Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Januar'24 -Südlicher Oberrhein

1 | 2024 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten SANDRA MÜLLER „ROCKT DAS BÜRO“ Die Überlegung, sich selbständig zu machen und ein Gewerbe anzumel- den, entwickelte sich bei Sandra Müller Anfang 2022. Die gelernte In- dustriekauffrau war mit ihrer aktuellen Situation unzufrieden, fand aber auch keine Alternative auf dem Arbeitsmarkt. Zwei Angebote lagen ihr vor, aber für sie stand irgendwann fest: „Das ist es nicht.“ Und so be- gann ein Prozess, der sie vor knapp einem Jahr zur Unternehmerin machte. Seit dem 1. Februar 2023 ist sie als virtuelle Vertriebsassistenz aktiv ( www.sandra-mueller.com) . Dazu benötigt sie nicht mehr als einen Raum im gemeinsamen Zuhause mit ihrem Mann bei St. Georgen, das Internet und ihr Know-how. „Ich brauche immer ein bisschen Abwechslung“, sagt die gebürtige Rheinländerin, die seit mehr als 40 Jahren im Schwarzwald lebt. Daher verliebt sie sich auch in ihren Lehrberuf: „In meiner Ausbildung habe ich in sämtlichen Abteilungen mitarbeiten dürfen – Personal, Ver- triebsinnendienst, Einkauf und noch mehr. Das hat mich geprägt.“ Später leitet sie Projekte und übernimmt Verantwortung, auch unter schwierigen Bedingungen. Dann kam Corona, und vieles änderte sich. Für Sandra Mül- ler der Zeitpunkt, über ihre Zukunft nachzudenken.Auf demWeg zur Selb- ständigkeit half ihr die Gründergarage der IHK Schwarzwald-Baar-Heu- berg. In dem mehrmonatigen Programm wird grundlegendes Know-how über unternehmerisches Handeln vermittelt, außerdem kann man sich mit anderen Gründern austauschen. „Da geht es dann auch darum, welche Netzwerke für mich interessant sind, wo ich aktiv sein sollte und wo es sich nur bedingt lohnt“, beschreibt Sandra Müller einen von vielen As- pekten der Programms. Heute ist sie Ansprechpartnerin für Unternehmen, die extern oder befristet Unterstützung für ihre Vertriebsaktivitäten oder für das Office Management benötigen. „Das ist eine sehr vertrauensvolle Aufgabe, da ich – je nach Tätigkeit – für ein Unternehmen spreche oder in dessen Auftrag handle“, erklärt die Industriekauffrau. Vertrauen, das ihr die Unternehmen gerne entgegenbringen. Schon mit dem Start in die Selbständigkeit übernahm sie für einen Betrieb Vertriebsaufgaben – und das macht sie immer noch. Hochfliegende Pläne hat sie nicht. Das Büro in St. Georgen reicht. „Ich ziehe eine tiefe Befriedigung daraus, wenn Prozes- se reibungslos laufen und die Menschen in meinem Umfeld, also Kunden, Lieferanten, Vorgesetzte und Kollegen, zufrieden sind.“ Patrick Merck STEFANIE SCHULZE So belastend die Situation während der Coronalockdowns auch war, für Stefanie Schulze aus Ihringen und ihr im Juli 2021 gegründetes Unt ernehmen „Stefanie Schulz e, Transformation Speaker & Coach“ ( www.stefanie-schulze.com) , war es auch eine Chance. Die Chan ce, einen langgehegten Wunsch, eine Vision, in Angriff zu nehmen und umzusetzen: „Ich hatte Zeit, mich mit mir persönlich zu beschäf- tigen, es war viel Angst in der Luft und doch wusste ich, dass ich mich da reinfuchsen will, dass ich mit einem eigenen Business et- was erreichen will. Und dann habe ich es einfach gemacht.“ Start- schuss war für die gelernte Kauffrau für Bürokommunikation eine einjährige Speakerweiterbildung bei „GedankenTanken/Greator“. Im Anschluss daran folgte die Qualifikation zum systemischen Coach. „Ich habe gemerkt, dass es mir nicht reicht, nur auf der Bühne zu stehen und Impulse zu geben. Mir war wichtig, dass ich auch danach für die Menschen da bin, ihnen mit den richtigen Tools noch besser helfen kann“, erinnert sich Stefanie Schulze. In ihren Keynotes, die sie unter anderem auf Online-Kongressen, Netzwerkveranstaltungen und kleineren Bühnen hält, geht es hauptsächlich umTransformation, „um die Entscheidung, den Willen und das Selbstbewusstsein, seine Vision zu verwirklichen“, beschreibt es die 35-Jährige. Kunden der Coachin sind in erster Linie Personen in Führungspositionen: „Das sind jetzt nicht nur Geschäftsführer, Abteilungsleiter oder Teamleiter, sondern generell Menschen, die Personalverantwortung haben und auch Soloselbständige.“Solche, die bereits ein Business haben und es noch ausbauen wollen, die persönlich wachsen möchten, genauso wie diejenigen, die etwas Neues angehen wollen, denen jedoch noch der letzte Schritt fehlt. Inhaltlich geht es vor allem darum, Visionen und Ziele zu definieren und zu realisieren. „Erst wenn klar ist, ‚wel- che Werte will ich überhaupt verfolgen, welche Ziele definieren und wie zahlen diese Ziele auf meine Vision ein‘, kann ein Vorhaben auch umgesetzt werden.“ Allein von der Selbständigkeit, die sie mit einem Gründerzuschuss finanziert hat, kann Stefanie Schulze noch nicht leben, ihren „Brotjob“ im Hotel will sie noch ein wenig behalten. Doch für die Zukunft möchte sie ihr Portfolio erweitern: „Ich möchte sozusagen eine neue Kategorie aufmachen, nicht mehr nur eins zu eins Privatpersonen coachen, sondern auch direkt in Unternehmen gehen.“ Andrea Keller Sandra Müller in ihrem Office Stefanie Schulze als Keynotespeakerin bei der GedankenTanken Rednernacht auf der Volksbühne in Köln

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