Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juli/August'23 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

7+8 | 2023 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 7 V organg abgebrochen. Keine Verbindung“ – Händler, die Anfang Juni auf einem Handwerkermarkt im Hotzenwald ihre Waren verkaufen wollten, brauchten beim bargeldlosen Kassieren einiges an Geduld und Zuversicht. Die modernen Kartengeräte ließen sich fürs Bezahlen einfach nicht lange genug ins labile Mobilfunknetz einwählen. Ein benachbartes Museum leistete schließlich Schützen- hilfe und stellte das hauseigene WLAN zur Verfügung. Problem gelöst, Adrenalin hat es trotzdem gekostet. Tatsächlich ist es in so einigen Teilen der Region um das Mobilfunk- netz nicht gut bestellt. Selbst in der Großstadt Freiburg gibt es weiße Flecken auf der Kommunikationslandkarte und Geschäftsleute berich- ten von peinlichen Kundengesprächen, weil laufend die Verbindung abbricht. Kein Wunder also, dass es in der IHK-Standortbewertung für den Faktor „Leistungsfähiger Mobilfunk“ nur zu einer „gelben“ Zu- friedenheitsnote von 3,19 gereicht hat – haarscharf vorbei an orange. Dabei liegt den Unternehmen verständlicherweise viel an einem guten Empfang, wie der Relevanzwert von 92 Prozent zeigt (siehe Tabelle rechts oben). Ohne geht es also fast gar nicht. 33 Faktoren aus fünf Kategorien standen zur Beurteilung bei der großen IHK-Standortumfrage – von schnellem Internet über Personalverfügbarkeit und Freizeitangebot bis zur Wirtschafts- freundlichkeit der Verwaltung. Erstmals hatten alle drei IHKs aus dem Regierungsbezirk Freiburg ihre Mitgliedsunternehmen zur Onlinestimmabgabe aufgerufen. 1.201 Unternehmen haben sich zwischen April und Mai beteiligt, quer durch alle Branchen und Größen. So ist ein gutes Stimmungsbild über die Standortqualität der Region, über ihre Stärken und Schwächen entstanden. Kompass für IHK-Arbeit und -Angebote „Für uns als Industrie- und Handelskammern ist die Rückmeldung unserer Mitglieder ausgesprochen wichtig und hilfreich“, erklärt Alwin Wagner, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein und Mitinitiator der Studie. „Einen herzlichen Dank deshalb an alle, die sich beteiligt haben. Die Ergebnisse dienen uns als Grad- messer und Richtungsgeber: Welche Themen brennen der Wirt- schaft am meisten unter den Nägeln? Welche Engpässe sollten wir als Vertreter der Unternehmerschaft im Kontakt zu Bürgermeistern, Kommunen und der Politik noch stärker adressieren?“ Dass der Fachkräftemangel die ganze Re- gion belaste, sei klar, aber darüber hinaus gebe es regionale Nuancen bei anderen Fak- toren, „die wir durch die Studie nun näher be- nennen können und auch als Arbeitsauftrag an uns verstehen“, sagt er. Alexander Graf, Geschäftsführer der IHK Hochrhein-Boden- see, ergänzt: „Es haben sich zum Beispiel auch Aspekte gezeigt, die wir in dieser Rele- vanz nicht auf dem Schirm gehabt hätten, wie etwa die teilweise nicht optimale Wirtschafts- freundlichkeit der Verwaltung und die Dauer von Antragsverfahren. Die Umfrage hat uns Erkenntnisse in einer ganz neuen Tiefe ermöglicht, wo wir uns sonst nur auf unser Bauchgefühl verlassen mussten.“ Den Ergebnissen entsprechend können so auch die Informations- und Dienstleistungsangebote der drei Kammern noch besser auf die regionalen Bedürfnisse der Betriebe ausgerichtet werden. In der Umfrage hatten die Unternehmen auf einer Fünfer-Skala die Qualität der verschiedenen Faktoren an ihrem Standort zu benoten, sowie einzuschätzen, ob dieser Faktor für sie wichtig ist. Schließlich Verkehr und Infrastruktur Standortfaktor Relevanz * Zufriedenheit ** Anbindung Autobahn 76% 2,48 Erreichbarkeit für Kunden, Mitarbeiter, Lieferverkehr 90% 2,64 Anbindung Schienennahverkehr, ÖPNV 69% 2,97 Zustand und Leistungsfähigkeit der innerörtlichen Straßen 72% 3,02 Anbindung Schienenfernverkehr 42% 3,06 Versorgung mit schnellem Breitband 92% 3,10 Anbindung Flughafen 27% 3,10 Leistungsfähiger Mobilfunk 92% 3,19 Kosten und Flächen Standortfaktor Relevanz * Zufriedenheit ** Höhe der kommunalen Abgaben/ Gebühren (Wasser, Abfall, etc.) 74% 3,19 Höhe der Gewerbesteuer 82% 3,35 Höhe der Grundsteuer 68% 3,34 Miet-/Kaufpreise von Gewerbeimmobilien/-flächen 59% 3,57 Verfügbarkeit von Gewerbeimmobilien/-flächen 51% 3,62 Höhe der Energiekosten 89% 3,92 Verfügbarkeit von Wohnimmobilien (Miete/Kauf) 57% 3,93 Arbeitsmarkt und Qualifizierung Standortfaktor Relevanz * Zufriedenheit ** Nähe und Kooperation zu Schulen 52% 2,74 Regionales Weiterbildungsangebot 60% 2,83 Nähe und Kooperation zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen 33% 2,90 Verfügbarkeit von qualifizierten Hochschulabsolventen 37% 3,36 Verfügbarkeit von qualifizierten kaufmännischen Fachkräften 73% 3,52 Verfügbarkeit von geeigneten Ausbildungsbewerbern 62% 3,72 Verfügbarkeit von Arbeitskräften 83% 3,74 Verfügbarkeit von qualifizierten technischen Fachkräften 69% 3,81 So bewerten die Unternehmen ihren Standort im Bereich … * So viele Unternehmen halten den Standortfaktor für wichtig ** So zufrieden sind die Unternehmen mit dem Faktor an ihrem Standort Angegeben ist jeweils der Durchschnittswert aus allen Stadt-/Landkreisen im Regierungsbezirk Freiburg 1= sehr gut 5= sehr schlecht Quelle: IHK-Standortumfrage der IHKs Hochrhein-Bodensee, Schwarzwald-Baar-Heuberg und Südlicher Oberrhein unter Unternehmen der Region, April/Mai 2023. N= 1.201. »Wir verstehen die Ergebnisse auch als Arbeitsauftrag« Alwin Wagner , Stellvertretender Haupt- geschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein „

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