Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Februar'24 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
37 2 | 2024 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten cherzahlen sind nahezu auf Vorkrisenniveau ange- kommen“, erklärt der „FAMA“-Vorstandsvorsitzende Henning Könicke. Allerdings mit Ausnahmen – der Er- folg ist immer auch abhängig von der Branchenkon- junktur – und dem Fachkräftemangel, was sich etwa auf Gastronomiefachmessen zeigt: Da kommt nicht wie früher die gesamte Belegschaft auf die Messe, sondern der Chef allein oder mit einer Begleitperson und berichtet anschließend der Mannschaft daheim. „Die Messen werden zwar von der gleichen Anzahl an Unternehmen genutzt, aber nicht mehr von der glei- chen Personenzahl“, so Könicke. Zu beobachten sei außerdem, dass es gerade Ausstel- ler, Verbände oder Partner aus den asiatischen Ländern noch nicht wieder so stark zurück nach Deutschland ziehe, wie es vor der Pandemie der Fall war. Das liege zum einen daran, dass nationale Absatzmärkte stär- ker genutzt wurden, aber auch daran, dass erst recht zögerlich wieder Visa erteilt wurden. Engpass Personal Bei den B2C-Messen – den Verbrauchermessen, die sich direkt an den Endkunden wenden – waren laut Könicke im vergangenen Jahr erst zwischen 70 bis 80 Prozent der Aussteller wieder am Start, während bei den Besuchern kaum noch eine Differenz zu 2019 spürbar sei: Der Informationsbedarf und der Erlebnishunger ist auch in diesem Segment hoch. „2023 war es zum ers- ten Mal wieder möglich, von Anfang Januar bis Ende Dezember Veranstaltungen zu machen, besuchersei- tig sind wir bei den Veranstaltungen wieder auf Vor- Corona-Niveau, bei den Ausstellern sind wir da noch nicht“, stellt auch Victoria Vehse, Abteilungsleiterin bei der Messe Freiburg, fest. Es gibt unter den zwölf bis 13 Eigenformaten einige, mit denen die Messe nah rankommt an die Zahlen aus den guten Zeiten vor Corona – aber auch Bereiche, wo das nicht der Fall ist. Vehse führt, ähnlich wie Könicke, beispielhaft den Fachkräftemangel an: „Wir sind sehr gastrolastig in Freiburg, da tun sich Aussteller derzeit schwerer, paral- lel zum eigenen Lokal die Teilnahme bei Ausstellungen möglich zu machen.“ KI wird auch in der Messewirtschaft relevant Als einen Megatrend in der datengetriebenen Messe- branche sieht Könicke die künstliche Intelligenz (KI) – die hilft, Veranstaltungen vorzubereiten und zu gestalten. Für die Zukunft erwartet der „FAMA“ einen deutlichen Schub bei den Themen Big Data und KI. Darum kommt niemand herum, der die sogenannte Gen Z, die jun- ge Generation, adressieren will: „Wir beobachten ge- spannt, wie sich diese Generation auf das Live-Erlebnis Messe einlässt.“ Den Stellenwert des Themas unter- streicht auch die Verleihung des „FAMA-Messe-Impuls- Preises 2023“ an die junge Akademikerin Sarah Hunke, die sich mit dem Messebesuchsverhalten der Gen Z beschäftigt – die Reise geht zu digitalen Applikationen, neuen Needs und Erwartungshaltungen sowie zur KI- basierten Form der Kommunikation. Schon jetzt werde deutlich, dass nicht wie früher fünf bis zehn spezifische Messen genutzt werden, so Henning Könicke, um sich zu informieren, sondern eher ein bis zwei zentrale Platt- formen, die mehr Themen abdecken. Doch noch zählt das Live-Erlebnis vor Ort, noch ist der Quadratmeter die harte Währung der Messewelt. Live-Erlebnisse für alle Generationen bieten Im Endverbraucherformat ist das Trend, was in der Regi- on gerade angesagt ist und was die Kunden interessant finden. Das sind bei der Messe Freiburg allen voran die Themen Kulinarik, Erleben, Alltagsthemen. „End- verbraucher kämpfen mit Basisproblemen wie Kosten- druck, steigenden Energiepreisen, Fachkräftemangel – nicht mit KI, Gen Z und Co.“, erklärt Abteilungsleite- rin Vehse. Sie hat strategisch auf der Agenda, wieder mehr im B2C-Bereich aktiv zu werden: „Da gibt es ein Potpourri an Möglichkeiten, da muss man immer auch schauen, was braucht die Region? – Das ist eine Auf- gabe für das neue Jahr. Was jetzt schon gut geht, sind Special-Interest-Formate, die aus Verbrauchermes- sen herausgelöst wurden, wie zum Beispiel das Thema Caravan. „Man kann grundsätzlich sagen, wenn man sich auf Themen fokussiert, laufen sie besser, als was man so im Gemischtwarenladen anbietet“, sagt Vehse. Rein digitale Messeformate sind out Eine große Herausforderung für Veranstalter mit eige- nem Gelände, wie die Messe Freiburg, sind laut Victoria Vehse die Kosten – Stichwort Strom. Man kann die Mehr- ausgaben nicht 1:1 an die Kunden weitergeben. Dann wäre eine Teilnahme schnell nicht mehr interessant. Es gilt, sich wirtschaftlich so aufzu- stellen, dass möglichst viel abgepuffert werden kann, und zu schauen, an welchen Preis- schrauben doch gedreht werden muss – „Das ist ein Spagat“, gibt Vehse zu. Das Bodensee Forum konnte 2023 die Entgeltordnung anpassen und etwas an die Kunden weitergeben, auch gab es noch die Strompreis- bremse. Jetzt, wo die Präsenzveranstaltungen zurück sind, muss sich erst noch zeigen, wie sich die Ener- »Wir sind jetzt wirklich raus aus dieser Coronadelle« Messe- und Kongressbe- sucher – insbesondere der jüngeren Generation – wollen unterhalten werden. Digitale Angebote von Virtual Reality bis KI können Veranstaltern und Ausstellern dabei gute Dienste leisten.
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