Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'24 - Hochrhein-Bodensee
22 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 12 | 2024 REGIO REPORT IHK Hochrhein-Bodensee Konjunkturbericht Herbst 2024 Dienstleistungssektor ist einziger Lichtblick E s kommt alles zusammen: eine schwache Weltwirtschaft, politi- sche und geopolitische Verunsicherungen, hoher Kostendruck und eine verhaltene Verbraucherstimmung. Dies hinterlässt tiefe Spuren in der regionalen Wirtschaft. Sowohl die Geschäftslage als auch die Erwartungen haben sich seit Jahresbeginn deutlich eingetrübt: Beson- ders deutlich kommt das bei den Produktionsbetrieben im IHK-Bezirk Hochrhein-Bodensee zum Vorschein. Besserung ist nicht in Sicht – zumindest in diesem Segment. Ein kleiner Lichtblick bleibt aktuell der Dienstleistungsbereich, der sich in diesem schwierigen Umfeld positiv behaupten kann. Für die kommenden Monate bleiben die Erwartungen in weiten Teilen der Wirtschaft aber verhalten. Trend zeigt nach unten Die Einschätzung der Geschäftslage bei den Unternehmen in der Region ist im Vergleich zum Frühjahr nochmal gesunken. So ist der Anteil derjenigen, die von einer schlechten Lage sprechen, von 18 Prozent im Frühjahr auf 23 Prozent im Herbst gestiegen. Weitere 53 Prozent der Betriebe geben ihre aktuelle Lage als befriedigend, rund ein Viertel als gut an. Ausschlaggebend für diesen Rückgang ist sicher der negative Verlauf, der bei den Produktionsbetrieben zu verzeichnen ist. Geringere Auslastung in der Industrie Nur noch 17 Prozent der Unternehmen im produzierenden Gewerbe bewerten ihre Geschäftslage als gut. Dieser Wert sinkt seit Monaten kontinuierlich. Vor einem Jahr lag der Wert bei 26 Prozent. Entspre- chend hoch ist auch der Anteil der Unternehmen, die ihre Lage als schlecht bezeichnen. Im Verlauf des Jahres stieg der Wert von 20 auf rund 33 Prozent. Bemerkbar macht sich dies bei den Umsätzen. Bei rund 60 Prozent der Produktionsbetriebe ist der im Vergleich zum Vorjahresquartal gesunken. Das wirkt sich auf den Auslastungsgrad der Kapazitäten in der regionalen Industrie aus: Er liegt mit nun 79 Prozent deutlich unter dem langjährigen Mittel von 85 Prozent. Die Einschätzung der Industrieunternehmen liegt damit deutlich unter der der regionalen Gesamtwirtschaft. Auch die Auftragseingänge im produzierenden Gewerbe wer- den weniger. So berichten rund 45 Prozent von zurückgehenden Auftragseingängen aus dem Inland und rund 36 Prozent von sinkenden Eingängen aus dem Ausland. Handel verzeichnet große Zurückhaltung Nicht besser sieht es bei der Einschätzung der aktuellen Geschäfts- lage im Handel aus. Gerade einmal zehn Prozent der Befragten beur- teilen ihre Lage als gut. Der überwiegende Teil, das sind 58 Prozent, berichtet immerhin von einer befriedigenden Lage. Doch bei einem Drittel sieht die Situation dagegen schlecht aus. Mehr noch: 57 Prozent der Händler berichten von gegenüber dem Vorjahresquartal gesunkenen Umsätzen. Noch schlechter sieht es beim Konsumver- halten der Kunden aus. 88 Prozent der Händler bezeichnen den Konsum als zurückhaltend. Nur drei Prozent sprechen von saison- üblichem und neun Prozent von einem kauffreudigen Verhalten ihrer Kundschaft. Nicht nur ist die Industrieproduktion rückläufig, auch die zurückhaltende Inlandsnachfrage und die hohen Arbeitskosten bereiten den Unternehmen Sorge. Das ist das Ergebnis des aktuellen Konjunkturberichts, den Alexander Graf, Leiter des Geschäftsfelds Region entwickeln und Geschäftsführer der IHK Hochrhein-Bodensee, erstellt hat. -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 40 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 202324 Saldo % Grafik: Dr. Alexander Graf Die Investitionsab- sichten sinken weiter. Investitionsabsichten der Unternehmen (Inland) Region insgesamt (Saldo positiver/ negativer Nennungen)
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