Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'24 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

A m Hauptsitz des Logistikdienstleis- ters Karldischinger in Ehrenkirchen entsteht direkt hinter den grünen Lagerhallen ein großer Holzbau. 52 Wohn- module sollen hier ab Dezember bezugsfer- tig sein – und stehen sinnbildlich für eine Renaissance. Denn Werkswohnungen sind wieder ein Thema – wie einst zu Zeiten des Wirtschaftswunders. Temporär unterkom- men werden in Ehrenkirchen 15 neue Azubis aus Indien, Lkw-Fahrer und Lageristen. „Top ausgestattete Unterkünfte”, sagt Seniorchef Karlhubert Dischinger dazu. „Alle mit eigener Dusche und WC.” Einen deutlichen siebenstelligen Betrag in- vestiert das Unternehmen in die Unterkünfte. „Wir tun das, um überhaupt Mitarbeiter zu bekommen”, sagt Dischinger, denn in der Region werde es immer schwerer, eine Woh- nung zu finden. Amortisieren werde sich der Invest vermutlich nicht. „Null auf null kom- men wir da nicht raus.“ Alle Register ziehen… In der Vergangenheit hatte Dischinger ein Wohnheim mit 30 Plätzen im benachbarten Kirchhofen gemietet, das aber braucht die Gemeinde jetzt wieder selbst – als Unter- kunft für Asylbewerber. Wie andere Firmen auch hat Dischinger bereits etliche Register gezogen: In einem ehemaligen Gasthaus wur- den alle 20 Zimmer angemietet, am Baden Airpark ein Haus gekauft. In Vermieterge- spräche, gerade für ausländische Kollegen, klinkt sich Dischinger mit Garantien ein. „Manchmal funktioniert das.“ Das Fazit des Seniorchefs: „Man hüpft von einem dürren Ast zum nächsten.“ Alle Ampeln auf Rot Alarmierend liest sich auch der aktuelle Standortmonitor der drei regionalen IHKn. Unter den 33 untersuchten Kriterien zeigte die Farbmatrix bei der „Verfügbarkeit von Wohnimmobilien“ überall Rot – am dunkels- ten in Freiburg, Konstanz, Emmendingen und Lörrach. Die IHK Südlicher Oberrhein hat da- raufhin gemeinsam mit der Freiburger Stadt- bau nochmal genauer nachgefragt. Demnach sehen 60 Prozent der Firmen im mangelnden Mitarbeiterwohnraum ein Standortrisiko. Für die Zukunft fürchten dies sogar 75 Prozent. „Das alarmiert uns”, sagt Alwin Wagner, in Freiburg stell- vertretender IHK- Hauptgeschäftsfüh- rer. Inzwischen helfe jeder zweite Arbeitge- 10 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 11 | 2024 Verleger Franz Burda hat schon in den 1950er-Jahren für seine Mitar- beiter in Offenburg einen ganzen Stadtteil errichtet. Alwin Wagner

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