Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'24 -Südlicher Oberrhein

28 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 11 | 2024 W er die Worte „Konversionsprojekte in Lahr“ googelt, dem serviert die Suchmaschine die Diplom-Arbeit „Akteu- re im Standortkonversionsprozess – Dar- gestellt am Beispiel des ehemaligen Mili- tärflughafens Lahr/Schwarzwald“. Autor: Daniel Halter. Der Mann, der vor 22 Jahren beschrieb, wie aus dem logistischen Dreh- und Angelpunkt der kanadischen Streitkräf- te in Europa (wo zeitweise 8.000 kanadische Soldaten stationiert waren) eine der größten Konversionsfläche für gewerbliche Nutzung in Baden-Württemberg wurde, ist heute Ge- schäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Industrie- und Gewerbezentrum Raum Lahr (IGZ) auf dem Lahrer Flughafen und Verbandsdirektor des Zweckverbands IGP, welcher Eigentümer des Geländes westlich der Landebahn ist. Verbandsmitglieder sind neben der Stadt Lahr und dem Ortenaukreis zehn weitere Gemeinden aus dem Umland. Das östliche Gebiet befindet sich im Eigen- tum der Stadt Lahr. Die Aufgabe der IGZ ist es, die nachhaltige Ent- wicklung des „startkLahr“ getauften Areals und die Ansiedlung wertschöpfender Unter- nehmen voranzutreiben. Dies tut sie seit 30 Jahren. Und Daniel Halter (seit 2006 bei der IGZ, seit 2019 als Geschäftsführer) ist diese Entwicklung mehr als präsent. Deshalb darf man ihm auch glauben, wenn er sagt: „Die Entwicklung des Areals war zu Beginn nicht ganz einfach. Aber heute ist diese Mehrge- nerationenaufgabe eine Erfolgsgeschichte.“ Ursprünglich als Zeppelinflughafen im Jahr 1913 konzipiert, ist das Luftschiff in Lahr nie gelandet. Stattdessen entstand ein Militär- flughafen, den erst die französischen und dann die kanadischen Streitkräfte nutzten. 1994 war es dann soweit: Die Kanadier wa- ren weg, eine riesige Chance war da. Nach einer Lizenz für Flugzeuge mit einem Abflug- gewicht bis 20 Tonnen, erhielt der Flughafen Lahr 2001 die Lizenz als Sonderflughafen Fracht und 2006 eine eingeschränkte Pas- sagierfluglizenz für Flugverkehr zum Euro- papark. Das startkLahr-Areal hat damit das Prädikat „multimodal“. Denn auch der Kehler Hafen ist schnell erreichbar, und die Zufahrt zur A5 liegt ohnehin vor der Haustür. „Mit 600 Hektar Gesamtfläche stellte der Lahrer Flughafen eine sehr große Heraus- forderung in Sachen Konversion dar“, blickt Daniel Halter zurück. Eine Machbarkeitsstu- die der Dornier Planungsgruppe empfahl die Entwicklung eines Industrie- und Gewerbe- parks, unter anderem mit einem besonderen Fokus auf Logistik. Ansiedlungen von Un- ternehmen wie Deutsche Post/DHL, Fiege und ABX (heute DSV) eröffneten die Riege dieser Branche, und schließlich folgte Za- lando. Aber auch Industrieunternehmen wie Wagner System – Pionier der Ansiedlung – oder die Zehnder Group Deutschland sowie Ingenieurbüros, Handwerksbetriebe und auch Handelsunternehmen haben hier ihren Platz. 140 Unternehmen auf dem Areal be- schäftigen heute mehr als 6.000 Menschen. Und die Zukunft? Mit der Erstellung eines Rahmenkonzepts im Jahr 2017 ist die Logistik aus dem Fokus gerückt: „Wir haben einfach nicht mehr diese großen zusammenhängen- den Flächen, wie sie beispielsweise Zalando mit seinen 18 Hektar Grundstück benötigte. Und wir haben hinterfragt, wieviel Logistik der Standort verträgt.“ Ergebnis: Künftig soll mehr Industrieproduktion angesiedelt werden, wobei die Nachfrage augenblick- lich aufgrund der krisenhaften Situation der deutschen Wirtschaft eher zurückhaltend ist. Gerade in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten will man sich jedoch im startkLahr- Areal bereits frühzeitig für die Zukunft auf- 30 Jahre IGZ Lahr ist am Start 600 Hektar Gesamtfläche einer neuen Bestimmung zuzuführen, ist eine Mammutaufgabe in Sachen Konversion. In Lahr arbeitet der Zweckverband IGZ seit 30 Jahren erfolgreich daran. Bilder: links: IGZ; rechts: schrempp edv Das IGZ-Team hat die Aufgabe, die nachhaltige Entwicklung und die Ansiedlung wertschöpfender Unternehmen voranzutreiben.

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