Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September'24 - Hochrhein-Bodensee

21 9| 2024 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten +19% +9% +25% +51% +26% +68% +92% +48% +111% +137% +71% +144% 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Basis Basis Effizienz Elektrifizierung Basis Effizienz Elektrifizierung Basis Effizienz Elektrifizierung Basis Effizienz Elektrifizierung 2021 2025 2030 2035 2040 Strombedarf [TWh] PtX Verkehr Haushalte GHD Industrie Projizierter Strombedarf von 2021 bis 2040 in der Region Hochrhein-Bodensee für die drei Szenarien Basis, Effizienz und Elektrifizierung D ie Stromstudie hat uns zwei wichtige Erkenntnisse gebracht. Zum einen, wie sich der Strombedarf voraussichtlich ent- wickelt, und zum anderen, dass trotz der ambitionierten Pläne für den Ausbau der er- neuerbaren Energien eine Versorgungslücke bleibt. Das sind keine guten Nachrichten“, sagt IHK-Präsident Thomas Conrady. „Die Regionalauswertung zeigt nun auf, dass wir auch in der Region Hochrhein-Bodensee unter Berücksichtigung der Landesziele bis 2040 nicht genug Strom aus erneuerbaren Energien lokal erzeugen werden, um den stei- genden Strombedarf zu decken. Die Ausbau- ziele müssen deswegen noch einmal deutlich ausgeweitet werden. Andernfalls werden wir auf Stromflüsse aus benachbarten Regionen, angrenzenden Bundesländern (Bayern, Hes- sen, Rheinland-Pfalz) oder Nachbarstaaten (Frankreich, Schweiz) angewiesen sein.“ Größter Bedarf bei Industrie Dass der Strombedarf bis 2040 kontinuier- lich steigen wird, ist keine Überraschung. Der generell starke Anstieg lässt sich durch die Elektrifizierung, insbesondere in den Bereichen Prozess- und Raumwärme sowie im Verkehrssektor erklären. Den größten Bedarf in der Region Hochrhein-Bodensee verzeichnet aktuell der Industriesektor. Es werden große Energiemengen für die Fer- tigungsprozesse von Produkten benötigt. Die höchste Bedarfssteigerung bis 2040 weist dabei die Metallindustrie auf. Eine Besonderheit der Region im Vergleich zu Baden-Württemberg ist der hohe Anteil des Strombedarfs der „sonstigen chemischen Industrie“ am Gesamtstrombedarf der In- dustrie. Während die Branche in Baden- Württemberg 2040 einen durchschnitt- lichen Anteil von etwa sechs Prozent am Industriestrombedarf hat, liegt der prog- nostizierte Wert in der Region Hochrhein- Bodensee bei etwa 15 Prozent. „Die Unternehmerinnen und Unternehmer in der Region machen sich zu Recht große Sorgen um die Versorgungssicherheit. Ob beim Ausbau von Straßen und Schienen, beim Wasserstoff-Kernnetz oder digitaler Infrastruktur: Unsere Region erlebt immer wieder, dass man in Grenzregionen Versor- gungsunsicherheiten eher in Kauf nimmt. Eine Unsicherheit bei der Stromversorgung kann die täglichen Betriebsabläufe erheblich beeinträchtigen. Die Versorgungssicherheit ist deswegen für die Unternehmen nicht verhandelbar“, sagt IHK-Präsident Thomas Conrady. Erhebliches Potential der erneuerbaren Energien Die Studie hat auch ergeben, dass bezüglich des Ausbaus der erneuerbaren Energien er- hebliches Potential in der Region existiert – insbesondere durch Photovoltaikanlagen auf Dächern und Freiflächen. „Ein entspre- chender Zubau an erneuerbaren Energien, selbst auf Basis der aktuellen politischen Zielsetzung ist höchst herausfordernd“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführerin Katrin Klodt-Bußmann. „Um den künftigen Bedarf über regionale Erzeugung bedienen zu kön- nen, müssten die regulatorischen Rahmen- bedingungen schnellstmöglich verbessert werden.“ „Ein weiteres großes Fragezeichen steht auch bei der Finanzierung dieser Mammut-Aufga- ben. Wir sprechen beim künftigen Strom- bedarf und dessen Erzeugung oft nur von Terrawatt. Ein ebenso wichtiger Aspekt sind die Kosten. Für die Energiewende braucht es Flächen und Investitionen vor Ort genauso wie eine überregionale leistungsfähige Infrastruk- tur. Das sind Fragen, auf die wir zügig eine Antwort brauchen. Denn ohne den schnelle- ren Ausbau von erneuerbaren Energien und Stromnetzen drohen unserer Region und der Südwestwirtschaft insgesamt große Wettbe- werbsnachteile. Die Wirtschaft ist bereit, ih- ren Teil zu leisten. Jetzt ist die Politik am Zug, um auf dem Feld der Regulatorik alle Hürden zu beseitigen, die den Klimaschutzaktivitä- ten der Unternehmen und dem Ausbau der Erneuerbaren im Wege stehen“, sagt Thomas Conrady abschließend. hw „ Nach den landesweiten Ergebnissen der Stromstudie im Auftrag des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages (BWIHK) zu Beginn des Jahres steht jetzt auch die Regionalaus- wertung für die drei Landkreise Konstanz, Lörrach und Waldshut zur Verfügung. Bei der Sommervoll- versammlung wurden die Ergebnisse nun von Verena Fluri vom Fraunhofer-Institut für Solare Energie- systeme in Freiburg vorgestellt. Regionalauswertung der Stromstudie Baden-Württemberg Versorgungslücke bleibt

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