Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September'24 -Südlicher Oberrhein

12 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 9 | 2024 MENSCHEN | KOPF DES MONATS Der Überzeugungstäter Fritz Keller – Sterne-Gastronom und Winzer | „Pinot and Rock“ VOGTSBURG-OBERBERGEN. Er macht feine Wei- ne, sein Restaurant „Schwarzer Adler“ ist ein gastrono- mischer Leuchtturm. Und er ist ein Unternehmer, der vor nichts zurückschreckt. Gerade hat er eine Initiative angestoßen, die aus dem beschaulichen Breisach eine Rock- und Pop-Metropole auf der deutschen Festival- Landkarte macht. „Sehr zufrieden“ sei man mit der „Pinot and Rock“ Bilanz, so Keller. „Wir haben uns sprichwörtlich auf jungfräuliches Gelände begeben. Und unsere Erwartungen übertroffen.“ Das Festival entspricht Kellers Idee von Unternehmer- tum: „Jeder ist verpflichtet, für die kommende Genera- tion und für seine Branche etwas zu machen“, so Keller. „Zum Beispiel Sport und Kultur zusammenbringen. Wie wir es beim SC Freiburg zum 100-jährigen Jubiläum gemacht haben, als wir Herbert Grönemeyer auf die Messe nach Freiburg holten.“ Für die Messe damals eine Neuheit: „Alle haben gemeint, dass das nicht ge- hen würde.“ Aber für ihn gelte die Ausrede „geht nicht“ eben nicht. Und dann sei es ja tatsächlich auch gegan- gen. „Musikveranstaltungen habe ich übrigens immer schon gern gemacht, wie etwa Jazz und Avantgarde auf unserem Weingut. Die „Pinot & Rock“-Idee hatten wir schon vor Corona!“ Als Unternehmer habe er oft die Erfahrung gemacht, dass sportlich oder musikalisch engagierte junge Menschen besonders wertvolle Team-Mitglieder im Betrieb seien. Aber nicht nur deshalb sei es wichtig, Sport- und Musiktalente zu fördern. „Es geht um die Freude am Tun für sich selbst und für an- dere Menschen! Ich nenne das pädagogi- sche Nachhaltigkeit.“ Wer viele Interessen zusammenbringe, schaffe neue Gemein- schaften: „Wir brauchen als Gesellschaft wieder mehr Gemeinschaften.“ Das sei auch die zentrale Idee bei „Pinot & Rock“ gewesen: eine Gemeinschaft zu schaffen. „Der Weinwirtschaft geht es in weiten Teilen derzeit nicht gut“, betont Keller. Da habe er was tun wollen für die Branche. Und regionalen Bands eine Chance geben, ihre Musik neben großen Stars zu präsentieren. Mit Erfolg: „Wir hatten 130 Bewerbungen dafür, das hätten wir uns nie erträumt! Alles Bands mit eigenem Material. Und 80.000 Leute haben im Netz mit abge- stimmt, wer Auftritte gewinnen soll.“ Er sei „manchmal erschrocken“ gewesen, mit welcher Leidenschaft alle im Festival-Team für die Umsetzung seiner Vision ge- arbeitet hätten. Manchmal, so Keller, bräuchten die Leute „einen klei- nen Anstoß“, um Neues aufs Gleis zu setzen. Ein The- ma, bei dem er sich bestens auskennt: 2008 war er der erste Edel-Winzer Deutschlands, der seinen Namen für Weine des Discounters „ALDI“ hergab. Damals ging ein Raunen durch die Branche, dass man so etwas doch nicht machen könne. Doch noch heute gibt es bei Aldi die Keller-Weine, an denen 300 badische Winzer mit ihren Trauben verdienen. Risiken eingehen liegt bei Kellers in der Familie: „Mei- ne Oma war im Ort die letzte Wirtin, die noch einen jüdischen Stammtisch angeboten hat. Mein Vater war ein Vorkämpfer gegen die Flurbereinigung. Dafür wur- de unser Haus beschmiert, und er wurde als Lügner diffamiert. Ich habe damals gelernt: Wenn du von et- was überzeugt bist, dann musst du das machen. Tu aber bitte nichts für den kurzfristigen Applaus. Der ist gefährlich.“ Wichtiger sei die Perspektive, wie beispielsweise bei der Verpflichtung Christian Streichs als Cheftrainer beim SC Freiburg, den Keller 2011 als SC-Präsident überredete, das Amt anzutreten. Oder bei der Idee für das neue SC-Stadion. „Damit stand ich am An- fang auch allein da. Keiner wollte das.“ Dass es bei solchen Projekten erstmal „eins auf die Fresse“ gebe, sei normal. Als Familienunternehmer sei er einer, der in Generationen denkt. „Wir müssen das wieder mehr pflegen. Das haben die Eltern und Großeltern gewollt. Wenn es mal hakt, muss man halt da durch und den Bauch und das Herz sprechen lassen.“ Er sei Überzeu- gungstäter, so Keller. Und neue Ideen habe er auch noch: „Da kommt noch was!“ Ralf Deckert » Es geht um die Freude am Tun für sich selbst und für andere Menschen! « KOPF des Monats Egal, ob es um ein neues Stadion in Freiburg geht oder gute Weine im Dis- counter: Um eine ausgefallene Idee ist Fritz Keller noch nie verlegen gewesen. Sein neuestes Projekt: Breisach am Rhein soll dank „Pinot and Rock“ zur Rockfestival-Metropole werden.

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