Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'23 - Hochrhein-Bodensee
Design - Bau - Service Immobilien mit System GOLDBECK Niederlassung Karlsruhe, 76139 Karlsruhe, Am Storrenacker 8, Tel. +49 721 942488-0, karlsruhe@goldbeck.de GOLDBECK Niederlassung Bodensee, 78234 Engen, Robert-Bosch-Straße 1, Tel. +49 7733 36044-0 , bodensee@goldbeck.de building excellence goldbeck.de E igentlich wollte Hakam Hamdan den Weg nach Mitteleuropa allein antreten, um vor dem Bürgerkrieg in seinem Heimatland zu fliehen. Doch er hatte die Rechnung ohne seine Partnerin gemacht. Einen Monat vor der Flucht heiraten Thorya und er, gehen danach gemeinsam auf die beschwerliche Reise. Der gefährlichste Part steht ihnen direkt am Anfang bevor: In einem modifi- zierten Tankwagen geht es über Tage bis an die türkische Grenze. Der Tank war in Kammern aufgeteilt – „oben war das Öl, dar- unter wir“. Mit mehreren Personen reisen sie so in absoluter Dunkelheit und voller Angst durch das Land. „Das war die schwierigste Strecke“, erinnert sich Hakam Hamdan un- gern zurück. Einfacher wird es dann ab der Türkei. Mit dem Boot geht es nach Griechenland, von da mit Bussen und der Bahn über die deut- sche Grenze. Erster Halt ist Heidelberg, es folgt Donaueschingen, dann landen sie in Waldshut-Tiengen. Sie lernen Deutsch, und er sucht nach einer Arbeitsstelle. Er würde gern von seinen Erfahrungen profi- tieren, die er in Syrien als Elektroniker ei- ner Ölförderanlage gesammelt hat. Doch die werden nicht gebraucht. Ein Studium würde ihn reizen, doch die Finanzierung ist unklar, außerdem werden seine Zertifikate nicht anerkannt. Also soll es eine Ausbil- dung werden: Er bewirbt sich, erhält aber nur Absagen. „Ich war hoffnungslos“, berichtet Hakam Hamdan über die ersten Versuche auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Über einen Freund erfährt er von den Kümmerern der IHK, ge- meinsam besuchen sie ihn, und er schöpft neuen Mut. Sven Ness und der Syrer tau- schen sich aus, sondieren den Ausbildungs- markt. „Ich wollte Elektroniker werden, aber ich wusste nicht, wie viele Wege es in dieses Berufsfeld gibt. Betriebstechnik, Automati- sierungstechnik, Systemtechnik – ich kannte das alles gar nicht. Ich hab zwar in Syrien Elektroniker gelernt, aber hier sieht die Welt anders aus. Ich habe – gefühlt – wieder bei null angefangen.“ Umso wichtiger sei die Unterstützung von Sven Ness gewesen. Bei Endress+Hauser in Maulburg startet er 2019 dann seine dreieinhalbjährige Ausbildung. Die Lehre durfte er aufgrund guter Leistun- gen verkürzen; heute ist Hakam Hamdan Elektroniker für Geräte und Systeme und ar- beitet bei E+H in der Entwicklungsabteilung. „Ich habe mehr bekommen als erwartet“, sagt er über die Ausbildung und die Unter- stützung durch die IHK. Zu Hause sind er, seine Frau und drei Kinder mittlerweile in Grenzach. Es ist mehr als ein Zuhause, „das ist unsere neue Heimat“, macht Hakam Ham- dan deutlich – und lächelt. mrk Foto: Patrick Merck Hakam Hamdan aus Syrien Eine Ausbildung mit Zukunft statt Bürgerkrieg Fachkräftemangel, offene Ausbildungsplätze: Mit dem landeswei- ten Projekt „Integration durch Ausbildung – Perspektiven für Zuge- wanderte“ wurde eine Möglichkeit geschaffen, etwas zu bewegen – sowohl in Sachen Integration als auch beim Thema Fachkräfte. Mit der Geschichte von Hakam Hamdan, der 2016 aus Syrien nach Deutschland kam, beschließen wir unsere kleine Serie der Erfolgs- geschichten im Bereich der IHK Hochrhein-Bodensee. ANZEIGE Hakam Hamdan
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