Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Oktober'24 -Südlicher Oberrhein

10 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 10 | 2024 TITEL Weg 1: Fachkräfte mithilfe einer Agentur anwerben Das Wellnesshotel liegt in Winden im Südschwarzwald. Rund 170 Menschen arbeiten dort, 30 davon sind Azu- bis. In dem Familienbetrieb sind rund 20 verschiedene Nationen beschäftigt. „Über die letzten Jahre hat der Anteil der ausländischen Arbeitskräfte schon zugenom- men“, erklärt Gastwirtin Ulrike Tischer. Drei Familien aus Sri Lanka arbeiten beispielsweise in verschiedens- ten Positionen im Hotel. Um langfristig dem Fachkräf- temangel entgegenzuwirken, wirbt das Unternehmen über eine Agentur außerdem Azubis an – hauptsächlich für die Gastronomie. Die Agentur kümmert sich dann darum, dass diese ein Visum erhalten – um Behörden- gänge, Bahnticket und ähnliches kümmert sich Fami- lie Tischer vor Ort. Fünf indonesische Azubis sind so schon ins Elztalhotel gekommen. „Außerdem stellen wir eine Wohnung zur Verfügung.“ Für Ulrike Tischer ist das schon fast selbstverständlich. Mehrere Azubis wohnen dabei gemeinsam in einer WG und teilen sich eine Küche, auch eine Erstausstattung, also Möbel, Geschirr, Bettwäsche und Ähnliches, stellt die Fami- lie Tischer. Um den Azubis ein bisschen Mobilität zu ermöglichen, gibt es auch Fahrräder. Aktuell bietet das Elztalhotel 32 Wohneinheiten für seine Mitarbeiter, und die Tischers haben noch ein weiteres Haus gekauft, das sie für Mitarbeiter umbau- en wollen. Wohnraum sei nicht nur für ausländische Fachkräfte wichtig, sondern auch für Mitarbeiter aus der Region immer wieder das Zünglein an der Waa- ge. „Bei der Integration vor Ort hilft dann auch das ganze Team“, sagt Ulrike Tischer. Tochter Julia hat beispielsweise im vergangenen Jahr mit den neuen Azubis einen Wanderausflug unternommen und ihnen die Region gezeigt. Wenn die Azubis ihre Heimat und ihre Familie vermissen, nimmt Chefin Ulrike Tischer sie auch mal in den Arm. Außerdem hätten sich zu Beginn die Familien aus Sri Lanka gut um die Azubis aus Indonesien gekümmert, sie zum Essen eingeladen und zum Einkaufen mitgenommen. „Das hat mich sehr beeindruckt“, erzählt Ulrike Tischer. Der viele Aufwand lohnt sich aus ihrer Sicht: Die ausländischen Azubis seien freundlich, brächten sich gut ins Team ein und seien ein Gewinn für das Hotel. „Es gibt nicht das eine Rezept, wie man es schafft, ausländische Azubis gut zu integrieren“, meint sie. Wichtig sei es, auf die Menschen und ihre Bedürfnisse individuell einzugehen. Weg 2: Migranten in Deutschland qualifizieren Der Pulverbeschichter EOM aus Offenburg ist 2016 mit sechs Mitarbeitern gestartet, inzwischen beschäftigt es 49 Mitarbeitende aus 13 Nationen an drei verschie- denen Pulverbeschichtungsanlagen. „Bei uns ist es oft laut und schmutzig“, erklärt Geschäftsführer Peter Pilgram. Schon seit Jahren gäbe es deshalb zunehmend Probleme, Stellen mit Fachkräften zu besetzen, Stel- lenanzeigen blieben oft erfolglos. Darum hat das Unternehmen entschieden, seine Fach- kräfte selbst auszubilden und dafür auch zunehmend Menschen mit Migrationshintergrund ohne einschlä- gige Erfahrung einzustellen – die haben sich entweder bei dem Unternehmen beworben oder wurden von der Agentur für Arbeit vermittelt. Grundvoraussetzung: Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Viele andere Quali- fikationen könnten die Mitarbeiter dann auch bei der Arbeit erlernen. Um mögliche Sprachbarrieren zu überwinden, setzt EOM bei der Einarbeitung der Mitarbeiter vor allem darauf, Arbeitsabläufe immer wieder zu zeigen und Best Practice: Bei der Integration von Fachkräften vorangehen Von Recruiting bis Qualifikation Integration von Fachkräften und Azubis aus dem Ausland ist eine Herausforderung. Welche unterschiedlichen Wege das Elztalhotel, EOM und der Europa-Park gehen.

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