Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'23 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

46 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 11 | 2023 THEMEN & TRENDS Analyse und Meinung Gibt das Energieeffizienzgesetz dem Wirtschaftsstandort Deutschland einen Impuls in die richtige Richtung? D ie Steigerung der Energieeffizienz ist eine viel zu wenig erzählte Erfolgsge- schichte der deutschen Wirtschaft: Während die Wirtschaftsleistung seit 1990 um mehr als 50 Prozent zugenommen hat, ging der Endenergieverbrauch um neun Prozent zu- rück. Die vielfach geforderte Entkoppelung zwischen Energieeinsatz und Wachstum hat durch die Steigerung der Energie- effizienz im Unternehmens- alltag schon lange stattge- funden. Nun legt das gerade verab- schiedete Energieeffizienz- gesetz (EnEfG) erstmals ein verbindliches Energieein- sparziel fest. Deutschland soll seinen Energieverbrauch bis 2030 gegenüber 2008 um 26,5 Prozent senken. Bis Ende 2021 wurden aber erst vier Prozent- punkte eingespart. Aus heutiger Sicht ist es nur möglich, dieses Ziel zu erreichen, wenn es gesetzliche Vorgaben gibt, wann beispiels- weise kein Auto mehr fahren darf oder wann Industrieproduktion stillzulegen ist. Für den Wirtschaftsstandort Deutschland sind das düstere Aussichten. Für die Unternehmen bringt das Effizienzge- setz vor allem neue Pflichten und Auflagen. Die umfangreichen Nachweis- und Offenlegungs- pflichten für betriebliche Maßnahmenpläne und Abwärmepotenziale sowie Informations- pflichten über Energieverbrauchsdaten von Rechenzentren bedeuten unnötige Bürokratie. Statt die Kapazitäten bei Auditoren, Zertifi- zierern und betrieblichen Energiemanagern prioritär für die Erschließung relevanter Ein- sparpotenziale einzusetzen, produziert das Gesetz Datenstapel. Es ist daher nicht aus- zuschließen, dass die Umsetzung von Effizi- enzmaßnahmen auf der Strecke bleibt. Wer dagegen Leidenschaft für den betrieblichen Klimaschutz weckt und Freiräume für kreative Effizienzlösungen schafft, der bekommt Ener- gieeinsparung quasi umsonst. Die EnEfG-Vorgaben zur Nutzung von Abwär- me, für Rechenzentren ab 300 kW oder die Umsetzungspläne für nach dem Gesetz als wirtschaftlich deklarierte Einsparmaßnahmen werden dagegen kaum zusätzliche Wirkung entfalten. Schließlich sorgen hohe Energie- preise gepaart mit steigenden CO 2 -Kosten und den in vielen Betrieben vorhandenen Energiemanagementsystemen automatisch dafür, dass sich Unternehmen um ihre Ener- giebilanzen kümmern. Ein hohes ökologisches Verantwortungsbewusstsein und die Erwar- tungen der Kunden tun ihr Übriges. Es verwundert, dass ein Gesetz, das das Wort Energieeffizienz trägt, keine Maßnahmen zur Stärkung des Energiedienstleistungsmarkts vorsieht. Eine massive Steigerung der Ener- gieproduktivität lässt sich nur erreichen, wenn Unternehmen entsprechende Hilfe von pro- fessionellen Dienstleistern erhalten können. Wir denken zum Beispiel an Verbesserungen für Contracting-Maßnahmen. Diese sollten direkten Unternehmenstätigkeiten überall gleichgestellt werden. Des Weiteren empfeh- len wir, die Förderprogramme für Energieef- fizienz deutlich zu entschlacken, indem etwa auf eine steuerliche Förderung über Sonder- abschreibungen oder direkte Investitionszu- schüsse umgestellt wird. Ein zweiter Aspekt bei der Förderung ist das „Was“. In vielen Fällen sind die Quick-wins ge- erntet, Querschnittstechnologien optimiert. Darum rücken vermehrt Kernprozesse in den Fokus, die mit erheblichen unternehmerischen Risiken und Investitionssummen weit über das normale Maß hinaus verbunden sind. Hier könnte die Bundesregierung beispielsweise mit gekoppelter zusätzlicher Forschungsförde- rung unterstützen. Auch das Erfolgsmodell der Effizienznetzwerke mit ihrem partnerschaft- lichen Ansatz zeigt, wie es ohne staatliche Vorgaben funktionieren kann. Sebastian Boley Der Beitrag erschien zuerst im Sonderheft „e|m|w 2|23!“ des „e|m|w · Das ener|gate- Magazin“ (www.emw-online.com) . INFOS UND KONTAKTE Das Energieeffizienzgesetz www.ihk.de/freiburg 5933514 Neues Netzwerk Energieeffizienz und Klimaschutz bei der IHK Südlicher Oberrhein: Gemeinsam mit anderen Unternehmen die eigene Energie- und Ressourceneffizienz verbessern und CO 2 einsparen www.ihk.de/freiburg 5918730 Seminar „ Zukunftssicherung durch Effizienz und Nachhaltig- keit“ , 6. November , Tuttlingen. Infos und Anmeldung unter https://veranstaltungen-ihk-sbh.de Seminar„ Energieeffizienz im Unternehmen “, 31. Januar 2024 , Schopfheim. www.ihk.de/konstanz 13998 Energie-Scouts: Training für Auszubildende. Infos bei den IHKs unter www.ihk.de/konstanz 4260532, www.ihk.de/sbh 4948972, www.ihk.de/freiburg 5192132 Bundesweite Veranstaltungen der DIHK zu Energie und Klimaschutz https://www.dihk.de/de/themen-und-positionen/ wirtschaftspolitik/energie/wege-aus-der-energiekrise/veranstaltun- gen-zu-energie-und-klimaschutz-76370 IHK-Ansprechpartner für Energie und Energieeffizienz IHK Hochrhein-Bodensee: Dirk Schroff 07531 2860-165 dirk.schroff@konstanz.ihk.de IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg: Marcel Trogisch 07721 922-170 trogisch@vs.ihk.de IHK Südlicher Oberrhein: Jil Munga 0761 3858-263 jil.munga@freiburg.ihk.de , Patrick Bareiter 0761 3858-266 patrick.bareiter@freiburg. ihk.de Sebastian Bolay Bereichsleiter Energie, Um- welt, Industrie, DIHK, Berlin Bild: DIHK / Paul Aidan Perry

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