Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'24 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

8 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 6 | 2024 TITEL KI-Trainer wie Marcus Rüb wollen Firmen mit der neuen Welt vertraut machen, geben ebenso wie die Experten der Industrie- und Handelskammern (siehe Kasten) Schulungen und führen Machbarkeitsstudien durch. „Wer einen interessanten Use Case hat, kann sich an uns wenden.“ So wie ein Mittelständler, bei dem bildverarbeitende KI nun nicht nur Fehler in gelaser- ten oder gefrästen Aufdrucken auf Bauteilen erkennt, sondern auch Tipps zu deren Ursache gibt. Output um bis zu 70 Prozent erhöht Ein weiterer Bereich, in dem KI schon fest zum Alltag gehört, ist die Software-Entwicklung. „Hier wird die Welt gerade auf den Kopf gestellt“, sagt Pascal Laube, Professor an der Hochschule Furtwangen. „Ich habe noch alles selbst gecodet“, so der frühere Manager des St. Georgener Softwareentwicklers GFT über frühere Programmierarbeiten. Doch künftig werde man nur noch KI beim Coden anleiten und die Ergebnisse überwachen. „Bereits heute hat jeder Entwickler nebendran einen KI-Copiloten laufen.“ Das habe „den Output, den man am Tag schaffen kann, um 60 bis 70 Prozent erhöht“. Brigitta Schrempp, Geschäftsführerin des Lahrer IT- Entwicklers Schrempp EDV und Vizepräsidentin der IHK Südlicher Oberrhein, bestätigt das. Ihre 90 Mitarbeiter nutzen ebenfalls KI-Copiloten bei der Entwicklung von ERP-Systemen für Kunden in ganz Europa. Schrempp: „Das macht unsere Prozesse wesentlich effizienter.“ Künftig plane man, KI auch im Kundensupport einzu- setzen. Furtwangen-Professor Pascal Laube schätzt, dass die zahlreichen KI-Code-Generatoren, die mittlerweile verfügbar sind, bereits „zu 90 Prozent solide Grund- strukturen“ programmieren können. Die restlichen zehn Prozent seien zwar noch einmal so aufwendig. „Doch auch das werden die Systeme irgendwann hin- bekommen.“ Doch bis wann ist irgendwann? Laube lacht: „Die ersten KI-Algorithmen stammen bereits aus den 1960er-Jahren. Als ich 2013 anfing, mich damit zu beschäftigen, dachte ich, das dauert noch ewig.“ Limitierender Faktor sei stets die Rechenleistung gewesen. „Doch dieser Knoten hat sich gelöst. Das wird jetzt alles sehr schnell gehen.“ In der Produktion wird KI länger brauchen Doch nicht in jedem Bereich wird KI „mit einem gro- ßen Knall“ kommen, so wie beim Programmieren oder im Marketing. In der Robotik etwa wird es laut dem Experten Laube „sehr kleinteilig“ vorangehen. Hier seien Unternehmen gerade erst dabei, überhaupt ihre Daten aus den Maschinen zu ziehen. „Sie sind noch mit Industrie 4.0 und IoT beschäftigt.“ Diese unstruk- turierten Daten müsse man nun erst einmal verstehen, systematisieren, eventuell korrigieren, anschließend eine Semantik dahinter legen – „und dann erst geht es ans Machine Learning“. Einfach gesagt, dreht sich das maschinelle Lernen um Anforderungen, die zu komplex sind, als dass man sie mit mathematischen Regeln beschreiben könnte. Daher werden selbstlernende Systeme mittels Lernalgorith- men angelernt, an derlei Fragestellungen quasi zu wach- sen. Auf diese Weise prüft etwa der Getriebespezialist IMS Gear aus Donaueschingen mittels KI die Qualität seiner Produkte. Das ursprünglich als Zahnradlieferant für die Uhrenindustrie gegründete Familienunterneh- men produziert heute vor allem Zahnräder, Baugruppen und Getriebe für die Autoindustrie. Hier ist äußerste Präzision gefragt. Daher durchlaufen alle Teile bestimm- ter Bauarten als letzten Fertigungsschritt eine Prüfanla- ge, in der neben anderen Tests von jedem Teil mehrere Bilder aufgenommen werden. Die KI sei darauf trainiert DAS BEDEUTET DER EUROPÄISCHE AI ACT FÜR FIRMEN ImMärz hat die EU das weltweit ers- te KI-Gesetz beschlossen, das künf- tig den fundamentalen Grundstein für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz in Europa legen wird. Die EU-KI-Verordnung (Artificial In- telligence Act) tritt im Juni in Kraft und wird 24 Monate später, also ab Mitte 2026, anwendbar sein. Sie re- gelt detailliert, welche Daten über- haupt erhoben, wie sie genutzt und zusammengeführt werden dürfen. An „Hochrisiko-KI“ werden stren- ge Anforderungen gestellt. Zu den Folgen für Unternehmen – positiv wie negativ – hat Emmanuel Beu- le, Digitalreferent der IHK Südlicher Oberrhein, einen lesenswerten Auf- satz inklusive Handlungsempfeh- lung verfasst. Industrieroboter Horst von Fruitcore Robotics: Kommandos auch per Sprach-KI

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