Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Oktober'24 -Südlicher Oberrhein

42 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 10 | 2024 INNOVATION|TRANSFORMATION schen Alb. „Vermutlich sind wir die Einzigen auf der Welt, die so etwas in der Dimension haben.“ Bereits vor vier Jahren hat Gerriets eine wei- tere in der Branche wohl einmalige Investi- tion getätigt: In Volgelsheim steht nun eine 13 Meter hohe und 30 Meter lange Halle, in der die Vorhänge zum Schneiden aufge- hängt werden. Denn nur so könne man si- cherstellen, dass ein Vorhang nachher exakt abschließe und auch als Rechteck hänge. „Im Liegen funktioniert das nicht, denn ein Vorhang längt sich.“ „Das sind alles Investitionen, mit denen wir un- seren Standort sichern“, erklärt Gerriets. Die hohe Qualität, die man dadurch biete, brauche und schätze zwar nicht jeder. „Doch wer sie braucht und schätzt, der kauft auch bei uns.“ Hinzu kämen kurze Lieferzeiten gegenüber der sonst verbreiteten Konfektion in Asien. Verteidigen muss sich der Marktführer al- lerdings auch an weiteren Fronten, etwa ge- gen Produktpiraterie. Eine mit viel Aufwand entwickelte Vorhangschiene etwa habe ein Mitbewerber dreist kopiert. „Der hat das Ganze nach Indien geschickt und dort nach- bauen lassen.“ In solchen Fällen entwickle man dann ein verbessertes Nachfolgemodell – „auch um dem Wettbewerber zu zeigen, dass er etwas Altes kopiert hat“. Dennoch tut das Ganze weh. Weshalb „wir heute mehr schützen lassen als früher“. Denn den einstigen Ehrenkodex, dass man Konkurrenzprodukte nicht kopiere, sondern allenfalls verbessere, gebe es nicht mehr. Einmal habe jemand ihn auf einer Messe zu den neuen Schallschutzprodukten ausge- fragt, sagt Gerriets – um sich anschließend als Wettbewerber zu outen. „So etwas ärgert einen natürlich.“ Schallschutz als zweites Standbein Unterdessen hat sich Schallschutz für den Theaterspezialisten zu einem interessanten zweiten Standbein entwickelt – dank des Büroausstatters Vitra und einer kreativen Architektin. Die hatten 2008 am Gerriets- Hauptsitz in Umkirch 70 Arbeitsplätze neugestaltet und dabei schallschluckende Theatervorhänge als Raumteiler genutzt. Das Konzept hat sich derart bewährt, dass die Vorhänge heute in etlichen Büros für Ruhe sorgen und in Werkhallen den Lärm reduzieren. Mittlerweile kommen 15 Prozent des Ger- riets-Geschäfts aus dem Akustiksegment, in dem der Firmenchef noch sehr viel Po- tenzial sieht. Wobei er noch heute über eine Anfrage von Amazon aus den USA schmun- zeln muss. Da die dortigen Gewerkschaften Druck wegen der Lärmbelastung in den Lagern machten, sollten diese besseren Schallschutz erhalten. „Bereits im zweiten Satz sagte der Amazon-Manager aus Los Angeles, dass sie uns vor Auftragserteilung gerne kaufen würden“, erinnert sich Gerriets. Doch da habe er „gar nicht erst die Summe hören wollen“. Denn seinem Sohn möchte er „ja nicht einfach nur Geld vererben, sondern eine Aufgabe“. Härteste Prüfung? Die Corona-Zeit! Hatte Gerriets denn auch mal existenzielle Prüfungen zu bestehen? „Die härteste Prü- fung in unserer Geschichte war die Corona- Zeit“, ist der Firmenchef überzeugt. „Als die Theater zumachen mussten, investierte niemand mehr einen Cent.“ Und zeitweise seien nicht einmal mehr Mitarbeiter zwischen Umkirch und Volgelsheim hin- und hergekom- men. „Wenn es richtig schlecht läuft, merkt man auch, wer zum Unternehmen steht und wer nicht.“ In dieser Zeit habe er zum ers- ten Mal nachts nicht mehr schlafen können. „Mit einem blauen Auge davongekommen“ sei man nur wegen des erfolgreichen Schall- schutzsegments. Und wie sieht der Unternehmer die Zukunft für den traditionsreichen Theaterausstatter? Schallschutzvorhänge im Vitra-Showroom in London Ein gigantisches Deckensegel dekoriert den Mercedes-Stand auf der IAA in Frankfurt. Hannes Gerriets führt das Unternehmen seit 2002 in dritter Generation. »Vermutlich sind wir die Einzigen auf der Welt, die so etwas in der Dimension haben«

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2MDE5