Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'24 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
16 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 11 | 2024 Dass es mit der Mühle dann aber wirklich klappte, hat er Oma Margret zu verdanken, die mit heute 88 fast eine halbe Million in das Projekt ihres Enkels investierte. Seither ist Margret Tröndle Geschäftsführerin und kommt mindestens einmal im Monat durch, um nach dem Rechten zu sehen. „Allein wäre das nicht möglich gewesen“, sagt Marius. „Ich hatte 120.000 Euro Eigenkapital, viel zu wenig für so ein Projekt.“ Schließlich war die Mühle zwar ein Haus mit illustrer Ver- gangenheit – aber auch mit echtem Sanie- rungsbedarf. Das nächste Abenteuer Neues Dach, neue Heizung, neue Küche. Draußen ein Wellnessbereich mit Naturteich, in dem man nach der Sauna mit Molchen um die Wette schwimmen kann, ehe man abends nach dem Menü die Treppe hoch- torkelt, um in einem der zehn Zimmer sanft zu entschlummern. 185 Euro kostet das Doppelzimmer pro Nacht – aber wer eines haben will, sollte wenigstens zwei Monate im Voraus buchen. Oma Margret hatte also recht. Aus dem Bub wird was. Auch wenn er nicht ins Familienun- ternehmen eingestiegen ist und lieber in der Gastronomie rumturnt als in der Baubranche ein Vermögen zu machen. Aber immerhin: Das macht er so gut, dass man sich seinen Namen merken sollte. Denn wer weiß: Viel- leicht spielt Marius Tröndle ja eines Tages in einer Liga mit Roland Burtsche vom Colombi oder Meinrad Schmiederer vom Dollenberg? Zu wünschen wäre ihm das, denn junge Ho- teliers mit ausgeprägter Schaffenskraft und neuen Ideen kann der Schwarzwald schließ- lich gut gebrauchen. Das nächste Abenteuer hat schon begonnen. Marius hat sich dem Auerhahn gewidmet, das Wellness-Hotel direkt am See grundle- gend umgebaut. Gar nicht so einfach! Denn auch wenn der Auerhahn direkt an der B500 liegt – die Naturschutzbehörde bestand auf kleinen Fenstern und möglichst wenig Licht im Hotel, damit eventuell vorbeikommende Rehe nicht geblendet werden – nicht gerade das, was sich Gäste wünschen… Noch vor Weihnachten soll der Auerhahn mit seinen 58 Zimmern eröffnen. Einen zweistel- ligen Millionenbetrag investieren die Tröndle Hotelbetriebe dafür, die auf eine neue Kom- bination von Kulinarik, Wellness und Aktiv- urlaub setzen. Wassersport auf dem See. Segeln, SUPen, Kajak fahren. Dazu Waldba- den und Wellness, Yoga und Massagen. Eine Dehoga-Klassifizierung ist kein Thema, aber um es einzuordnen: irgendwo zwischen fünf Sternen und vier Superior. Neue Wege gehen Zielgruppe: Europäer zwischen 25 und 80. „Ich glaube, dass es dem Schwarzwald ganz gut tut, wenn man bewusst junge Menschen anspricht und sich nicht nur darauf verlässt, dass die Schweizer so gern im Schwarzwald sind“, sagt Tröndle. Dass sich der Schluchsee mit der Mühle und dem Auerhahn als Desti- nation weiterentwickeln und verändern wird – stimmt schon, sagt er. Nur wenn dann die Rede davon ist, dass der Schluchsee wie eine Mischung aus Baiersbronn und Tegernsee ge- sehen werden könnte, winkt er ab. „Schreib das vielleicht nicht. Denn wer weiß, ob das nicht gleich wieder Neider auf den Plan ruft. Uns geht’s hier nur darum, wirklich gute Gastgeber zu sein.“ Ulf Tietge Neue Schwarzwälder Gastlichkeit: Gerichte von Zwei-Sterne-Koch Niclas Nussbaumer und das Ambiente im Boutique-Hotel Mühle sollen (junge) Gäste mit Anspruch an den Schuchsee bringen.
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