Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'24 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
ber bei der Wohnungssuche, jeder Fünfte hat Wohnungen für Mitarbeiter gemietet, jeder Zehnte gekauft. „Das Thema gehört mittler- weile zum Alltagsgeschäft von Personalern”, weiß Wagner. Man habe selbst schon Mitar- beiter wieder verloren, „weil die hier keine Wohnung gefunden haben”. Selbst aktiv gewor- den ist auch der Spaichinger Bus- u n t e r n e h m e r Jochen Klaiber. An seinen fünf Standorten hat er sieben Apartments angemietet, die „eins zu eins“ an neue Bus- fahrer weitervermietet werden. „So lange, bis sie etwas Eigenes gefunden haben“, sagt Klaiber – was vor allem für im Ausland an- geworbene Mitarbeiter sowie an Hochschul- standorten wie Tuttlingen oder Trossingen oft nicht leicht sei. Anfangs hatte er es auch mit WGs probiert. Doch das „hat nicht so gut funktioniert“. Akut ist das Wohnungsproblem nicht nur in Ballungsgebieten, sondern auch auf dem Land. Im 1.400-Einwohner-Ort Bubsheim sitzt der Präzisionsteilehersteller Häring – mit 950 Mitarbeitern, weltweit sind es 4.000. Selbstverständlich sei das Thema „äußerst relevant”, heißt es vom Unternehmen. Bereits vor 50 Jahren hatte Firmenchef Anton Häring sein ehemaliges Elternhaus zu einem Sechs- Familien-Haus für Mitarbeiter umgebaut. Als Ende der 1970er-Jahre die Fachkräfte-An- werbung den Ort wachsen ließ, entstand die Häring-Siedlung mit Werkswohnungen. Über 300 Wohneinheiten habe man geschaffen, Häuser, Wohnungen und Wohnheime. „Men- schen brauchen mehr als eine Arbeitsstelle”, sagt Häring, „sie brauchen ein Zuhause”. Lange Wartelisten Das Modell der Werkswohnung ist für den Mittelständler „nach wie vor aktuell“. Zuletzt habe man in Bubsheim zwei Mehrfamilien- häuser mit 24 Wohnungen gebaut. Und nach wie vor gebe es etliche Mitarbeiter auf der Warteliste. Doch manchmal wird das Unternehmer- engagement abrupt gebremst. In Schopfheim versucht Manuela Böhler-Szmerlowski vom gleichnamigen Autohaus bereits seit sechs Jahren, eigenen Mitarbeiterwohnraum zu schaffen. Die Idee: Auf das Vertriebsge- bäude sollten acht Wohnungen in Holzbau- weise gesetzt werden. „Von der Statik her kein Problem.“ Doch das Autohaus liegt im Gewerbegebiet, Wohnbebauung ist da nicht zulässig. Erst als diesen Sommer der Stadt- planungsprozess ISEK 2035 wieder in Gang gekommen sei, habe die Idee wieder Schub bekommen. Die Umwandlung in ein urbanes Gebiet stehe kurz bevor, allerdings hätten sich die Pläne des Autohauses mittlerweile geändert. „Angesichts der wirtschaftlichen Lage werden wir uns et- was verkleinern.“ Statt Aufstockung werde man einen Teil des Grundstücks nun an einen Investor verkaufen – und sich im neuen Wohn- Gewerbekomplex „zwei bis drei Wohnungen für die Mitarbeiter sichern“. Bis es soweit ist, hilft Manuela Böhler-Szmerlowski persönlich bei der Wohnungsgesuche, schaltet Anzeigen, 11 11 | 2024 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Der Spatenstich für das erste Azubi-Wohnheim in der Freiburger Wirthstraße erfolgte im Frühjahr mit viel Pro- minenz. Von links: Baubürgermeister Martin Haag, Magdalena Szablewska, technische Geschäftsführerin der FSB, Oberbürgermeister Martin Horn, Matthias Müller, kaufmännischer Geschäftsführer der FSB, Hanna Böhme, Geschäftsführerin FWTM, und Finanzbürgermeister Stefan Breiter Jochen Klaiber TITEL
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