Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Oktober'24 -Südlicher Oberrhein

11 10 | 2024 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten vorzumachen. Oftmals tragen die Teamleiter mit ver- schiedenen Muttersprachen dazu bei, dass sich im Unternehmen alle verständigen können. Damit die Zusammenarbeit auch auf der sozialen Ebe- ne funktioniert, gibt es für Pilgram klare Regeln: „Wir akzeptieren keine fremdenfeindlichen Äußerungen.“ So etwas führe in seinem Unternehmen zu einer fristlosen Kündigung. Auch sollen die Mitarbeiter kulturelle Kon- flikte nicht mit in den Betrieb bringen, Kriege sollten im Unternehmen nicht diskutiert werden. Das funkti- oniere gut – bei ihm könnten Russen ohne Probleme neben Ukrainern arbeiten, erzählt Pilgram. Gleichzeitig versucht das Unternehmen, auch auf die Bedürfnisse der Angestellten einzugehen und fair und offen mit allen umzugehen: Möchte im Ramadan jemand im Unternehmen beten, wird ein Raum dafür gefunden. Und wenn ein anderer in dieser Zeit lieber freihaben will, dann wird auch der Urlaub genehmigt. Pilgram: „Im Gespräch versuchen wir, uns auf jeden Einzelnen einzustellen.“ Auch bei der Wohnungssuche unterstützt EOM - soweit möglich: Sei es mit einem guten Wort beim Vermieter oder mit dem Herstellen von Kontakten. Aus Sicht von Peter Pilgram ist ein weiterer Schlüssel für den Erfolg: Das Unternehmen fördert seine Mitarbeiter nach ihren Fähigkeiten und bietet Aufstiegsmöglichkeiten. „Wir sehen immer das Potenzial und übertragen dann auch Verantwortung, wenn sich jemand entwickelt.“ Dass das funktioniert, könne er jeden Tag beobachten – die Mitarbeiter seien dankbar, brächten sich ein. Weg 3: Azubis und Fachkräfte direkt im Ausland rekrutieren 100 verschiedene Nationen beschäftigt der Europa- Park. Traditionell war der Freizeitpark vor allem im Bereich Kunst und Entertainment schon immer inter- national aufgestellt. Außerdem kommt rund ein Viertel der Beschäftigten aus dem benachbarten Frankreich. „Wir befinden uns in einer ländlichen Region mit na- hezu Vollbeschäftigung“, sagt Personaler Frederik Mack. „Da haben wir das regionale Potenzial an Ar- beitskräften inzwischen ziemlich ausgereizt.“ In den vergangenen Jahren bemüht sich der Park darum vor allem im Bereich Hotellerie um Fachkräfte aus dem außereuropäischen Ausland. Vor fünf Jahren hat bei- spielsweise der erste Azubi aus Kirgisistan seine Aus- bildung begonnen. „Vor rund drei Jahren haben wir intensiver mit dem Recruiting im Ausland begonnen“, erzählt Mack. In- zwischen gibt es spezielles Recruiting für Fachkräfte und vor allem Azubis aus dem Ausland: In Zentralasien, vor allem Kirgistan und Usbekistan, sowie im südli- chen Afrika, also in Namibia und Südafrika, arbeitet der Park mit lokalen Partnern zur Personalgewinnung zusammen. „Wir sind dort jedes Jahr vor Ort, um die Bewerbungsgespräche zu führen und auch um sicher- zustellen, dass unsere Standards eingehalten werden“, so Mack. Obwohl der Europa-Park auch schon ausgelernte Fach- kräfte aus dem Ausland einstellt, liegt der Fokus eher auf Azubis. Aus der Sicht von Mack sind die zwei bis drei Jahre Ausbildung auch deshalb sinnvoll, weil die Azubis dann eine größere Chance haben, die neue Kultur kennenzulernen. „Mittel- und langfristig sind für uns Ausbildungen besonders erfolgversprechend“, erklärt er. Drei Vollzeitstellen gibt es beim Europa-Park für International Recruiting. Die Verantwortlichen dort helfen nicht nur denjenigen, die frisch ankommen, sie haben auch im Blick, wann Aufenthaltsgenehmigun- gen auslaufen und unterstützen, wenn gewünscht, bei Verlängerungen. Zusätzlich gibt es auch im Europa-Park ein Welcome Center, in dem elf Sprachen gesprochen werden – dort findet ein umfassendes Onboarding der neuen Mitarbeitenden und Azubis statt. Für ausländische Auszubildende werden dort auch spezielle Sprach- kurse angeboten – unter anderem, damit die Auszu- bildenden gut durch die Berufsschule kommen, denn sowohl Arbeitsalltag als auch Ausbildung müssen sie auf Deutsch bestreiten. Auch um die Unterbringung der Mitarbeiter kümmert sich der Freizeitpark – insgesamt 1.500 Betten hat der Park inzwischen dafür. Nach ihrer Ausbildung können die meisten Azubis im Europa-Park bleiben. In diesem Jahr übernahm der Park 96 Prozent von ihnen. Lisa Kuner Bilder: Adobe Stock - CarlosBarquero/Coloures-Pic

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