Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Januar'24 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
8 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 1 | 2024 TITEL Wachstumschancengesetz noch im Schwange Das geplante Wachstumschancengesetz soll Impulse für mehr Wachstum, Investitionen und Innovationen setzen sowie Erleichte- rungen im Steuerrecht bringen. Zentrales Element ist eine Investitions- prämie für Klimaschutzmaßnahmen: Auf Antrag sollen Investitionen von Unternehmen zur Senkung des Energieverbrauchs in Höhe von 15 Prozent der Aufwendungen bezuschusst werden können. Daneben sieht das Gesetz Impulse für mehr Forschung vor. Zum einen werden die förderfähigen Aufwendungen ausgeweitet, indem neben Perso- nalkosten auch bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens einbezogen werden. Zum anderen steigen die Förderbeträge selbst. Mayer/Advant Beiten Das Wachstumschancengesetz ist im Dezember vom Bundesrat an den Vermittlungsausschuss überstellt worden. Was von den Inhalten umgesetzt wird und was nicht, ist damit noch unklar. Mehr zu den vorgesehenen steuerlichen Erleichterungen im Rahmen des Wachstumschancengesetz siehe Seite 10 . Ausgleichsabgabe steigt Das Gesetz zur Förderung eines inklusiven Arbeitsmarktes tritt am 1. Januar 2024 in Kraft und zielt darauf ab, Menschen mit Behin- derungen besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dies soll unter anderem durch die Erhöhung der Ausgleichsabgabe für Arbeitgeber erreicht werden. Unternehmen, die trotz Beschäftigungspflicht kei- nen schwerbehinderten Menschen beschäftigen, müssen eine Aus- gleichsabgabe in Höhe von 720 Euro statt bisher 360 Euro zahlen. Verpflichtet, Arbeitsplätze für Menschen mit einer Schwerbehinderung zu schaffen, sind Betriebe mit mindestens 20 Beschäftigten. Mayer/Advant Beiten Mehr Fachkräfte aus dem Ausland gewinnen Deutschland braucht mehr Fachkräfte. Deshalb sieht das Fachkräfte- einwanderungsgesetz schrittweise Erleichterungen zugunsten außer- europäischer Fachkräfte für ihren Weg in den deutschen Arbeitsmarkt vor. Zentrales Element der Einwanderung bleibt die Fachkräftesäule: Bereits seit November 2023 ermöglicht diese es Menschen aus Dritt- staaten mit einem deutschen oder einem in Deutschland anerkannten Abschluss, in allen qualifizierten Beschäftigungen zu arbeiten. Da- neben tritt ab März 2024 die Erfahrungssäule. Abgerundet wird das System ab Juni 2024 durch die Potenzialsäule. Damit bekommen mehr Menschen aus Drittstaaten, die noch keinen deutschen Arbeitsvertrag haben, die Möglichkeit zur Arbeitssuche in Deutschland. Mayer/Advant Beiten Details unter www.wirtschaft-im-suedwesten.de/titelthemen/ faqs-zum-praxisstart Qualifizierungsgeld für Weiterbildung Vom Strukturwandel betroffene Unternehmen sollen ab April 2024 durch Einführung eines sogenannten Qualifizierungsgeldes dabei unterstützt werden, ihre Fachkräfte im Unternehmen zu halten. Mit dem Gesetz zur Stärkung der Aus- und Weiterbildungsförderung soll den Beschäftigten eine zukunftssichere Beschäftigung im glei- chen Unternehmen ermöglicht werden. Das Qualifizierungsgeld soll als eine an das Kurzarbeitergeld angelehnte Entgeltersatzleistung eingeführt werden und unabhängig von der Betriebsgröße, dem Alter oder der Qualifikation der Beschäftigten von der Agentur für Arbeit an Beschäftigte in Weiterbildung geleistet werden. Mayer/Advant Beiten Mindestlohn und -ausbildungsvergütung steigen Der Mindestlohn steigt am 1. Januar 2024 um 31 Cent. Er liegt dann bei 12,41 Euro brutto pro Stunde. Entsprechend erhöht sich die Minijob- Grenze von 520 Euro auf 538 Euro monatlich. Analog steigt ab Januar auch die Mindestausbildungsvergütung, falls kein Tarifvertrag vorliegt. Das Monatsgehalt für Auszubildende liegt nach den neuen Regelungen monatlich bei mindestens 649 Euro im Thomas Weisser Geschäftsführer der Weisser GmbH Haus der 1000 Uhren in Triberg und Vorsitzender des Handelsaus- schusses der IHK Schwarzwald-Baar- Heuberg „Betriebe suchen Beschäftigte. Die gibt es. Nur halt nicht immer in Deutschland oder in der EU. Menschen aus sogenannten Drittländern wollen in Deutschland arbeiten – sind oft gut ausgebil- det und sprechen auch zum Teil schon Deutsch. Leider sind nur wenige Länder so kompliziert wie Deutschland. Die Bestimmun- gen sind kompliziert, die Dauer der Verfahren endlos, der Papierkram aufwendig. Die Politik will mit dem Fachkräfte- einwanderungsgesetz die Situation angehen? Dann hoffe ich, dass vor allem die Beschäfti- gung aus Drittstaaten an Fahrt gewinnt. Für jeden, der Work-Life-Balance für sich in Anspruch nimmt oder früher aus dem Beruf ausscheidet, muss jemand anders dessen Stelle füllen oder mehr arbeiten – wenn alles so wie gewohnt aufrecht erhalten bleiben soll. Lasst die Menschen, die arbeiten wollen, auch arbei- ten – egal, wo sie herkommen. Das Motto für 2024 heißt: „Raus aus dem Kri- sen-Modus“.Wer immer nur von Krisen spricht, bekommt irgendwann selber eine. Es wird Zeit, dass unsere Regierung ihre Vorbildfunkti- on übernimmt. Das heißt: Keine Tricksereien mit dem Geld, keine Diffamierungen in der Öffent- lichkeit. Der Mittelstand erwartet handwerklich saubere Arbeit und eine verlässliche Grundlage, auf der zumindest überschaubar geplant wer- den kann. Daran kann das Jahr 2025 andocken. Ich erwarte die Rückkehr des gesunden Men- schenverstandes. Bevor die Politik Geld ausgibt, muss es verdient sein.Wenn sie ein Versprechen gibt, hat sie es zu erfüllen. Ich erwarte mehr Freiraum, weniger Gängeleien und weniger Gezeter. In einer „Sozialen Marktwirtschaft“ ist das Soziale ganz klar eine Säule – aber eben auch die Marktwirtschaft. “
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