Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'24 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
12 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 11 | 2024 übernimmt Mietgarantien und beschafft auch schon mal Möbel via Kleinanzeigen. Neue Netzwerke entstehen „Inhabergeführte Familienbetriebe nehmen das gern selbst in die Hand“, weiß Arnt von Bodelschwingh, Geschäftsführer des Regiokontext-Instituts, das sich viel mit dem Thema beschäftigt: „Die werden aus akuter Not heraus aktiv.“ Doch hier sieht der Volkswirt einen häufigen Denkfehler: „Ein mittelständischer Maschinenbauer ist kein Immobilienexperte. Man muss nicht alles selbst machen.“ Seine Aufgabe sieht von Bodelschwingh darin, die richtigen Partner zusammenzu- bringen, Unternehmen, Bauträger, Woh- nungsunternehmen, Kommunen. Mit Bahn und TU Berlin etwa hat Regiokontext das Netzwerk Mitarbeiter- wohnen gegründet. „Wir erleben immer neue Modelle und Partnerschaften“, sagt der Marktfor- scher. In Berlin etwa habe ein bauwirtschaft- licher Arbeitgeber- verband ein Haus gebaut, in das sich die Mitglieder nun mit Belegrechten einkaufen. Oder Arbeitgeber – „es gibt ja durchaus Firmen mit vollen Por- tokassen“ – stellen Wohnungsunternehmen zinslose Darlehen bereit und erhalten dafür im Gegenzug Belegrechte. Fördern und fordern Auch Kommunen haben das Thema im Blick. In Rheinfelden nutzt die Stadt eigene Grundstücke mittels Nachverdichtung, um darauf Mitarbeiterwohnen zu realisieren. „Bedauerlicherweise“ sei der Bestand an Werkswohnungen deutlich zurückgegan- gen, sagt Bürgermeister Klaus Eberhardt. „Prekär“ sei besonders die Situation für Azubis, etwa der örtlichen Chemieindustrie oder der sozialen Berufe. Daher baue die städtische Wohnungsbaugesellschaft der- zeit 200 geförderte Wohnungen, darunter 79 Mikroapartments zum günstigen Preis für Azubis oder Berufsanfänger. Das Ganze werde auch von der örtlichen Handwerks- kammer unterstützt. Klotzen statt kleckern? In Freiburg plant derweil die Uniklinik den Bau von 740 Mitarbeiterwohnungen bis 2030, davon die Hälfte für Auszubildende. Auch die städtische Wohnbaugesellschaft hat das Thema entdeckt. Die Freiburger Stadtbau (FSB) baut derzeit 89 Ein- und Zwei-Zimmer-Apartments, deren Miete 30 Prozent unter dem Mietspiegel liegen soll – „Freiburgs erstes Azubi-Wohnprojekt“, wie es heißt. Der Bezug ist für Sommer 2026 geplant, Unternehmen können sich unter www.wirsüd.de vormerken lassen. Gleichzeitig baut die FSB Wohnungen, die Unternehmen für ihre Mitarbeiter kaufen können. Als Argumente nennt die FSB die kürzlich verbesserte Abschreibung nach § 7 Abs. 5a EstG (Wachstumschancenge- setz) sowie die steuerbegünstigte Gehalts- umwandlung für Mitarbeiter. Der gemeinnützige Freiburger Ver- ein SPES sucht derweil leerste- hende Gebäude im ländlichen Raum, um diese mit den Wohnbe- dürfnissen junger Menschen zusam- menzubringen Geschäftsführerin Ingrid En- gelhart sagt: Auf dem Land gebe es kaum einen Mietmarkt, die meisten wohnten im Eigenheim. Junge Fachkräfte, die etwa nach dem Studium zurück in ihre Heimat kämen, nicht mehr zu Hause wohnten, aber auch noch kein Eigentum aufbauen könnten, fän- den schwer eine passende Unterkunft. Dem gegenüber stehe ein oft hoher Leerstand. In einem ersten Projekt sind nun junge Menschen in ein leerstehendes Pfarrhaus gezogen. Ob es sich rechnet? Mit Fördermitteln auf jeden Fall… Ingrid Engelhard Kontakt zur IHK Wer zum Thema etwas beitragen kann, Fragen oder Anregungen hat, kann sich wenden an: Alwin Wagner Stellvertretender Hauptgeschäftsführer IHK Südlicher Oberrhein 0761 3858-107 alwin.wagner@freiburg.ihk.de Alexander Graf Geschäftsführer Fachbereich Region entwickeln IHK Hochrhein-Bodensee 07622 3907-213 alexander.graf@konstanz.ihk.de Philipp Hilsenbek Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg 07721 922-26 hilsenbek@vs.ihk.de Arnt von Bodelschwingh TITEL
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