Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September'24 -Südlicher Oberrhein
35 9 | 2024 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Welche Praxisbeispiele haben Sie bei der Recher- che für Ihr Buch besonders begeistert? Groß: Da ist zum einen die „REWElution“, die mit ihren KI-gesteuerten Assistenzsystemen mehrere hundert- tausend Supermarkt-Mitarbeiter in Deutschland be- trifft – bis hin zu den Mitarbeitern im Markt vor Ort. REWE zeigt ganz gut, dass KI überall eingesetzt werden kann – etwa bei Kundenberatung, Codegenerierung oder Bearbeitung von Mails – und nichts mit einem hohen Maß an Kompetenz zu tun hat. Dann ist da Zeiss, die optische und optoelektronische Lösungen herstellen und zeigen, wie man KI-Talente im Unternehmen organisieren sollte, weg vom Lo- nesome-Cowboy hin zu intensiver Zusammenarbeit und Verknüpfung im KI-Team mit flachen Hierarchien. Bestmögliche Arbeitsumgebungen sollen die Talente im Unternehmen halten, einer Fluktuation vorbeugen und dafür sorgen, dass sie in der Firma nicht „versau- ern“. Zeiss setzt beispielsweise darauf, seinen Talenten ausreichend Raum für Innovation und konzentriertes Arbeiten zu bieten, auf die Teilnahme an Expertenkon- ferenzen und Zeit für den fachlichen Austausch. Das Dritte, was ich gern herauspicken würde, ist das Corporate Learning. Es gibt extrem viele Möglichkei- ten, den Lernprozess über KI wesentlich individueller zu gestalten – von personalisierten Empfehlungen von Kursen bis hin zur individuellen Prüfungsvorbe- reitung. Worauf wird die Arbeitswelt künftig nicht verzich- ten können? Groß: Bleiben werden garantiert die ganzen Copilot- Funktionen. Beste Beispiele schon jetzt sind unsere Google-Suche oder die automatische Wortergänzung in Messenger-Diensten. Da vergessen wir, dass wir schon seit über 20 Jahren mit KI zusammenarbeiten. Wenn man die Pyramide nimmt von Copilot, Assistenz- und Support-Funktionen, kommen als nächstes die Kerngeschäftsprozesse und dann die Geschäftsmo- delle. Es ist ein bisschen Kaffeesatzleserei, welche Geschäftsmodelle mit KI sich durchsetzen werden. Werden wir in Zukunft beispielsweise noch googeln müssen? Das Geschäftsmodell von Google – auch von Youtube – basiert auf Werbung, auf Adwords. Bis heute ist das extrem ertragreich, doch existiert das in fünf bis zehn Jahren noch oder läuft das dann anders ab? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Wichtig ist, dass sich Unternehmen auf Innovations- sprünge vorbereiten und sie durch die simple Frage antizipieren: Was ist der unabweisbare Grund, dass es mich in zehn Jahren noch geben muss? Bitte nicht: „Wir haben gute Kundenbeziehungen“ oder ähnliches. Das ist zu weich. Sondern: Was macht uns unersetzbar, wo uns auch keine KI das Wasser abgraben kann? Wenn man diese Basis hat, kann man sich fragen, wie das Geschäftsmodell in Zukunft aussieht. Wer sollte Ihr Buch unbedingt lesen? Staff: Wir haben das Buch sehr stark auf Führungs- kräfte ausgerichtet, sehr allgemein, weil das Thema KI ja alle Branchen, alle Funktionsbereiche betrifft. Und natürlich gibt es ein paar Spezialthemen im Buch, die besonders Personalverantwortliche oder Organisationsverantwortliche ansprechen. Da wir aber alle Facetten, von der Strategie über Risiken, Perspektiven, Personalkulturthemen bis hin zu praktischen Beispielen durch renommierte Autoren abgedeckt haben, ist das Buch auch für Menschen interessant, die sich in das Thema gesamtheitlich einarbeiten wollen. Es ist gut lesbar und so geschrie- ben, dass man auch nur einzelne Kapitel lesen kann. Das Gespräch führte Daniela Santo BUCHTIPP Michael Groß und Jörg Staff bieten in ihrem Buch „KI-Re- volution in der Arbeitswelt“ – 322 Seiten, Haufe, 49,99 Eu- ro (Print und E-Book) – einen Überblick über Strategien und Perspektiven, Chancen und Risiken von Künstlicher Intelligenz in Personalarbeit, Führung und Organisation. Im übersichtlich aufgebauten Ratgeber finden sich neben konkreten Hand- lungsempfehlungen auch gelungene Best-Practice-Beispiele sowie zahlreiche Beiträge renommierter Autoren. JÖRG STAFF ... ist Keynote Speaker un- ter anderem des Zukunfts- instituts, Autor, Executive Advisor, Aufsichtsrat und Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Personal- führung (DGFP). Er hat in Executive Positionen inter- nationaler Konzerne gear- beitet und ist Experte für Zukunft der Arbeit, Transfor- mation zu human zentrierten Unternehmen, Zusammen- spiel von Technologie und Mensch, transformativer Führung und HR. Über 100 Auszeichnungen begleiten seinen beruflichen Weg.
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