Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'24 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

45 11 | 2024 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten nen Euro – für ein Unternehmen mit knapp 30 Millionen Euro Jahresumsatz durchaus eine Hausnummer. „Ein Herzensprojekt“ Doch kann eine solche Lösung auch wirt- schaftlich sein? Schließlich kommt die Was- serstoffrückverstromung rein physikalisch nur auf 35 Prozent Wirkungsgrad. „Das hängt sehr vom Strompreis ab“, sagt Duttlinger. Aktuell komme man auf eine Amortisations- zeit von 14 Jahren. Wird Strom teurer, geht es schneller. „Für ein Invest ist das relativ lang“, gesteht er. „Das hätte unsere Bank auch nicht komplett fremdfinanziert.“ Doch für den Unternehmer ist das Ganze ei- nerseits „ein Herzensprojekt“, andererseits denkt er durchaus weiter. Der grüne Wasser- stoff könnte auch verkauft werden oder das Weckermann-Stammwerk im benachbarten Eisenbach mitversorgen. Zudem ist die Nut- zung der Abwärme noch nicht einkalkuliert. „Unser Nachbarunternehmen heizt noch mit Öl“, sagt Seniorchef Karl Duttlinger. „Mit ei- ner Wärmeleitung unter der Straße hindurch könnten wir die komplett versorgen.“ Gäbe es ein Nahwärmenetz, könnte man auch in dieses einspeisen. „Damit ließe sich der Wir- kungsgrad auf 50 Prozent steigern.“ „Die bauen wir selbst!“ Das neue Werk selbst ist thermisch autark. Zur Wärmeerzeugung dient eine Wärme- pumpe, die den 200 Kubikmeter großen Löschwassertank vor dem Gebäude als Zwi- schenspeicher nutzt. Wie effizient das Gan- ze künftig laufen wird, dürfte maßgeblich von der Steuerung der Anlage abhängen, deren Komponenten verschiedenster Her- steller nun vernetzt werden müssen. David Duttlinger: „Die bauen wir selbst.“ Wann soll die Batterie genutzt, wann Wasserstoff erzeugt oder verstromt werden? Und wann ist es günstiger, abhängig vom Preis, Netz- strom zu beziehen? Berechnungen zufolge, durchgeführt mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), soll der Autarkiegrad bei 85 bis 88 Prozent liegen. Das gilt es nun zu bewei- sen. Ein weiterer Aspekt: Bislang entstehen durch „zwei bis drei Stromausfälle im Jahr“ immer wieder Schäden, etwa weil luftge- lagerte Spindeln kaputt gehen. „Das wird es künftig nicht mehr geben“, sagt David Duttlinger. Nicht zuletzt denken David und Karl Duttlinger gesamtgesellschaftlich. Fos- sile Energieträger und Abhängigkeit vom Ausland sind für sie keine Zukunftslö- sungen. „Irgendjemand muss vorange- hen“, sagt der Seniorchef – und hofft, auf diesem Weg andere zu inspirieren. Jürgen Baltes Weckermann-Baustelle in Oberbränd: Genug Platz für Photovoltaik, Wasserstoff-Elektrolyse und einen Löschwassertank für die Wärmepumpe Bild: Blinder Fotograf

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