Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September'24 -Südlicher Oberrhein
14 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 9 | 2024 MENSCHEN | GRÜNDER Herr Stemmler, allerorten ist die Klage zu hören, dass vor allem das Sanieren von Gebäu- den immer teurer und immer komplexer wird. Wie kann Ihre Geschäftsidee da helfen? Simon Stemmler: Fürs Planen und Kalkulieren braucht es immer Pläne, also Grundrisse, 2D-Darstellungen oder 3D-Modelle. Bisher wurden Gebäude dafür von Hand vermessen. Mit den ermittelten Daten haben Bauzeichner oder Architekten dann die Grundrisse und Modelle per CAD erstellt. Schneller und präziser geht’s aber inzwischen per Laser-Scan in Kombination mit unserer Bimeto-Software. Wie funktioniert das konkret? Stemmler: Nehmen wir eine geplante Gebäudesanierung. Zuerst werden die einzelnen Räume und die Außenhülle eines Gebäudes mit einem Laserscanner digital erfasst. Unsere Software analysiert die dabei entstandene „Punktwolke“ aus mehreren Millionen von Mes- spunkten und generiert daraus automatisch die Grundrisse und Modelle. Das klappt immer besser, da unsere Software immer schlauer wird und inzwischen auch sehr komplexe und anspruchsvolle Gebäude darstellen kann, beispielsweise Kirchen. Und wie hilft Ihre Software nun, das Sanieren günstiger, kalkulierbarer, schneller und einfacher zu machen? Stemmler: Zunächst mal über die Zeitersparnis bei der Planerstellung. Die liegt zwischen 50 und 70 Prozent. Bei einem Mehrfamilienhaus aus den 70er-Jahren mit klarer Struktur braucht unsere Software etwa einen Tag und alle Pläne und sogar ein 3D-Modell liegen vor. Außerdem haben alle an einem Bauvorhaben beteiligten Gewerke eine aktuelle und hoch- präzise Datenbasis, etwa fürs Erstellen von Raumbüchern, Angeboten oder Gestaltungsvor- schlägen. Und natürlich auch für die Kontrolle der Kosten und fürs Prüfen der Rechnungen. Wann und wie ist die Bimeto-Idee den entstanden? Bastian Stahl: Simon und ich haben beide beim Freiburger Fraunhofer-Institut für Physika- lische Messtechnik IPM in der Forschung gearbeitet. 2021 gab’s eine Problemstellung aus der Praxis am Bau, die uns Mitglieder des Kuratoriums vorgelegt haben - nicht passende Türen aufgrund fehlerhafter Planungsdaten. Wir konnten eine Lösung anbieten und dabei kam schnell die Vermessung von ganzen Gebäuden in den Fokus. Start-up-Gründungen sind bekanntermaßen kein Spaziergang und nicht alle enden mit einem Erfolg. Wie war die Anfangszeit für Sie und wo stehen Sie jetzt im zweiten Jahr? Stemmler: Wir hatten tolle Unterstützung von unseren Mitgründern Steffen und Ingo Auer und Frank Rauch. So konnten wir uns von Anfang an ganz auf die Softwareent- wicklung konzentrieren. Und über unseren Kunden der ersten Stunde, das Freiburger Unternehmen Plan4, kamen wir schnell ins operative Geschäft. Inzwischen sind wir zu sechst und verbuchen konstante Umsätze. Auch keine Selbstverständlichkeit. Und zum Schluss noch ein Blick in die Zukunft: Wie geht’s für die Bimeto GmbH weiter? Stahl: Im Moment arbeiten wir auf einem eigenen Server hier in unseren Räu- men, planen aber den Umzug zu einem Cloud-Anbieter, um mehr Rechenleis- tung und Datensicherheit zu haben. Außerdem verhandeln wir mit Softwarean- bietern, um unser Produkt als Plug-in für Kunden-Software bereitstellen zu können. Und was die Auftragslage anbelangt: Wir sind davon überzeugt, dass uns der Sanierungsstau, insbesondere bei öffentlichen Gebäuden, und die Pflicht zur energetischen Sanierung in die Karten spielt. Interview: Brigitte Gass bimeto GmbH: Blitzkonzeption mit Laser-Scan Gebäudepläne – schnell und präzise „bimeto GmbH“ Gründer: Ingo Auer, Steffen Auer, Frank Rauch, Bastian Stahl, Simon Stemmler Ort: Freiburg Gründung: 2022 Branche: Softwareentwicklung Idee: Automatische Generie- rung von Gebäudeplänen aus 3D-Daten Website: bimeto.de Simon Stemmler (l.) und Bastian Stahl
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