Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'24 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

9 6 | 2024 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten worden Fehler zu erkennen, etwa Verunreinigungen im Kunstsoff, und schleuse nun die betroffenen Teile bereits während des Prüfprozesses aus der Anlage aus, erklärt IMS-Data-Engineer Oliver Gerold. Großes Potenzial beim typischen CNC-Fräser von der Alb Auch an der Hochschule Furtwangen, an der gera- de der neue Studiengang Künstliche Intelligenz und Robotik aufgebaut wird, laufen Forschungsprojekte dieser Art. Hier geht es etwa um KI, die für jeden Auftrag selbstständig Maschinenparameter einstellt, den Verschleiß von Werkzeugen oder den Ausfall von Maschinen vorhersagt. Prof. Laube: „Beim typischen CNC-Fräser von der Alb, wo jeder Kundenauftrag an- ders ist, hat das großes Potenzial.“ Das KI-Potenzial zu heben, versucht auch Fruitcore Ro- botics aus Konstanz. Deren Industrieroboter namens „Horst“ kommen in unterschiedlichen Branchen zum Einsatz: zum Packen, Separieren oder zur Maschinen- beschickung. Bedient werden sie zwar ganz normal per Touchscreen, allerdings unterstützt von einem KI- Copiloten auf Basis von Chat GPT. Die Idee: Selbst An- wender ohne Vorkenntnisse sollen den Roboter schnell für neue Aufgaben umrüsten können. Code-Schnipsel zur Schnittstellen-Programmierung etwa lassen sich so automatisch erstellen. „Der nächste Schritt“, heißt es vom Unternehmen, wäre dann die komplette Pro- grammierung per Spracheingabe. Das allerdings sei „ein ungleich komplexeres Unterfangen“. Im „Interfacing“, also der Kommunikation zwischen Mensch und Maschine, sieht auch Laube ein „inte- ressantes“ Feld. „Heute habe ich oft komplexe Be- dienoberflächen. Doch künftig kann mir vielleicht eine KI direkt sagen, welche Parameter an einer Maschine warum nicht stimmen.“ Ein Fernziel in der Mensch- Maschine-Kommunikation könnte künftig sogar eine „generalisierte KI“ sein, eine KI also, die unterschied- lichste Maschinen und Produktionsprozesse verstehe. Läuft in der Praxis Wer nach bereits funktionierende Beispielen sucht, wird zunehmend fündig. Etwa beim Bürodienstleister Streit Service & Solution in Gengenbach. In dessen neuem Logistikzentrum mit intelligenter Autostoreanlage orga- nisieren 27 Roboter die 26.000 Boxen mit über 30.000 verschiedenen Büroartikeln autark. Über Algorithmen steuert sich die Anlage selbst. Beispielsweise optimiert sich dadurch die Lagerposition der Ware, oder schnell- drehende Artikel werden im direkten Zugriff eingela- gert, um so die Bearbeitungszeit zu beschleunigen. „Wir brauchen viel weniger Platz und dürfen und konnten unsere Produktivität deutlich steigern“, sagt Streit- Geschäftsführer Marc Fuchs. „Künstliche Intelligenz ist wirklich beeindruckend und notwendig, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Ein weiteres Beispiel: Das Konstanzer Start-up Subse- quent hat es geschafft, auf Basis simpler Videoaufnah- men menschliche Skelettbewegungen zu analysieren. Den Allensbacher Kliniken Schmieder hilft das bereits bei der Therapie von neurologischen Störungen oder der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft beim Verbessern ihrer Taktik. Dafür hat die Subsequent GmbH bereits mehrere Auszeichnungen erhalten. „Für die Analyse reicht ein Smartphone-Video“, sagt Geschäftsführer Manuel Stein. „Ohne KI wäre so etwas niemals möglich.“ Auch das Gesundheitswesen wird KI vermutlich re- volutionieren. Das Zusammenführen und die Analyse großer Datenmengen, ob aus OP, MRT-Bildern oder medizinischen Geräten, dürften zu besseren Diagno- sen führen, besserer Früherkennung oder auch besse- ren individuellen Implantaten, wie Britta Norwat vom Tuttlinger Medizintechnik-Netzwerk Medical Moun- tains erwartet. Große Medizinprodukte-Hersteller sind »Wir brauchen viel weniger Platz und konnten unsere Produktivität deutlich steigern« Streit-Zentrum in Gen- genbach: „KI ist wirklich beeindruckend und notwendig, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Subsequent-KI: Skelett- analysen für Reha-Kliniken und Fußball-Nationalmann- schaften Subsequent-Gründer Manuel Stein: „Für die Analyse reicht ein Smartphone-Video.“

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