Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Januar'24 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

58 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 1 | 2024 „Erklärbär, Schutzengel und Zahlenjongleur (m/w/d) gesucht“ – darf so eine seriöse Stellenanzeige aussehen? Ja, unbedingt! Vor allem, wenn es darum geht, junge Mitarbeiter zu gewinnen. Spätestens mit der Generation Z haben klassische Zeitungsannoncen ausgedient, Social Media und Online-Stellenbörsen sind heute ein Muss. Managementtrainer Felix Behm aus Konstanz ist Experte rund um die Generation Z und hat in einigen IHK-Vorträgen erklärt, wie Unternehmen die nachrückende Generation für sich begeistern und gewinnen können. Herr Behm, warum machen klassische Stellenanzei- gen in Zeitungen auf der Suche nach Nachwuchs- kräften kaum noch Sinn? Felix Behm: Die Antwort ist ganz einfach: Weil die Jugendlichen keine Zeitung mehr lesen, weder print noch online. Und somit eben auch nicht den klas- sischen Stellenteil. Das ist aber noch nicht in allen Köpfen angekommen. Das merke ich immer wieder beim Smalltalk am Rande meiner Vorträge, wenn die Frage gestellt wird „Haben Sie das heute auch in der Zeitung gelesen, was da passiert ist?“ So ähnlich wird auch der Smalltalk in Firmen laufen. Kommunikation mit jungen Menschen funktioniert so aber nicht mehr, weil sie sich nicht über die Zeitung, sondern über Social Media, Influencer und Nachrichtenportale informieren. Allerdings erreicht man mit den klassischen Anzeigen noch Eltern und Großeltern der Fachkräfte von mor- gen. Wenn es um Auszubildende geht, ist eine solche Stellenanzeige also nicht verkehrt. Ich schätze, dass man zehn bis 15 Prozent der Jugendlichen noch mit der klassischen Anzeige erreicht. Und das eher auf dem Land als in der Stadt. Um es mit den Worten einer Auszubildenden der DIHK zu sagen, die beim Deut- schen Ausbildungsleiterkongress in Düsseldorf einen Vortrag gehalten hat und gefragt wurde, was sie von klassischen Stellenanzeigen hält: „Kann man machen“. Aber Priorität Nummer eins ist das nicht. Wenn nicht in der Zeitung, wo sonst sollten Unterneh- men ihre Stellen für die Generation Z ausschreiben? Man muss sich immer vor Augen halten: Die Generation Z wächst mit Social Media auf. Deswegen ist es am bes- ten, in einem firmeneigenen Social-Media-Account für offene Stellen zu werben. Gut geeignet sind aber auch Online-Stellenportale. Für Azubis und Fachkräfte gibt es viele passende – von Azubyo bis Stepstone. Nicht zu vergessen natürlich auch die IHK-Lehrstellenbörse. Für junge Mitarbeiter ab 22 Jahre ist außerdem Linkedin eine gute Plattform. Facebook weniger, da ist die Ge- neration Z nicht unterwegs. Da findet man eher Ältere. Muss die Stellenanzeige immer aus dem Rahmen fallen, damit die Zett-ler überhaupt darauf aufmerk- sam werden? Nein, das muss sie nicht. Natürlich darf sie ruhig ein bisschen frech sein. Vor allem aber muss sie authen- tisch und kurz und knapp sein. Sie muss mich als jun- gen Menschen mit wenigen Eindrücken abholen, so dass ich drauf- und nicht einfach weiterklicke. Und wie bringt man die Jugend zum Draufklicken? Instagram und Co. prägen junge Menschen sehr stark. Was man also braucht, sind viele visuelle Eindrücke, Bilder und Videos und keine langen Texte. Die gibt es dort nicht. Abgesehen davon kann man am Smartphone keine ewig langen Texte lesen. Und da das Smartphone eine große Rolle bei der Stellensuche spielt - 94 Prozent nutzen es laut Schülerstudie, um sich über den Arbeit- geber zu informieren – sollte man sich daran halten. Was will die Generation Z in den Videos und auf den Bildern sehen? Sie will einen Einblick ins Unternehmen. Bei einem Vi- deo reichen maximal zwei Minuten aus. Sie will sehen, was das Unternehmen macht, wer das genau ist und wie die Leute aussehen, die dort arbeiten. Ob Videos Stellenanzeigen für die Generation Z »Instagram und Co. prägen junge Menschen sehr stark. Was man also braucht, sind viele visuelle Eindrücke und keine langen Texte« Bild: Adobe Stock/ golubovy

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