Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Februar'24 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
38 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 2 | 2024 UNTERNEHMEN giepreise auf das Messejahr 2024 auswirken werden. „Rein digitale Messeformate sind fast auf Komplett-Null zurückgefahren“, sagt Könicke. Hybridkonzepte sind noch übrig, gerade im Kongress- und Konferenzge- schäft ist das mittlerweile gang und gebe, aber nicht in steigender Anzahl. Die Digitalisierung sei für Mes- severanstalter derzeit eher eine Chance, das Thema Customer Journey ernsthafter anzugehen und zu ge- stalten und Messen barrierefreier zu gestalten oder niederschwellige Angebote machen zu können, damit die Messeteilnahme weniger aufwendig werde. „Im Endverbrauchersegment ist hybrid aktuell gar kein Thema mehr“, berichtet Vehse. Digital zugeschaltete Referenten statt digitale Besucher Ruth Bader vom Konstanzer Bodensee Forum bemerkt, dass nach der digitalen Zeit Präsenzveranstaltungen wieder mit mehr Liebe, Aufwand und Wertschätzung geplant werden. Auch bei ihr im Haus seien reine Onlineveranstaltungen kein Thema mehr. „Aber Ta- gungen und Kongresse finden weiterhin auch hybrid statt, oft aus Nachhaltigkeitsgründen, um möglichst klimaneutrale Kongresse anzubieten. Man fliegt nicht mehr Referenten für einen Vortrag von weit weg ein, es wird vielmehr bewusst auf Zuschaltungen gesetzt oder komplett hyb-rid im digitalen Zwilling.“ Hybrid sind von den Tagungen und Kongressen beim Bodensee Forum im vergange-nen Jahr 20 Prozent gewesen, 2022 waren es noch 30 Prozent. In 2024 wird man aufgeholt haben Die größten Herausforderungen für das neue Messe- jahr sieht der „FAMA“-Vorsitzende in den steigenden Energiepreisen: „Das Thema hat uns schon 2023 sehr stark beschäftigt und ist leider noch nicht gelöst. Wir werden weiterhin Messehallen beheizen, belüften, kli- matisieren müssen.“ Zudem werde der Fachkräfte- mangel die Branche gerade im Dienstleistungssegment weiter beschäftigen. „Außerdem wird uns als Veranstaltern immer klarer, dass wir uns mehr und mehr um die gezielte Besucher- einladung kümmern müssen, um die Attraktivität von Messen hochzuhalten – und ganz wichtig, um den Be- suchern auch klarzumachen, welche Mehrwerte sie durch den Messebesuch generieren können“, blickt Henning Könicke in die Zukunft. Sein Fazit: Das Mes- segeschäft wird 2024 noch stärker zurückkommen und aufholen zu 2019 als das Vorjahr – 2023 könnte damit sogar übertroffen werden. Auch Victoria Vehse von der Messe Freiburg zeigt sich sehr zuversichtlich nach einem erfolgreichen Jahr 2023. Beim Bodensee Forum mit eher kleinen Verkaufsaus- stellungen, Karrieremessen und Gesundheitsthemen ist 2024 bereits extrem gut gebucht und 2025 fängt an vollzulaufen, es wird wieder mit einem viel größeren Vorlauf geplant, wie Bader berichtet: „Wir sind jetzt wirklich raus aus dieser Coronadelle.“ Für das kommu- nale Haus sind die klammen öffentlichen Kassen eine der größten Herausforderungen, zudem die Preisstei- gerungen bei den Personaldienstleistern – beim Cate- ring, Service oder Technikdienstleister angefangen. Auch die Konkurrenz zur Schweiz ist damit Thema: So manche Fachkraft dürfte abgewandert sein. Neuer Schwung auch auf dem Meetingmarkt Laut einer Umfrage der französischen Hotel- und Gas- tronomiegruppe Accor rechnet für 2024 die Mehrheit (80 Prozent) der Experten auch mit steigenden Ausga- ben in der Veranstaltungswirtschaft (MICE) über alle Meetinggrößen hinweg. Jeweils mehr als drei Viertel (78 Prozent) der Umfrageteilnehmer erwarten eine zah- lenmäßige Steigerung von kleinen und mittelgroßen (unter 100 Teilnehmern) und großen (mehr als 100 Teilnehmer) Meetings, rund die Hälfte (57 Prozent) geht auch von einer Zunahme von Veranstaltungen mit mehr als 300 Teilnehmern aus. MirjamFischer LIEBE GEHT DURCH DEN MAGEN Gesellschaftliche Entwicklungen schlagen selbst- verständlich auch auf die Eventplanung durch. Beispiel Catering. Der private Megatrend – vor allem in der jüngeren Generation – zu nachhalti- gerer, vegetarischer oder veganer Ernährung und verstärkter Ausrichtung auf regionale Produk- te und Hersteller, führt auch in der Messe- und Eventplanung zu entsprechenden Forderungen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Meeting Expectations:The Future of Meetings & Events“ der Accor-Gruppe aus dem Oktober 2023. Danach erwartet rund die Hälfte der befragten Eventplaner (46 Prozent) mehr Herkunftsnach- weise und -angaben bei den Speisen auf dem Catering-Buffet. Immerhin schon gut jeder Drit- te (36 Prozent) möchte weniger Fleisch auf der Speisekarte sehen. 38 Prozent wünschen sich vom Veranstalter mehr vegane Produkte. uh Den Messekalender für die Region für die Monate Februar bis einschließlich Juli finden Sie auf Seite 60. Einen weiteren Bericht zur Lage in der Messe- und Veranstaltungswirtschaft lesen Sie im Anzeigen- special in der vorherigen Ausgabe der WiS (1/2024) ab Seite 31. Bild: Adobe Stock/patarapong
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