Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juli/August'23 -Südlicher Oberrhein

8 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 7+8 | 2023 TITEL ist nicht alles, was zu kritisieren ist, auch gleich kriegsentscheidend. Herausgekommen ist ein sehr buntes Stimmungsbild mit deutlichen regionalen Unterschieden bei einzelnen Aspekten (der Übersichtlich- keit halber steht die Auswertung nach Land- und Stadtkreisen online bereit, mehr dazu Seite 10). Topnoten für Lebensqualität Durchschnittsnoten im Einserbereich erhielt nur ein einziger – dafür aber wichtiger – Faktor: die Lebens- und Aufenthaltsqualität. In sieben von zehn Kreisen wurde mit 1,8 bis 1,99 gewertet. Im Schnitt über alle ergab sich damit die beste Note in der Umfrage, eine 2,0. Am wenigsten zufrieden – mit einem Durch- schnittsergebnis von 3,93 – waren die Unternehmen mit der Verfügbarkeit von Wohnimmobilien, wobei die Teilnehmer aus dem Stadtkreis Freiburg mit ei- ner 4,43 die schlechteste Bewertung überhaupt in der gesamten Studie vergaben. Die drei übergreifenden Fragen zur allgemeinen Zufriedenheit mit den Rahmenbedingungen am eigenen Standort beantworteten die 1.201 Unter- nehmen wie folgt: Die aktuelle Lage bewerteten sie im Schnitt mit einer 2,88, während sie die Zu- kunftsfähigkeit ihres Standortes leicht besser sahen (2,81). Bei der Einschätzung zur Entwicklung in den letzten fünf Jahren – einer 3,18 – zeigt sich IHK-Ge- schäftsführer Alexander Graf allerdings alarmiert: „Da müssen wir alle miteinander schauen, dass das nicht weiter kippt.“ Die Zusammenarbeit mit den IHKs wird positiv bewertet. „Das ist natürlich auch ein Auftrag für uns, dran zu bleiben“, bekräftigt Philipp Hilsenbek, Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik bei der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg. Ebenfalls in der Summe gute Noten gab es für die Verkehrsinfrastruk- tur von Autobahn bis ÖPNV – allerdings mit regionalen Besonderheiten dort, wo etwa ICE-Haltepunkte fehlen oder ein direkter Autobahnzu- gang. „Das Gezerre um die Gäubahn und die Taktung unseres ÖPNV sind schon ein echtes Armutszeugnis“, ergänzt etwa Thomas Brugger, Geschäftsführer von Brugger Magnetsysteme mit Sitz in Hardt, und erinnert sich frisch an eine „Reise“ aus dem Landkreis Rottweil nach Stuttgart. „Es darf nicht sein, dass man aufs Auto zurückgreift, nur weil alles andere so aufwendig ist.“ Selbst sind die Unternehmen Mehrheitlich gute Noten quer durch alle Regionen erhielten Standort- faktoren zum Thema Lebensqualität. Es lebt sich gut im Südwesten. Lediglich die medizinische Versorgung landete teilweise und das Be- treuungsangebot für (Klein-)Kinder fast überwiegend im Dreierbereich. Da wäre aus Sicht der Unternehmen noch gut Luft nach oben. Aufhorchen lassen deshalb von engagierten Betrieben selbst initiierte Projekte wie die „W-Ki“, eine Betriebs- und Gemeindekindertagesstät- te in Waldmössingen, für den sich nicht nur sechs Firmen aus dem Gewerbegebiet Interkom Waldmössingen-Seedorf zusammengetan haben, sondern auch zwei Kommunen – Schramberg und Dunningen – mit im Boot sitzen. „Unsere Region ist attraktiv für junge Familien, das Gewerbegebiet wächst, Fachkräfte sind gefragt – und doch gibt es zu wenig qualifizierte Betreuungsplätze für den Nachwuchs mit sinnvollen Öffnungszeiten für die Eltern“, erklärt Karin Eichenlaub, Chefin des Garagen- und Lagerparks Magazin17 und Vorsitzende des Fördervereins, ihrer aller Engagement. Nach zwei Jahren Vorarbeit soll nach den Ferien nun Spatenstich sein, 2024 will man mit zunächst drei Gruppen starten. Die beteiligten Unternehmen haben auf die nächsten fünf Jahre die Abnahme von rund zwei Dutzend Plätzen zugesichert. „Weitere Betriebe sind herzlich eingeladen“, sagt Karin Eichenlaub. DIE STÄRKEN DER REGION* (Von den Firmen als relevant und gut bewertet) Lebens- und Aufenthaltsqualität Erreichbarkeit für Kunden, Mitarbeiter und Lieferverkehr Medizinische Versorgung Einzelhandelsangebot und Nahversorgung Kultur-, Sport- und Freizeitangebot * Die Top-Five über alle Stadt-/Landkreise Die „W-Ki“ ist für Kinder aus den Betrieben und den Gemeinden gedacht. Die große Nachfrage machte aus geplanten zwei Gruppen bereits vier. Sie bauen die „W-Ki Waldmössinger Kindertagesstätte“. Das Vorstandsteam (v.l.): Karin Eichenlaub und Jürgen Kaupp (beide Magazin17), Markus Mayer (Steuerberater und Rechtsanwalt), Tanja Aichele (Kaiser Aluschmiedetechnik), Johannes Mauch (Lebenshilfe Rottweil), Gabriel Klein (Holzbau Ginter), Steffen Engeser (Engeser), Alexandra Schmid (Lebenshilfe Rottweil), Reiner Heinzelmann (Glatthaar Keller) »Als IHK können wir interkommu- nale Ansätze stärken« Philipp Hilsenbek , Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik bei der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg

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