Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Februar'24 -Südlicher Oberrhein

29 2 | 2024 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten auf mehr Tariq Karimi – erhielt den Integrations-Förderpreis der Volksbank Freiburg Erst 31 und schon ganz schön weise D as Wort „Integration“ kommt aus dem Lateinischen und be- deutet „Erneuerung“. Und die ist auch fällig, wenn Menschen und Dinge zusammenwachsen sollen oder zusammengefügt wer- den. Die Volksbank Freiburg eG hat den Integrations-Förderpreis für die IHK Südlicher Oberrhein gestiftet, der an Ausbildungs- absolventen und -absolventinnen geht und die im nichtdeutsch- sprachigen Ausland geboren und nach Deutschland eingewandert sind. Vermutlich auch, damit sie „neu anfangen“ können… Tariq Karimi erfüllt diese „einfachen“ Kriterien. Was er sonst noch mitbringt? Ehrgeiz. Fleiß. Mut. Intelli- genz. Freundlichkeit. Klugheit. Tja, und sogar Weisheit. Wenn man die einem 31-jährigen Menschen schon zugestehen möchte. Aber was ist es anderes, wenn Tariq Karimi sagt, dass wir doch alle Menschen sind – egal welche Hautfarbe, Heimat oder Religion? Und dass wir deshalb ganz einfach freundlich miteinander umgehen sollten. Die Tatsache, dass er als gebürtiger Afghane ohne deutsche Staatsbürgerschaft seit seiner Ankunft in Deutschland im August 2018 noch niemals Fremden- feindlichkeit erlebt hat, erklärt er sich mit einem deut- schen Sprichwort, für das es in seinem Geburtsland eine Entspre- chung gibt: So, wie man in den Wald hineinruft, schallt es heraus. Bleibt man in diesem Bild, ruft der Preisträger, der bei der Maxon Motor GmbH in Sexau gerade seine Ausbildung als Maschinen- und Anlagenführer abgeschlossen hat, wohl jede Menge Positives in den imaginären Wald, denn: „Meine Klassenkameraden, meine Kollegen, Nachbarn und Freunde sind immer alle wahnsinnig freundlich“, berichtet Tariq Karimi. Vielleicht sind sie aber nicht nur das. Vielleicht sehen sie in ihm den jungen Mann, der er ganz offensichtlich ist: Einer der im Hand- umdrehen ein hervorragendes Deutsch gelernt hat. Einer, der es sich aussuchen konnte, wo er seine Ausbildung absolviert, deren praktischen Teil er mit Note 1 und den schriftlichen mit Note 2 abgeschlossen hat. Wie wichtig ihm ein guter Abschluss war, beweist auch die Tatsache, dass er vor der Prüfung zwei Wo- chen Urlaub nahm, um sich in der Freiburger Uni- versitätsbibliothek jeden Tag von 8 Uhr morgens bis Mitternacht zu „vergraben“, damit er in Ruhe lernen kann: „Zuhause hätte ich mich zu sehr ablenken las- sen und ich habe es genossen, unter den Studenten zu sitzen, weil mich das ungeheuer motiviert hat, mich zu konzentrieren.“ Tariq Karimi will mit der Förderung die AEVO-Prüfung bei der IHK Südlicher Oberrhein machen und damit zum Ausbilder der Ausbilder werden. Dass er, der in Kabul bereits den Bachelor of Business Administration abgelegt hat, in Deutschland aber erst einmal seinen Hauptschulabschluss an der Internationalen Schule am Römerhof machen musste, bevor er Minijobber wurde, um dann in die Ausbildung zu starten, entspricht seinem Vorhaben, Schritt für Schritt das eigene Leben und die berufliche Karriere aufzugleisen. Und die sieht vor, nach dem Ausbilderschein die Meisterschule zu besuchen. Und vielleicht kommt dann doch noch einmal ein Studium… Tariq Karimi folgt dabei einem Rat seines Vaters: „Gib niemals auf. Egal, welche Hindernisse sich Dir in den Weg stellen!“ Doris Geiger »Ich habe es genossen, unter den Studenten zu sitzen, weil mich das ungeheuer motiviert hat, mich zu konzentrieren« Sie werden das Geld als Start- kapital für ihre weitere berufliche Entwicklung nutzen. Warum diese Förderpreise echte Mehrwerte schaffen, von denen alle etwas haben, zeigen wir in einer kleinen Miniserie und stellen drei Preis- träger und ihre Pläne vor – zwei in dieser Ausgabe und einen in der kommenden.

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