Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juli/August'24 -Südlicher Oberrhein

18 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 7+8 | 2024 REGIO REPORT  IHK Südlicher Oberrhein 17 Zukunftsforum Wirtschaft und Kommune Wochenmärkte: Erlebniswelt in der Erlebniswelt 19 Jobmotor 2024 Preise für Firmen aus der Region 23 Veranstaltungsreihe zu CSRD Thema Nachhaltigkeit gemeinsam angehen 25 Sperrung des Rheinübergangs bei Gambsheim Sechs Wochen lang Umleitung 26 BFI Campus Leben und Arbeit rücken zusammen 28 Werben für die duale Ausbildung Einfach mal frei raus 29 IHKconnect Neues Netzwerk für Unternehmerinnen 30 Zollpapier Carnet ATA Wenn eine Maschine auf Reisen geht... INHALT aus Sicht der Besucher fasste Kaiser folgen- dermaßen zusammen: „Zu wenig Marktbe- schicker, keine angenehme Aufenthalts- qualität, etwa aufgrund von Autoverkehr oder Radler im oder um den Markt herum, sowie ein schlechtes Erscheinungsbild der Marktstände und Missgunst zwischen den Beschickern, also ein angespanntes Klima.“ Dagegen die Erfolgsfaktoren: „Dies sind der richtige Zeitpunkt, eine gute Lage in einer Umgebung mit Flair, regionale Vielfalt sowie Marktkaufleute mit Qualitätsanspruch und Authentizität.“ Ein Problem, das fast alle Kommunen ver- eint: immer weniger Marktbeschicker. Kaiser: „Der Markt der suchenden Kommunen ist deutlich größer als das Angebot.“ Passend dazu gab es im Foyer eine Stellwand. Auf der einen Seite durften Kommunen Suchanzei- gen ausfüllen und anpinnen, auf der anderen stellten sich potenzielle Marktbeschicker vor. Kulturschatz und Frequenzbringer In seiner anschließenden Keynote „Wochen- märkte – Frequenzbringer und Marktplatz der Möglichkeiten“ zeigte Citymanager Wolf- gang Koch von der Agentur Meyer & Koch aus Endingen, wie vielfältig Märkte daher- kommen können und was alles machbar ist. Dabei stellte er zuvor heraus, was Märkte bereits sind: „Sie sind der Treffpunkt in einer Stadt und eine Erlebniswelt in der ‚Erlebnis- welt Stadt‘. Hier verbinden sich Freizeit und Konsum.“ Dass Marktatmosphäre etwas Be- sonderes ist, sei allein daran zu erkennen, dass viele Supermärkte ihre Obst- und Ge- müseabteilungen wie einen Markt gestalten – mit Markisen, Kisten und Fußboden aus Kopfsteinpflaster-Laminat. Ab 14 Ständen wird es spannend Koch beschrieb Wochenmärkte als „Kul- turschatz“, der wirtschaftliche Impulse für eine Stadt liefert. Laut einer Untersuchung in Österreich geben Wochenmarktbesucher auf dem Markt je 20 Euro aus, lassen aber im Schnitt in weiteren Läden oder Einrich- tungen noch einmal 40 Euro liegen. Um Wochenmärkte interessant zu gestalten, braucht es laut Koch eine funktionierende Infrastruktur für Besucher und Händler, „wie Strom, Wasser und Toiletten“. Dazu eine gute Auswahl durch viele Beschicker: „Die magi- sche Zahl liegt bei 14 Ständen, ab da wird es spannend.“ Der Citymanager plädierte dafür, lokale Institutionen, Vereine und Kul- turschaffende in die Planung einzubeziehen und dem Markt werblich ein eigenes Gesicht zu verleihen: „Corporate Design ist Pflicht!“ Attraktivität durch Marktgeschehen Welchen Stellenwert Wochenmärkte für das Image einer Stadt haben, brachte Ulrich Hartung vom Marktforschungsunternehmen Emergent Actio aus Ihringen anhand einer Studie auf den Punkt. Sie basiert auf 11.000 Interviews in 103 Städten im Südwesten und 9.000 Online-Interviews. 56 Prozent der Wo- chenmarktbesucher erledigen zusätzliche Einkäufe und 84 Prozent der Wochenmarkt- besucher kommen mindestens einmal pro Woche in die Innenstadt. Wer keine Wochen- märkte besucht, geht seltener in die Stadt. 37 Prozent der Wochenmarktbesucher wol- len auch die Atmosphäre im Stadtkern ge- nießen. Hartung: „Es geht längst nicht mehr nur um den Verkauf von Lebensmitteln.“ Im Umkehrschluss bedeutet dies: Kommunen sollten für ihren Markt ein gutes Umfeld und ein breites Angebot schaffen. Gute Ansätze gibt es Wie Wochenmärkte erfolgreich sein können, zeigten zum Abschluss des Zukunftsforums Wirtschaft und Kommune die fünf Städte Waldkirch, Haslach, Lahr, Elzach und Hei- tersheim. Bei allen vorgestellten Konzepten wurde klar, dass Verwaltung, Beschicker und Stadtgemeinschaft an einem Strang ziehen oder ziehen müssen, um den Wochenmarkt attraktiv zu gestalten. Darüber hinaus hatte Raphael Pozsgai von der Arbeitsgemein- schaft Lindenmarkt in Heitersheim einen Rat aus eigener Erfahrung an die Macher: „Stecken Sie sich keine zu hohen Ziele. Dann erreichen Sie die auch.“ Patrick Merck Bilder: Patrick Merck Rund einhundert Interessierte waren der Einladung der IHK ins Kurhaus nach Bad Krozingen gefolgt.

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