Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'24 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
7 6 | 2024 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten E ines vorweg: Dieser Text ist nicht mit Unter- stützung von Chat GPT geschrieben. Das wird zunehmend wichtig zu sagen. Denn Künstliche Intelligenz ist gerade dabei, sich immer tiefer in die redaktionelle Arbeit einzuschleichen. Praktisch alle Medien experimentieren damit. Zeitungen und Nach- richtenportale werten mit KI-Daten aus, personalisie- ren Inhalte – oder lassen den KI-Kollegen auch schon mal Finanz- und Sportnachrichten schreiben. Radio- und Fernsehsender experimentieren zunehmend mit synthetischen Stimmen. Erste komplett KI-moderierte Streaming-Radiosender sind bereits am Start. Auch die etablierten Radiosender rüsten hier auf: Beim Lokalsender Baden.fm etwa übernimmt am späten Abend eine KI namens EVA den Dienst. EVA steht für Event-Driven-Voice-Articulation, ein vom Funkhaus Freiburg entwickeltes KI-Servicesystem, das Wetter- und Verkehrsnachrichten in der Nacht und in Randzeiten präsentiert – wenn kein Moderator mehr im Studio ist. In ihrer neuesten Version spricht die 2022 gelaunchte KI mit der Stimme des beliebten Moderators Markus Schäfer. Die Hörer werden dar- auf hingewiesen. „Für die Hörerinnen und Hörer muss immer klar sein, wenn digital generierte Inhalte gesen- det werden“, sagt Baden.fm-Geschäftsführer Christian Noll. Die KI arbeite dabei mit denselben Datenquellen wie die Moderatoren, heißt es, etwa Wetterdienst, ADAC oder Polizei. Unter den klassischen Sendern ist Baden.fm damit vorne dran. Die Marketing-Welt hat KI bereits verändert Ein Bereich, in dem sich die Welt durch KI bereits rasant verändert hat, ist das Marketing. Die Villinger Marketingagentur Gruppe Drei etwa nutzt Chat GPT von Anfang an. Die 35 Mitarbeiter sind auch in Midjour- ney versiert, einer KI zum Erschaffen virtueller Kunst. „Das erwarten wir auch und schulen entsprechend“, sagt Geschäftsführerin Carolin Deberling. Und welchen Nutzen bringt das Ganze? „Als Impulsgeber, wenn man ein kreatives Loch hat“, sagt die Marketingexpertin. „Oder als Hilfsmittel zur Bildbearbeitung und zur Um- setzung neuer Bildideen.“ An der Kundenbeziehung ändere die KI erst einmal nichts, doch „sie erleichtert intern die Arbeit sehr“. Gespannt ist Deberling auf die Weiterentwicklung im Videobereich, etwa mit der KI Sora, die aus Textanweisungen Videos kreiert. Wie KI praktisch jedem Unternehmen helfen kann, weiß Marcus Rüb. Der Wissenschaftler des Hahn- Schickard-Instituts in Villingen-Schwenningen berät Firmen im Rahmen des bundesweiten „KI-Trainer“- Projekts kostenlos zu individuellen Einsatzmöglichkei- ten. So habe man etwa einen Mittelständler mit Hilfe von Chat GPT in die Social-Media-Welt begleitet. „Wir haben automatisiert erste Posts und Bilder erzeugt und damit auch erste Kundenkontakte generiert.“ Der Vorteil: „Unternehmen können so ohne speziell qualifizierte Mitarbeiter ins Social-Media-Marketing einsteigen.“ Gruppe-Drei-GF Carolin Deberling: „Nutzen Chat GPT und Midjourney von Anfang an.“ Studio von Baden.fm: Nach 21 Uhr moderiert die KI Grafisches wiederkehrendes Element: Adobe Stock/S and V Design
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