Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März/April'24 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

58 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 3+4 | 2024 A ls im Coronalockdown Händler vor Kisten voller neu- er Ware und Gastronomen vor der Aufgabe standen, ihr Take-Away-Angebot zu kommunizieren, mussten sie sich was einfallen lassen und neue Wege suchen. Neben Facebook hieß für viele die Lösung Instagram. So poste- ten sie Fotos und Videos von den neuen Klamotten und der aktuellen Tageskarte – und viele von ihnen haben seither nicht mehr damit aufgehört. Natürlich ist das mit Arbeit verbunden, die aber auch Spaß macht. Ging es während der Pandemie vornehmlich darum, tatsächlich zu verkaufen, nutzen die meisten Einzel- händler und Gastronomen heute Instagram, um zu signa- liseren, dass es sie physisch vor Ort gibt, zum Sichtbarsein, zum Sichtbarbleiben. Und um Anreize zu schaffen. „Wir haben doch alles, was wir brauchen, es gibt keinen wirklichen Bedarf, etwas Neues zu kaufen, so- fern nichts ersetzt werden muss“, sagt Simone Mader, Innnenstadtberaterin der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, Initiatorin der IHK-Instagram- Workshops und selbst Inha- berin eines Handelsunterneh- mens. Deswegen gilt es, via Instagram Lust auf Neues zu machen. „Ich zeige meinen Followern, dass die neue Frühjahrsmode eingetroffen ist, schwärme von den tollen Farben und erkläre, dass die Skinny-Jeans ab sofort im Schrank bleiben kann, weil wir jetzt Wide Leg tragen“, erzählt Simone Mader aus ihrem eigenen Social-Media-Alltag. Bei all dem ist es außerdem wichtig, eine Communi- ty aufzubauen, die auch potenzielle Kunden über die Region hinaus erreicht. In Videos können Händler und Restaurantbesitzer zum Beispiel einen Blick hinter die Kulissen ermöglichen, indem sie etwa zeigen, wie die Ware ausgepackt oder Desserts kreiert werden, dass man auf der Messe ist und die neueste Kollektion or- dert oder erklärt, warum man sich für eine bestimmte Marke oder ein besonderes Gemüse entschieden hat. Kompetent und authentisch sein „Ich vergleiche das gern mit einer Reality-Show, die süchtig macht, weil man einfach wissen will, wie es weitergeht und was als nächstes kommt“, beschreibt Ingrid Lang von „FrauEinzelhandel“ aus Stuttgart, wie Storytelling für soziale Medien funktioniert (siehe auch Interview auf Seite 60). Lang ist Gründerin eines Con- cept Stores, mittlerweile als Beraterin tätig und zeigt Einzelhändlern in IHK-Workshops, wie sie Instagram für sich nutzen können. Die Teilnehmer sind meist bunt gemischt, viele kom- men aus dem Mode- und Lifestyle-Einzelhandel, dazu Buchhändler, Optiker, Apotheker und Lebensmittel- händler. „Mir ist wichtig zu vermitteln, dass es bei In- stagram nicht um Perfektion, sondern um Kompetenz auf dem eigenen Gebiet und vor allem Authentizität geht“, so Lang. In ihren Workshops vermittelt sie nicht nur, wie Insta speziell für Einzelhändler funktioniert und welche Inhalte wichtig sind, sondern bietet den Teil- nehmern auch einen „Werkzeugkoffer“, so dass diese eigenständig, ohne Agentur, Werbung für ihr Geschäft Bild: Adobe Stock/Diego Instagram zur Vertriebsunterstützung » « Instagram hat weltweit 2.000.000.000 Nutzer Quelle: Statista Instagram richtig einsetzen Die Dos: Strategisch vorgehen: Sind die Ressourcen vorhan- den (Zeit, Budget, Manpower)? Welche Zielgruppe will man erreichen? Regelmäßig posten, mindestens ein Mal proWoche, besser zwei Mal im Durchschnitt Interagieren: liken, teilen, kommentieren, antworten Authentisch und kreativ sein Erfolg kontrollieren Die Don’ts: Kopflos irgendetwas posten Keinen Content produzieren Follower kaufen Etwas versprechen, was man nicht halten kann Ungenutzten Account bestehen lassen

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2MDE5