Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März/April'24 - Hochrhein-Bodensee

19 3+4 | 2024 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Geschäftsverläufe für die kommenden Monate vor- aus. Die weiteren 56 Prozent der befragten Händler erwarten lediglich ein gleichbleibendes Niveau. Es wird offensichtlich eine durch Inflation und Unsicherheit verursachte Konsumflaute in den kommenden Mona- ten befürchtet. Unter den Dienstleistern erwarten mit 23 Prozent mehr Betriebe eine Verbesserung als einen Rückgang (17 Prozent). Die größte Anzahl (61 Prozent) sieht aller- dings auch hier einen gleichbleibenden Verlauf in den Geschäften voraus. Entsprechend zurückhaltend gestalten sich die Per- sonalplanungen der Unternehmen in der Region. Der überwiegende Teil von ihnen – 61 Prozent – geht von einer konstanten Anzahl beschäftigter Personen in den kommenden zwölf Monaten aus. Rückläufig ist der Anteil derer, die mit einer steigenden Belegschaft rechnen. Dies sind aktuell nur rund 11 Prozent. Die Investitionsabsichten der Betriebe zeigen sich ge- genüber dem Herbst nur leicht verbessert. Zu Jahres- beginn gehen 30 Prozent von geringeren Investitionen im Jahr 2024 aus. Neben der Ersatzbeschaffung wird im Produktionsbereich insbesondere in Digitalisierung (58 Prozent der Betriebe), Umweltschutz- und Energiemaß- nahmen (55 Prozent) sowie Rationalisierung (51 Pro- zent) investiert, während in Handel und Dienstleistung bei 48 Prozent der Betriebe gleichzeitig Investitionen in Digitalisierung anstehen. Risiken der wirtschaftlichen Entwicklung Der Fachkräftebedarf bleibt auch zum Jahreswechsel das von den Betrieben inbesondere von den Dienst- leistungsunternehmen das am häufigsten genannte Risiko für die eigene wirtschaftliche Entwicklung. Bei zwei von drei Betrieben drängt dieses Thema. Wie in der Herbst-Befragung sind weitere dringliche Themen die Inlandsnachfrage, die Arbeitskosten und die Ener- giepreise, Inlandsnachfrage und Energiepreise jedoch mit fallender Tendenz. Deutlich zugenommen haben bei den Unternehmen dagegen die Sorgen um den aktuellen Kurs der Wirtschaftspolitik. Hierin sehen 44 Prozent der befragten Unternehmen in der Region Hochrhein-Bodensee mittlerweile ein Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung – eine deutliche Zunahme gegenüber dem Jahreswechsel 2022/2023 (20 Prozent der Befragten). Die schwächelnde Binnenkonjunktur bleibt für weite Teile der regionalen Wirtschaft eine große Herausforderung, genauso wie die ungelösten Krisen in der Ukraine und in Nahost, die schwächeln- den Volkswirtschaften in Südamerika und China sowie die politischen und wirtschaftlichen Probleme in eini- gen europäischen Staaten, die Exportmöglichkeiten vieler Produktionsunternehmen der Region einschrän- ken. Steigende Arbeitskosten dürften auch vor dem Hintergrund aktuell laufender Tarifverhandlungen ein sehr reales Szenario bleiben. Mit einem kräftigen Auf- bruchssignal und langfristig verlässlichen, wirtschafts- freundlichen Rahmenbedingungen kann und muss die Politik bei den Unternehmen wieder mehr Vertrauen aufbauen und Zuversicht für eine gelingende Transfor- mation schaffen. Hierbei ist die systematische Vermei- dung von Bürokratie und ein darüber hinaus gehender spürbarer Bürokratieabbau eine zentrale Stellschrau- be. Das bereits beschlossene „Belastungsmoratorium“ für Unternehmen muss als Sofortmaßnahme endlich umgesetzt werden und könnte ein solches Signal sein. Im aktuellen Umfeld sieht die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) für die Wirtschaftsentwick- lung im gesamten Bundesgebiet für das gesamte Jahr 2024 kein Wachstum, sondern eine Stagnation der Wirtschaftsleistung voraus. ag Die ausführliche Dokumentation der Konjunktur- umfrage unter www.ihk.de/konstanz 50 70 90 110 130 150 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 2022 2024 Region Hochrhein-Bodensee Baden-Württemberg KONJUNKTUR INDIKATOR KONJUNKTUR-INDIKATOR* insgesamt im regionalen Vergleich Quelle: Konjunkturumfrage Frühjahr 2024 der IHK Hochrhein-Bodensee *Index aus Geschäftslage und Geschäftserwartungen

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