Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Mai'24 -Südlicher Oberrhein
IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 5 | 2024 THEMEN & TRENDS Welche Möglichkeiten sehen die Verantwortli- chen, wenn es um Wasserstoff als Energieliefe- rant in der Logistik geht? Diese Frage wurde im Kurhaus von Titisee nicht nur gestellt, sondern auch beantwortet. Und das auf unterschiedliche Weise und aus unterschiedlicher Perspektive. 58 V erhalten positiv – so war die Stimmung im Kurhaus von Titisee nach der gemeinsamen Veranstaltung der drei IHKn Hochrhein- Bodensee, Südlicher Oberrhein und Schwarzwald-Baar-Heuberg zusammen mit der „Trinationalen Wasserstoff Initiative 3H2“. „Was- serstoff in der Logistik - Potenziale und Herausforderungen“ lautete deren Titel. Rund 80 Interessierte aus den Kammergebieten durften sich über anregende Beiträge und den anschließenden Erfahrungs- austausch freuen. Nach der Begrüßung durch Alexander Graf, Geschäftsführer des Geschäftsfeldes „Region entwickeln“der IHK Hochrhein-Bodensee, hat Michael Bäumle deutlich gemacht, welche Erwartungen er mit diesem Forum verknüpft. „Wir möchten von Euch lernen“, sagte der Geschäftsführer der gleichnamigen Spedition und Vorsitzender des Verkehrsausschusses der IHK Hochrhein-Bodensee an die Re- ferenten gerichtet. Und sie sind seiner Bitte nachgekommen. Dabei war der Nachmittag thematisch geteilt in einen theoretischen und einen praktischen Abschnitt. Kaum Angebote für Unternehmen Volker Banhardt, Senior Manager bei der „e-mobil BW GmbH“, hat mit seinem Vortrag eine Grundlage für die weitere Diskussion gelegt. Klar wurde während seiner Präsentation zum aktuellen Stand in Sachen Wasserstoff in Baden-Württemberg, dass es kaum Angebote für Unternehmen gibt: Nur wenige Lkw-Hersteller haben Fahrzeuge im Angebot, viele befinden sich erst in der Probephase. Für Banhardt steht dennoch außer Frage, „dass dies ein kommender Markt und wachsender Markt ist“. „Kann die Schweiz ein Vorbild für die Logistik in Baden-Württemberg sein?“; mit dieser Frage wurde der Beitrag von Bernhard Wüest eingeleitet. Er ist Geschäftsführer des Fördervereins „H2 Mobilität Schweiz“, der sich aktiv für Wasserstoff- projekte im Nachbarland einsetzt. Schon 2016 hat der Verein die erste Wasserstoff- tankstelle in der Schweiz initiiert. Die seit- her gesammelten Erfahrungen fließen in die Weiterentwicklung, um das Tankstellennetz auszubauen, aber auch in den Betrieb von ent- sprechenden Lkw. Dabei wirkt er als verbinden- des Element vieler Partner im „Ökosystem Wasserstoff“. Doch das System weist, sagt Wüest, „viele Knackpunkte“ auf. Von den 2018 angekündigten 1.000 H 2 -Lkw seien gerade einmal 48 ausgeliefert worden, und das Tankstellennetz sei kaum belastbar. „Wir haben hier ein typisches Henne-Ei-Problem“, konstatierte er. Clusterbildung oder Eigenversorgung Theoretisch wurde es beim Vortrag von Tobias Eißler: Der Projektin- genieur vom Fraunhofer Institut ISE hat die „Kosteneinflussfaktoren auf die Wasserstoff-Versorgung von Fahrzeugflotten“ vorgestellt. Ein Ergebnis: je kleiner die Tankstelle, desto höher die anteiligen Kosten – also zu- züglich zu den Preisen für den Wasserstoff. Das hängt mit den Kosten für Transport und Lagerung zusammen. Mögli- che Lösungen seien daher die Clusterbildung oder, wenn es die Betriebsgröße zulässt, die Eigenversorgung mittels Elek- trolyseur. Alexander Klee, Leiter des Fuhrparkmanagements bei der Bächle Logistics GmbH, hat in seinem Erfahrungsbe- richt über das Arbeiten mit H 2 -Lkw in der vorhandenen In- frastruktur deutlich gemacht, dass es Luft nach oben gebe: „Alle wollen Wasserstoff, aber keiner möchte sich an den Kosten beteiligen.“ Ärgerlich sei, dass es kein verlässliches Tankstellennetz gebe: Immer wieder komme es vor, dass eine Tankstelle kein H 2 mehr habe, was zu zusätzlichen Kosten, etwa für Übernachtungen des Fahrpersonals, führe. Man könne nicht einfach zur nächsten Tankstelle fahren, dafür sei das Netz zu dünn. Ihr Wasserstoff-Lkw, der bisher im deutsch-schweizerischen Grenzverkehr eingesetzt wurde, fahre jetzt in Nordrhein-Westfalen. Seine Forderung: „Wir brauchen klare Ansagen von der Politik, ansonsten sehe ich da wenig Sinn drin.“ Einen kleinen Hoffnungsschimmer haben Alois Eckert, Geschäfts- führer von Eckert Transport + Logistik in Albbruck, und Günther Städler, Geschäftsführer der Badischen Rheingas, vermittelt. Sie planen einen Wasserstoff-Hub in Albbruck inklusive Tankin- frastruktur und Trailer-Abfüllung. Dazu soll unter anderem – in Kooperation mit der Badenova-Netze GmbH – eine Wasserstoff- Wasserstoff in der Logistik Viele gute Ansätze sind bereits gemacht Bild: Adobe Stock - j-mel/DoubleBrain (unten) Volker Banhardt, Senior Manager bei der „e-mobil BW GmbH“
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2MDE5