Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'23 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

8 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 12 | 2023 titel projizieren, ist mittlerweile mit jedem norma- len Smartphone per App umsetzbar. „Auch die Lösungen mit Künstlicher Intelligenz (KI) werden jetzt so langsam immer schlauer und treffgenauer“, sagt er und berichtet von einem Selfcheckout-Terminal, das es im „uih!“- Hub in Heilbronn live zu sehen gibt und das das Alter von Kunden recht treffsicher plus/ minus zwei Jahren antizipieren kann – nicht uninteressant für automatisierte Zutritts- oder Abgabekontrollen für den Einzelhandel. Manche Technologie könnte man als Spiele- rei abtun – obwohl selbst die sehr unwissen- schaftliche Eis-KI – Motto: Lass mich dein Gesicht scannen und ich nenne dir dein Lieb- lingseis – viele Lacher einbringt und Kunden zum Bleiben und Konsumieren veranlasst. Viele digitale Lösungen haben aber durchaus das Potenzial, in Handel und Gastronomie Probleme zu lösen und Kunden zu gewinnen – müssen vielfach jedoch erst noch von den Unternehmern entdeckt werden. „Viele un- serer stationären Händler sind inzwischen sehr gut auf Instagram, TikTok und Facebook unterwegs, einige betreiben auch einen eige- nen Onlineshop“, stellt Thomas Kaiser, Innen- stadtberater der IHK Südlicher Oberrhein, fest. „Aber digital unterstützter Vertrieb ist nicht das originäre Geschäftsmodell des stationären Einzelhandels. Es braucht also immer einfache und leicht nutzbare digitale Lösungen, damit diese auf Akzeptanz stoßen.“ Technik mit Problemlösekompetenz Beispiel Handel: Virtuelle Produktregale – Tablets oder Touchscreens im Laden oder QR-Codes am Regal – können die Beratungs- kompetenz des stationären Handels mit der Breite eines Onlinesortiments verknüpfen. Der Kunde kann mit oder ohne Verkäufer er- kunden, welche Produktvarianten es noch gäbe und sie gleich im Laden nach Hause bestellen. Das spart nicht nur Laden- und Lagerfläche, „das hat“, so ergänzt Simone Mader, Innenstadtberaterin der IHK Schwarz- wald-Baar-Heuberg, „auch den Vorteil, dass ich mehr Auswahl bieten kann, ohne sie vor- finanzieren zu müssen.“ Beispiel Gastronomie: Studien zeigten, so berichtet Daniela Hermann, bei der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg für die Gastro- nomen zuständig, dass die größten Arbeits- wege fürs Personal zwischen Gast und Küche anfallen. Warum sich hier also nicht helfen lassen, sei es von Servicerobotern, mit digita- len Speisekarten oder über Selfservice. „Das Personal kann so viel mehr sinnvolle Zeit mit dem Gast verbringen.“ Bild: Pixl Agentur_Hüfingen Bild: Adobe Stock/ Prostock-studio Digitale Preisschilder – ohne Batterie Digitale Preisschilder, die sich zentral per WLAN steuern lassen, sind an sich schon mal eine große Erleichterung für Händler mit einem großen Warenbestand und häufig wechselnden Preisen. Supermärkte, Drogerien, Baumärkte... Niemand mehr, der Schildchen austau- schen, geschweige denn die Etikettierpistole schwingen muss. Die in Villingen gezeigte Variante geht noch einen Schritt weiter: Die Preisanzei- gen werden über Solarmodule betrieben, die auch mit wenig Tageslicht auskommen. Das spart nicht nur Strom und Batterien, sondern entlastet auch die Mitarbeiter, die sie nun nicht mehr regelmäßig austauschen müssen. uh Absatzvorhersage mit KI Manchmal geht schon lange vor Ladenschluss eine bestimmte Ware aus, an anderen Tagen bleibt viel Frisches liegen – das Los vieler Einzelhändler insbesondere aus der Lebens- mittelwelt. Wo viele Unternehmer noch über Erfahrungswerte und die eigene Statistik die Vorratshaltung steuern, kann KI noch mehr. Aus eigenen Daten und denen von externen Quellen – die sogar den Wetterbericht fürs Grillgutbevorraten einplanen können – ergibt sich ein genaueres Bild, das bessere Prognosen ermöglicht. Hilfreich nicht nur für Händler. Auch Gastronomen könnten über eine entsprechend angepasste KI bei der Speisen- und Getränkebevorratung profitieren. uh Virtuelle Produkte real platzieren Die Besucher in Villingen-Schwennin- gen sahen auf dem Bildschirm die Perspektive des Hololens-Trägers: eine eingescannte Teekanne, die sich durch echte Gesten auf echten Möbeln platzieren und umlaufen lässt. Kunden könnten so die Raumwirkung von Produkten – von Möbeln über Kunst bis Geschirr – vor dem Kauf testen. Im Geschäft oder in den eigenen vier Wänden. Welche Farbe passt? Ist das Modell zu groß? Zu klein? Der Händler muss ihnen lediglich den Link zum Produktscan zur Verfügung stellen. Sein Vorteil: Er muss die Ware gar nicht vorrätig haben, schon gar nicht in allen Varianten. Das Verfahren lässt sich in ähnlicher Form auch einfach per Smartphone und ohne Hololens einsetzen: Der Kunde projiziert das Produkt via Handy dreidimensional in seine echte Welt. Spannend auch für Gastronomen, die ihrer digitalen Speisekarte einen Zusatznutzen geben wollen: Das Gericht vorab auf den Teller projizieren und der Gast weiß, was auf ihn zukommt. uh

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