Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'23 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
5 12 | 2023 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Deutsch-französisches Abkommen IHKs wollen CO 2 reduzieren helfen D er Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) und die Industrie- und Handelskammer der Re- gion Grand Est (CCI Grand Est) haben Ende Oktober ein neues Technologieabkommen unterzeichnet. Ziel des Ganzen ist es, auf beiden Seiten des Rheins kohlenstoffhaltige Emissionen zu reduzieren. Mit ihrer Unter- schrift unter das neue Abkommen bekräf- tigten die beiden Kammer-Präsidenten ihre bereits bestehende Partnerschaft. Beim Wirtschaftsgipfel des Wirtschaftsmi- nisteriums in der baden-württembergischen Landesvertretung in Brüssel präsentierten sie die drei Arbeitsschwerpunkte des Tech- nologieabkommens: Gemeinsam wollen sie sich für nachhaltige politische und regulato- rische Rahmenbedingungen einsetzen. Zu- dem wollen sie die Unternehmen mit Blick auf Technologien, die der Dekarbonisierung dienen, grenzüberschreitend vernetzen, so- wie grenzüberschreitende Förderprogramme aufbauen. Das Programm soll sofort starten, sowohl BWIHK als auch CCI verantworten es inhaltlich. ds Strukturstudie BW 23 Quo vadis Automobilindustrie? W ie verändern Elektrifizierung, Digitali- sierung und Automatisierung die Wert- schöpfungs- und Beschäftigungsstrukturen am Automobilstandort Baden-Württemberg? Und welche wirtschaftlichen und technologi- schen Chancen ergeben sich daraus? Das hat die Strukturstudie BW 23 der Landesagentur „e-mobil BW“ erhoben. Die Studie prognostiziert in verschiedenen Szenarien, dass im Jahr 2030 der Marktan- teil rein batterieelektrischer Autos bei den Neuzulassungen zwischen 34 und 57 Prozent betragen wird, der der Lkw zwischen 31 und 50 Prozent. Damit werden im günstigsten Fall rund zehn Millionen E-Autos und rund 900.000 E-Lkw in Deutschland unterwegs sein, womit das Ziel der Bundesregierung von 15 Millionen elektrischer Fahrzeuge verfehlt und die Klima- ziele nicht erreicht werden. Durch die Transformation der Automobilindus- trie werden laut Studie die Beschäftigungs- zahlen künftig um je ein Prozent pro Jahr zu- rückgehen. Das wird nicht nur die Produktion, sondern vermehrt auch Verwaltung sowie For- schung und Entwicklung betreffen. Bis 2030 wird die Beschäftigung im Automobilcluster Baden-Württemberg um acht bis 14 Prozent zurückgehen. Das sind landesweit 37.600 bis 66.000 Arbeitsplätze, die laut Studie durch den demografischen Wandel sozialverträglich abgebaut werden können. Bis 2040 wird mit dem Ende des Verbrennungsmotors die Quote bei über minus 30 Prozent liegen. Die Strukturstudie berechnet, dass durch den batterieelektrischen An- triebsstrang zwar Jobs ge- schaffen werden, die das Minus beim konventionel- len Antrieb jedoch nicht kompensieren werden, so die Forscher. Einen kleinen positiven Beitrag erwarten sie auch vom au- tomatisierten Fahren: Bis 2030 könnten dort 5.200 Stellen (2040: 7.300) ge- schaffen werden. 2022 erwirtschaftete die Fahr- zeug- und Fahrzeugteile- herstellung im Land mit 315.000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von 136 Milliarden Euro. ds Vorstellung der Studie am 5. Dezember , 17 Uhr, IHK Schwarzwald-Baar- Heuberg www.ihk.de/ sbh 5134384 Die Strukturstudie als PDF: Bilder: Adobe Stock/Adriana (oben), deagreez (unten) Fachkräftestudie erkennt Potenzial der Silver Worker Im Ausland wird Alterswissen mehr eingesetzt I n einigen Ländern machen arbeitende Seni- oren bereits heute schon einen relevanten Anteil der Erwerbsbevölkerung aus, Tendenz steigend. Dies ist eines der Ergebnisse einer aktuellen Studie des Roman Herzog Instituts (RHI). Die Wissenschaftler hatten sich darin zum einen die Lebensarbeitzeit im internatio- nalen Vergleich angesehen sowie die Bedeu- tung der sogenannten Silver Worker für die Fachkräftesicherung. Während in Japan und Island rund 50 bezieh- sungsweise 45 Prozent der 65- bis 69-Jährigen erwerbstätig sind – Platz 3 für die USA mit 31 Prozent –, ist es in Deutschland nicht mal jeder fünfte Senior. Platz 11 von 20. Für die Beschäf- tigungsforscher mit Blick auf den fortschrei- tenden Mangel an Arbeitskräften ein Grund, anzuregen, dass man das freiwillige Arbeiten ab dem Rentenalter erleichtern solle. Denn ein langes Arbeitsleben – vor oder nach der Rente – und eine hohe Lebenszufriedenheit schließen sich nicht aus, stellt die Studie weiter fest und zieht dafür den Better-Life-Index der OECD heran. An der Spitze des Länderrankings befänden sich Länder, in denen die Menschen zugleich ein langes Arbeitsleben zu absolvieren hätten, heißt es in dem Papier des RHI. Eine weitere Chance, Mitar- beiterpotenziale zu heben, macht die Studie bei der Wochenarbeitszeit aus. So arbeiten in Deutschland 41 Prozent der Beschäftig- ten weniger als 40 Stunden pro Woche. Fast jeder vierte Mitarbeiter sogar weniger als 35 Stunden. Mit einer Teilzeitquote von 22 Prozent rangiert Deutschland auf Platz 4 der OECD-Staaten, deutlich über dem Schnitt von 16 Prozent. Die Forscher haben daraufhin die tatsächliche und die gewünschte Arbeitszeit in Deutschland verglichen. Während Vollzeit- kräfte gerne vier bis fünf Stunden pro Woche weniger arbeiten würden, wünschen sich Teil- zeitkräfte im Schnitt ein bis 3,5 Stunden mehr Job pro Woche. Die Experten regen daher an, durch verbesserte Vollzeitangebote und Kin- derbetreuungsmöglichkeiten die Vollzeitquote auszubauen. uh Die komplette Studie als PDF unter www.romanherzoginstitut.de/ publikationen.html Studie 38 In Deutschland sind 18 % der Senioren berufstätig – in Japan sind es fast 50 %.
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