Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'24 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

10 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 6 | 2024 TITEL gerade dabei, dieses Feld zu erschließen. So hat der Tuttlinger Endoskop-Spezialist Karl Storz kürzlich den britischen KI-Spezialisten Innersight Labs übernom- men, KLS Martin die Beteiligung am österreichischen Software-Anbieter CADS aufgestockt. Nächste Evolutionsstufe: Embedded KI Gerade erst in den Startlöchern steht indes eine wei- tere Form von Künstlicher Intelligenz: die Embed- ded KI. Hier werden Daten nicht über ein Netzwerk, sondern direkt lokal verarbeitet. „Das ist erst seit Kurzem möglich“, sagt Andreas Precht, Sprecher der Offenburger KI-Schmiede Aitad. Denn Mikrochips mit der nötigen Rechenleistung seien erst seit vier oder fünf Jahren überhaupt verfügbar. Mit einem Herstel- ler elektrischer Zahnbürsten etwa arbeitet Aitad an einem Gerät, das per Ultraschallsensor Zahnstein erkennt und über eine App anzeigt. Ebenfalls per Ultraschall sollen Wasch- und Spülmaschinen künftig Verschleiß und Fehlfunktionen vorhersagen, indem für das menschliche Ohr nicht hörbare Geräusch- veränderungen analysiert werden. „Und das alles lokal, ohne Datenübertragung an irgendein Netzwerk – und damit ohne Sicherheitsrisiko“, so Precht. Der- zeit suche man Pilotpartner aus der Landmaschinen- branche für einen KI-Infrarotsensor, der vom Traktor oder Mähdrescher aus Rehkitze im Feld erkennen soll. „Damit könnte man sich aufwendige Wärmebild- Drohnen sparen.“ Quickwins: JETZT! Für Pascal Laube von der Hochschule Furtwangen ist klar: Künftig wird es „ganz normal“ sein, dass Un- ternehmen einen KI-Experten beschäftigen. Dabei mache es natürlich keinen Sinn, „auf einen Nutzen zu warten, der sich in fünf Jahren realisieren wird“. Viel- mehr sollte jedes Unternehmen versuchen, „Quick wins“ durch KI zu realisieren, schnelle Erfolge, etwa in der Personalabteilung, im Marketing oder Control- ling. Oder durch ein eigenes „Unternehmens-GPT“, das mit sämtlichen Firmendaten gefüttert wird und in Sekundenschnelle unterschiedlichste Fragen be- antwortet – etwa „wie ist der aktuelle Stand beim Projekt xy?“. „Das gilt übrigens auch für uns als Hochschule“, sagt Laube. Manche Professoren etwa wollten ihren Stu- denten die Nutzung von Chat GPT verbieten. Er selbst sieht das anders. „Meine Arbeiten sind jetzt doppelt so schwer. Denn ich erwarte von meinen Studierenden, dass sie KI nutzen.“ Jürgen Baltes Lokal, ohne Daten- übertragung, ohne Sicherheitsrisiko: automatisierte Analy- se dank embedded KI von Aitad Sollen Operationen erheblich erleichtern: 3D-Modelle aus medizinischen CT- und MRT-Scans

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