Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Oktober'24 -Südlicher Oberrhein

41 10 | 2024 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten INNOVATION T heatervorhänge – das mag ein wenig nach einem Geschäft aus dem vergan- genen Jahrhundert klingen. Doch es ist nach wie vor das Kerngeschäft der 1946 gegrün- deten Gerriets GmbH aus Umkirch, die Han- nes Gerriets seit 2002 in nunmehr dritter Generation führt. Und die in ihrem Segment seither auch international zum Marktführer avanciert ist. „Ein Unternehmen in die vierte Generation zu führen ist nicht selbstverständlich“, sagt der Firmenchef. „In die dritte schaffen es vielleicht noch zwei Prozent, in die vierte null-komma-irgendwas.“ Die alte Unterneh- merweisheit dürfte wohl jedem bekannt sein: Die erste Generation baut die Firma auf, die zweite macht sie groß, die dritte ruiniert al- les. „Letzteres wäre also mein Job gewesen“, lacht der 63-jährige Hannes Gerriets, der das 180-Mitarbeiter-Unternehmen „in drei bis vier Jahren“ an seinen Sohn übergeben will. Der hat in Konstanz gerade sein Studium zum Wirtschaftsingenieur abgeschlossen. Um es bis hierhin zu schaffen, musste Ger- riets allerdings einige richtungsweisende Entscheidungen treffen. Da ist zum einen der Standort: Jahrzehntelang nähte man in Umkirch bei Freiburg, 1991 wurde die Nähe- rei ins benachbarte Volgelsheim direkt hin- ter der französischen Grenze verlegt – was Kostenvorteile bot. Wettbewerber gingen in dieser Zeit allerdings einige Schritte weiter. Einer von ihnen lasse heute in der Free Zone von Dubai nähen, weiß Gerriets. „Die Stoffe werden dorthin geflogen, von pakistanischen Arbeitern zu 500 Euro Monatslohn vernäht und wieder zurückgeflogen – und das alles steuerbefreit.“ Da könne man von der Kos- tenstruktur her einfach nicht mithalten. „Das ist das Fiese an der Sache.“ Effizienz und Qualität zur Standortsicherung Deshalb hat sich Gerriets für einen anderen Weg entschieden: den der Effizienz und Qua- lität. Im vergangenen Jahr habe man knapp eine Million Euro in eine Nähautomation in- vestiert, berichtet der Firmenchef. Seither werden die Säume der oft über zehn Meter hohen und über 20 Meter breiten Vorhänge nicht mehr von Hand genäht, sondern mittels Automatiksäumer – eine Art Trompete, über die der Stoff in die Maschine gezogen wird. „Statt einer Stunde braucht ein Saum nur noch vier Minuten.“ Viel Arbeit hat bislang auch das Handling der großen Vorhänge gemacht. „Die Näherinnen kamen auf eine Nähzeit von höchstens 25 Prozent“, schätzt der Unternehmer. Den Rest der Zeit seien sie damit beschäftigt gewesen, „schwere Vorhänge von A nach B zu tragen“. Auch damit ist nun Schluss. Die Stoffe glei- ten jetzt auf einem Lufttisch zwischen den Maschinen hin und her. Wo früher zehn oder mehr Mitarbeiterinnen einen Vorhang trans- portieren mussten, reichen heute eine oder zwei. Realisiert hat das Ganze ein speziali- sierter Maschinenbauer von der Schwäbi- »Der Ehrenkodex, dass man Konkurrenz- produkte nicht kopiert, sondern allenfalls verbessert, gilt nicht mehr« Weltmarktführer aus der Region Kontinuierliches Investieren als Erfolgsrezept Theatervorhänge, wie hier im Odeon in Bukarest, sind nach wie vor das Kernge- schäft von Gerriets. TRANSFORMATION| Seit über 75 Jahren stellt die Gerriets GmbH in Umkirch Theatervorhänge her. Geschäftsführer Hannes Gerriets bringt die Firma seines Opas nun in die vierte Generation. Um für die Zukunft gerüstet zu sein, waren in dieser Zeit etliche Male wegweisende Entscheidungen nötig.

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