Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Oktober'24 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
59 10 | 2024 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten NACHHALTIGKEIT emotionale Bindung an das Unternehmen nicht zu unterschätzen. Welche beratenden Schritte sollten Unternehmen frühzeitig unternehmen, um eine erfolgreiche Nach- folge sicherzustellen? Für das Thema der Unternehmensübergabe ist das Know-how verschiedener Akteure relevant, wie zum Beispiel Steuerberatungen, Anwälte, eine Beratung durch Banken und Unternehmensberater. Unternehmen sollten daher mindestens fünf Jahre vor der geplanten Übergabe mit der Nachfolgeplanung beginnen. Dazu gehört insbesondere die Suche nach einer geeigneten Nachfolge, aber auch die Bewertung des Unternehmens und die Klärung vieler steuerlicher und rechtlicher Fragen. Die Nachfolge auf den Weg zu bringen, fällt sicherlich nicht leicht? Man sollte sich auf jeden Fall auch emotional und per- sönlich auf die Lösung vom Unternehmen vorbereiten. Der eine schafft das leichter, der andere schwerer. Häufig reden wir von einem ganzen Lebenswerk, dass es in andere Hände abzugeben gilt. Ich persönlich arbeite nun beratend in meinem Unternehmen mit, welches ich übergeben habe. Dies ist auch immer eine wichtige nützliche Stütze für den Nachfolger. Und durch meine ehrenamtliche Tätigkeit als Präsidentin der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg weiß ich, dass das Konzept der Nachfolgemoderation der IHK eine erste Orientierung und wichtige Hilfe im gesamten Prozess der Nachfolge geben kann. Warum ist das Thema Unternehmensnachfolge für die IHK und ihre Mitgliedunternehmen von beson- derer Bedeutung? Allein in den kommenden fünf Jahren stehen bundes- weit 250.000 Unternehmen zur Übergabe an. Unserer Erfahrung nach kann von diesen Unternehmen zirka ein Drittel die Nachfolge innerhalb der Familie regeln und jedes fünfte dieser Unternehmen wird an Mitarbeiter übergeben werden. In der Konsequenz benötigen etwa die Hälfte dieser Betriebe eine externe Nachfolge. Wei- terhin schätzen wir, dass, je nach Branche, zwischen drei bis vier abzugebende Unternehmen einem po- tenziellen externen Nachfolger gegenüberstehen. Das heißt leider auch, dass alle anderen für immer ihre Tore schließen werden. Betrachten wir dabei einmal unsere Region, dann werden momentan von den 34.000 Mit- gliedsbetrieben der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg rund 1.700 von Frauen und Männern über 55 Jahren geführt. Diese Unternehmen werden als nächstes nachfolgerelevant, wenn man von einer Übergabedauer von fünf bis zehn Jahren ausgeht. Das Thema Nachfolge nimmt also stetig an Bedeutung zu. Es ist ein wichtiger Faktor für die Stabilität und das Wachstum unserer Wirtschaft in der Region. Und am Ende des Tages geht es nicht nur um das Unterneh- men, sondern auch um die vielen Arbeitsplätze. Und da diese Betriebe momentan genau vor dieser Herausforderung ste- hen, geeignete Nachfolgerinnen und Nachfolger zu finden, haben wir uns dieses Thema ganz groß auf die Fahne geschrieben. Die IHK versteht sich hierbei als Part- ner und Unterstützer, um diesen Übergang so reibungslos wie möglich zu gestalten. Welche speziellen Angebote oder Programme bietet die IHK, um bei der Nachfolgeplanung zu unterstützen? Die IHK Schwarzwald-Baar- Heuberg hat eine Nachfolge- kampagne initiiert und bietet in deren Rahmen eine Vielzahl von kostenfreien Programmen an. Ich denke hier beispielswei- se an die Sprechtage zur Nach- folgeplanung, die persönliche Beratung und Begleitung durch Expertinnen und Experten im Rahmen einer Moderation, an unseren Arbeitskreis Nachfolge zum gemeinsamen Erarbeiten von Lösungsansätzen mit ande- ren Nachfolgeakteuren und eine Börse zum Suchen und Finden einer Nachfolge. Zudem arbeiten wir eng mit Finanzinstituten und Beratungsfirmen zusammen, um eine umfassende Unterstützung zu gewährleisten. Denn keine Übernahme ist wie die andere und jede Phase im Übergabeprozess braucht das passende Wissen. Hier können vor allem unsere beiden IHK- Nachfolgeberaterinnen Larissa Kratt und Marlene Ro- ming eine wichtige Anlaufstelle sein, denn neben einem umfangreichen Wissen und jahrelangen Erfahrungen in der Unternehmensnachfolge verfügen sie auch über ein weitreichendes Netzwerk. Was würden Sie Unternehmern raten, die sich aktuell mit der Frage der Nachfolge beschäftigen? Mein wichtigster Ratschlag ist: Fangen Sie früh an! Je früher, desto besser. Die Nachfolge ist ein Prozess, der Zeit, Planung und oft auch viel Geduld erfordert. Nutzen Sie die Unterstützung, die Ihnen zur Verfügung steht, und seien Sie offen für eine externe Beratung und Begleitung. Gerade diese liefert oft nochmals eine ganz andere und vor allem auch eine neutrale Sicht auf die Dinge. Und die IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg hilft hier gerne mit ihren Angeboten und bei Fragen rund um das Thema Unternehmensnachfolge. Dafür haben wir eigens eine Nachfolgehotline eingerichtet, die interessierte Unternehmen erreichen können unter 07721 922-250 oder per E-Mail an nachfolge@ vs.ihk.de. BIRGIT HAKENJOS ... hat im Juli nach über 20 Jahren als Geschäftsführerin ihre Geschäftsantei- le an der „HAKOS Präzisionswerkzeuge Hakenjos GmbH“ mit Sitz in Villingen- Schwenningen an die Ketterer Familien GmbH in Bad Dürrheim übertragen. Seit 2018 ist die 58-Jährige Präsidentin der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg.
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