Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Februar'24 - Hochrhein-Bodensee

25 2 | 2024 ANZEIGE der Spedition Ristelhueber in Waldshut-Tiengen: „Wir haben mit unseren Kunden gemeinsame Lösungen gefunden. Das Verständnis bei ihnen war groß.“ Allerdings gehen er und seine Kollegen davon aus, dass kein Spediteur oder kein Frachtführer diese Zusatzkos- ten werden tragen können, wie es Gerald Penner von der Streck Transportgesellschaft in Lörrach beschreibt. Zu vermuten sei eher, „dass auch unsere Kunden diese an ihre Kunden weitergeben“, ergänzt Michael Bäumle, Geschäftsführer der Spedition Bäumle aus Weil am Rhein. Damit lande die Erhöhung letztendlich bei den Verbrauchern. Einführungstermin unglücklich Unmut verursacht die Einführung der Maut-Veränderungen: „Die Zeit zwischen Beschluss und Umsetzung zum 1. Dezember war sehr knapp. Dies hat uns zeitlich stark unter Druck gesetzt“, sagt Tobias Bartelmess. Ähnlich formuliert es Gerald Penner: Zwar hätten die Daten recht früh im Jahr grundsätzlich festgestanden, „formal verabschiedet wurde das Paket jedoch erst nach der Sommerpau- se und damit sehr kurzfristig“. Das habe zur Folge gehabt, „dass auch die Kommunikation gegenüber den Kunden immer mit dieser Einschränkung verbunden war“, beschreibt es der Geschäftsführer. Ärgerlich sei in diesem Zusammenhang, so Bartelmess, auch das konkrete Datum der Einführung: „Wir haben über unseren Verband darauf gedrängt, dass die neue Maut zum 1. Januar 2024 eingeführt wird, da viele Frachtverträge eine jährige Gültigkeit haben und diese zum Jahreswechsel abgefasst werden.“ Leider „ohne wirklichen Effekt“, fasst es Gerald Penner zusammen. Mit dem Ziel, dass durch die neue Mautkomponente verfolgt wird, können sich die Mitglieder des Verkehrsausschusses arrangieren. Gerald Penner: „So entsteht ein zusätzlicher Anreiz, auf E-Lkw oder Lkw mit Wasserstoffantrieb umzustellen, da diese vorübergehend mautbefreit sind.“ Doch das funktioniere nur auf dem Papier, ergänzt Bartelmess. „Leider ist es aktuell so, dass keine relevanten Alternati- ven zum Diesel-Lkw zur Verfügung stehen.“ Zwar sei im Oktober ein mit Batterie betriebener Lkw vorgestellt worden, der das Potenzial besitze, konventionelle Verkehre abbilden zu können. „Pikant daran ist jedoch, dass dieses Fahrzeug erst im ersten Quartal 2025 tat- sächlich zur Verfügung steht – somit ganze 14 bis 15 Monate nach der Einführung der CO 2 -Maut.“ Gerald Penner ergänzt: „Dazu kommt, dass die entsprechenden Förderprogramme weitestgehend eingestellt wurden.“ Für die Branche stellt die Mauterhöhung nur eine von vielen Herausforderungen dar, gibt Michael Bäumle zu bedenken. Er verweist in diesem Zusammenhang unter anderem auf die generelle Belastung durch das Brennstoffemissionsgesetz und steigende Löhne. Das Fazit fällt für Gerald Penner dementsprechend aus: „Die Maut wird erhöht, die Infrastruktur ist an vielen Stellen weiterhin marode. Die Bahn wird auch weiterhin nicht in der Lage sein, nennenswerte Mengen von der Straße aufzunehmen – aus Qualitäts- und Kapazi- tätsgründen.“ Der Straßentransport werde durch die CO 2 -Bepreisung von Brennstoffen und die veränderte Maut doppelt CO 2 -bepreist. Im Gegenzug werde der Staat zuverlässig mehr Einnahmen generieren, „da es keine Alternativen zum Lkw gibt.“ mrk Dirk Schroff, Referent Energie | Nachhaltigkeit | Verkehr dirk.schroff@konstanz.ihk.de 07531 2860-165

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