Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September'24 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
28 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 9 | 2024 REGIO REPORT IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg NZZ-Chefredakteur Eric Gujer zu Gast im Haus der Wirtschaft IHK-Sommerempfang mit 400 Gästen B eim Sommerempfang im Haus der Wirtschaft in Villingen- Schwenningen lieferte Hauptredner Eric Gujer, Chefredakteur der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ), wertvolle Denkanstöße und be- leuchtete den Standort Deutschland aus Schweizer Sicht, wobei er insbesondere auf die Herausforderungen und Chancen der deut- schen Wirtschaft einging. Gujer mahnte in der schwierigen wirt- schaftlichen Lage, in der sich Deutschland befindet, tiefgreifende Reformen und massive Kurskorrekturen an. IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos hatte in ihrer Begrüßung vor rund 400 Gästen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung bereits darauf hingewiesen, dass „dem Standort Deutschland das Kernrezept guter Politik abhandengekommen zu sein scheint: einfache und nach- vollziehbare Regeln mit guter Wirkung in der Praxis“. Sie betonte die Bedeutung guter nachbarschaftlicher Beziehungen für die wirt- schaftliche und gesellschaftliche Prosperität der Region. „Ein gutes Verhältnis zum Nachbarn ist unersetzlich“, sagte Birgit Hakenjos und zog Parallelen zwischen nachbarschaftlicher Unterstützung im privaten Leben und der Zusammenarbeit in der Wirtschaft. Wichtigkeit grenzüberschreitender Kooperationen In ihrer Rede hob die IHK-Präsidentin die Wichtigkeit grenzüber- schreitender Kooperationen hervor und nannte Beispiele erfolg- reicher Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Schweiz. So verwies sie auf den Glasfaser-Hauptknotenpunkt Blumberg, der die Region mit Zürich verbindet, sowie auf die zuverlässige Strom- versorgung durch die Schweizer Kraftwerke Gösgen und Leibstadt. Auch die Zusammenarbeit im Tourismus, beispielsweise durch die Drei-Welten-Karte, wurde als Beispiel gelungener Nachbarschaft genannt. Und zwei weitere wichtige grenzüberschreitende Schulterschlüsse zeichneten sich schon ab: Die Versorgung mit Wasserstoff entlang des Rheines scheint machbar. Die Trinationale Wasserstoff Initiati- ve – ein Verbund mit Partnern aus Deutschland, der Schweiz und Frankreich, dem auch die IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg angehört – bereite einen entsprechenden Antrag dafür vor. Damit komme der Energieträger Wasserstoff auch dem Schwarzwald, der Baar und dem Heuberg näher. Und auch der Schienengüterverkehr von Nord nach Süd werde gestärkt. Mit dem Bau des Verkehrstermi- nals in Horb am Neckar habe die Privatwirtschaft jüngst ein klares Bekenntnis zur Schienenachse Stuttgart-Zürich gesetzt. So sollen mehr Güter auf die Schiene kommen. An diesem letzten Punkt – dem Schienen- verkehr – lasse sich aber auch zeigen, dass bei der nachbarschaftlichen Zusammenar- beit und Verlässlichkeit noch deutlich Luft nach oben sei, so Birgit Hakenjos. Denn Deutschland bleibt den vollständigen Ausbau der Gäubahn nach wie vor schuldig – obwohl er 1996 zugesagt worden war. Darunter leiden Transportunternehmen und Reisende beider Länder gleichermaßen. „Deutschland kann es besser“, mahnt die IHK-Präsidentin an und kritisierte die zu hohen Energiepreise, dass zu wenige Geflüchtete in Arbeit sind, obwohl die Bereitschaft der Firmen zu Beschäftigung ungebrochen sei, dass der Fachkräftemangel so eklatant sei, obwohl die Betriebe doch in hohem Maße ausbildungsbereit seien und „warum es statt mehr Infrastruktur immer nur mehr Papierkram für die Unternehmen gibt“. Sie gab damit die Vorlage an Eric Gujer, der, in Deutschland ausgebildet und lange Jahre dort arbeitend, seine Einschätzung aus Schweizer Sicht gab. Auch Gujer kritisierte die hohen Energiekosten und die Auswirkun- gen der Klimapolitik auf die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unter- nehmen. Damit einher gehe die Verschleierung der tatsächlichen Kosten der Energiewende und die Forderung nach einer ehrlichen und transparenten Energiepolitik. Er warnte vor einer Deindustri- alisierung Deutschlands und betonte die Notwendigkeit, die Rah- menbedingungen für Investitionen zu verbessern. Verpflichtungen ernst nehmen Eric Gujer hob auch die Bedeutung der geopolitischen Resilienz hervor und plädierte für eine stärkere militärische und außenpoliti- sche Position Deutschlands in einer zunehmend instabilen Welt. Er IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos mahnte an: „Deutschland kann es besser.“ NZZ-Chefredakteur Eric Gujer glaubt, dass Deutschland die Kraft zu Reformen hat. Rund 400 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung kamen in das Haus der Wirtschaft nach Villingen-Schwenningen. »Deutschland kann es besser« Bilder Marc Eich
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