für den nordamerikanischen Markt“, sagt Maier. Nicht alle Produktions- schritte finden jedoch in den USA statt, so dass regelmäßig Waren in beide Richtungen per Luftfracht über den Atlantik fliegen. Zölle könnten dann schon ein Problem sein. Sollten es zehn Prozent werden, wie angekündigt, sei das verkraftbar. „Aber wenn es 50 oder 60 Prozent sind, wie es gegenüber Einfuhren aus China angedroht wird, wird das schwierig.“ Doch der Geschäftsführer gibt sich gelassen, zumal die WEFA-Dependance in den USA ein US-Unternehmen ist: „Wie das gehandhabt wird und welche Warengruppen betroffen sind, muss man schauen. Wir sind schließ- lich nicht das einzige Unternehmen, das mit solchen Warensendungen operiert.“ Die US-amerikanische Industrie durch Re- striktionen zu schützen und zu fördern, ist nicht neu, sagt Joachim Maier und erinnert an den „Buy American Act“ unter Joe Biden 2022. Dieser sieht für das Bundesbeschaf- fungswesen vor, dass für kritische Kompo- nenten und Lieferketten Produkte aus dem Inland bevorzugt werden – unabhängig von eventuell höheren Preisen. Bis 2029 soll der Anteil „US-amerikanischer Produkte“ auf 75 Prozent steigen. Gift für unsere Wirtschaft? Dass Protektionismus in den USA schon län- ger eine Renaissance erlebt, bestätigt auch Dieter Salomon, Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein und warnt: Dieser „amerikanische Zeitgeist ist Gift für unsere Wirtschaft.“ Schon unter Biden sei versucht worden, Arbeitsplätze aus dem Ausland in die Staaten zu holen. Salomons Befürchtung: „Trumps Zollpolitik wird diesen Abwande- rungsdruck verstärken.“ „Wir können uns anpassen“ „Auch wenn Kamala Harris Präsidentin der Vereinigten Staaten geworden wäre, hätten wir uns in Europa und in Deutschland auf wei- tere Unabhängigkeitsbestrebungen der USA einstellen müssen“, sagt dagegen Harald Marquardt, Vizepräsident der IHK Schwarz- wald-Baar-Heuberg und Vorstandschef der Marquardt Gruppe aus Rietheim-Weilheim (bei Tuttlingen). Marquardt ist mit zwei Standorten in den USA: in Michigan und im Bundesstaat New York. Dort werden mechatronische Lösungen für die Automobilindustrie entwickelt und ge- fertigt. Und er sagt: „Für unser Unternehmen war die erste Amtszeit von Donald Trump, abgesehen von wenigen Überraschungen, nicht von Nachteil.“ Dennoch gelte: „Sollte der künftige amerikanische Präsident neue Restriktionen wie höhere Zölle durchsetzen, müssten und könnten wir damit umgehen. Denn wir als Marquardt haben den Vorteil, dass wir in allen Regionen vertreten sind: in Europa, Amerika, Asien. Wir können unsere Aktivitäten entsprechend anpassen.“ Selbstbewusst äußert sich auch Katrin Klodt- Bußmann, Hauptgeschäftsführerin der IHK Hochrhein-Bodensee. Die Wirtschaft im Südwesten habe sich seit der ersten Amts- periode von Donald Trump „sehr gut auf ver- änderte US-Rahmenbedingungen eingestellt, teilweise auch durch lokale Produktionsein- heiten“. Ihre Hoffnung: „Eine Stärkung der US-Wirtschaft dürfte sich tendenziell positiv auf die Exportlage der Unternehmen in unse- ren Regionen auswirken.“ Auf alle Eventuali- täten könne man sich nicht vorbereiten, weiß sie: Doch trotz allem bieten die genannten Erfahrungen „eine gewisse Grundlage für Zuversicht“. Kritischer sieht das Bernd Seemann. Er lei- tet den Außenwirtschaftsausschuss der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg seit sechs und den Arbeitskreis Zoll seit 16 Jahren: „Ein biss- chen Bauchgrummeln habe ich schon.“ Dabei denkt er vor allem an Unternehmen aus den Branchen Maschinenbau und Automotive, die von Zöllen besonders betroffen wären, wenn sie nicht selbst in den USA mit Produktions- stätten vertreten sind. Ein weiterer Punkt, der ihm Sorge bereitet: „Wenn die chinesische Wirtschaft mit extrem hohen Zöllen belegt wird, könnte es sein, dass diese Produkte nicht in die USA exportiert werden, sondern auf den europäischen Markt kommen und diesen überschwemmen.“ Airbus und die Daumenschrauben Wie konkret Zölle auf den Markt und ein- zelne Unternehmen wirken, weiß Wilhelm Hahn nur zu gut. Der Geschäftsführer der Wiha Werkzeuge GmbH musste während der ersten Amtszeit von Donald Trump Zölle auf deutsche Zangen und Schraubwerkzeuge 12 | 2024 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten UNTERNEHMEN

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