Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juli/August'23 - Hochrhein-Bodensee

39 7+8 | 2023 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten mit ein – blicken weniger zurück, unser Blick ist nach vorn gerichtet. Unser Handwerk ist traditionell, wir halten uns an das Reinheitsge- bot von 1516, aber das heißt nicht, dass wir noch Werkzeuge von 1894 einsetzen.“ Das Braujahr 2022 schloss Waldhaus trotz „der Herausforderungen durch den Krieg in der Ukraine“ mit einem positiven Betriebser- gebnis und einem erneuten Ausstoßzuwachs um 3,6 Prozent auf 105.000 Hektoliter ab, erklärte Dieter Schmid bei der Präsentation des Jahresabschlusses Ende Mai. Hopfen ist nicht gleich Hopfen Steffen Müller, einer der Baumeister, öffnet beim Rundgang durch das Haus eine Schranktür, stellt drei Gefäße auf eine Ablage und schraubt die Deckel ab. In allen dreien steckt eine zentrale Zu- tat für jedes nach dem Deutschen Reinheitsgebot gebraute Bier: Hopfen. Einmal als Dolden in getrockneter Form, einmal zu Pellets verarbeitet, und im letzten Glas als zähflüssiges Extrakt. „In der Industrie kommen überwiegend Pellets und Extrakt zum Einsatz“, berichtet der Braumeister, der seit seiner Ausbildung bei Waldhaus arbeitet. „Wir setzen auf das Naturprodukt.“ Um für die Biersorten das richtige Aroma zu erreichen, nehmen sich die Braumeister bei der Auswahl der Hopfendolden viel Zeit: „Dafür erhalten wir Proben von unseren Lieferanten, testen diese ausgiebig – auch labortech- nisch – und entscheiden dann, ob und welche Mengen wir ordern.“ Wenn die Qualität stimmt, wird mehr bestellt, um bei schlechteren Ernten weiterhin produzieren zu können. „Wir könnten an dieser und an anderer Stelle sicher kostengünstiger arbeiten, ohne dass ein deutlicher Geschmacksverlust sichtbar würde. Aber das machen wir nicht. Das ist unser Qualitätsverspre- chen“, sagt Müller. Ein Umstieg auf Pellets oder gar Extrakt? Das kommt für Firmenchef Dieter Schmid nicht in Frage. „Dieses Detail macht uns aus, dieser Anspruch, ein besonderes Bier zu brauen.“ Ob man den Unterschied überhaupt erkennen kann, wird Braumeister Steffen Müller bei Führungen gefragt. „Ja“, sagt er und erläutert: Nach dem Öffnen der Bierflasche zeige sich bei Waldhaus-Bieren eine eigene Hopfennote. Biere, die mit Pellets oder Extrakt gebraut würden, „haben das in der Regel nicht“. Fokus auf Endverbraucher Der Großteil der Produktion wird in Flaschen gefüllt und an Privat- haushalte verkauft. „Die Gastronomie macht bei uns gerade einmal 20 Prozent aus“, berichtet Steffen Müller. Waldhaus-Biere werden allerdings nicht allein in Südbaden ausgeschenkt, sondern auch in Karlsruhe, Stuttgart, am Bodensee und „sogar in Berlin“. Dennoch „verstehen wir uns als regionales Bier, als regionale Marke“, so der Braumeister. Für ihn und seine Kollegen geht es darum, die Qualität zu halten, und „aus den wenigen erlaubten Zutaten ein besonders genussvolles Getränk zu kreieren“. Oder, wie es im Manifest der Brauerei verankert ist: „Das Streben nach dem perfekten Bier.“ Patrick Merck WERBUNG FÜR DIE NÄCHSTE GENERATION Waldhaus experimentiert gerne mit neuen Marketing- und Kom- munikationsformen.Von frechenWerbekampagnen über den ei- genenWaldhaussong bis zum Pod- cast, für den der Chef in loser Folge befreundete Gastronomen trifft. Zum 190. Geburtstag legte man erstmals mit „Waldhaus one“ ei- ne Kollektion von Waldhaus-NFTs auf. NFT steht für „Non-Fungible Token“ und meint in diesem Fall 190 digitale Sammlerstücke. Li- mitiert und fälschungssicher. Fans können fünf verschiedene 3D-Ani- mationen rund um eine Bierflasche erwerben – mal sprießen Gras oder Zweige aus der Flasche, mal hüpft sie vor Glück. Je nach Seltenheitswert sind weitere Vorteile wie verschieden große Bierpakete oder Brauereiführungen verknüpft. Herr Schmid: Zum Jubiläum hat Waldhaus NFTs herausge- bracht.Wozu? Dieter Schmid: Wir schauen immer nach neuen Möglichkei- ten, um uns von anderen Brauereien abzuheben.Wir sind ein kleines Unternehmen und können nicht einfach bundesweit plakatieren oder TV-Werbung schalten. Als das Thema NFT erstmals aufkam, hatte ich keine Ahnung davon, fand es aber spannend. Letztendlich spielen wir da mit unserer Marke in einem bisher unbekannten Markt. Aber die Verkäufe zeigen, dass es eine gute Idee war,Animationen rund um unsere Pro- dukte als NFT anzubieten. Verstehen das alle Kunden? Wahrscheinlich nicht. Ich habe es amAnfang selbst nicht ver- standen. Aber das muss uns ja nicht hindern, neue Wege zu beschreiten und jüngere Generationen auf uns aufmerksam zu machen. Das gehört für uns einfach dazu. mrk Mehr Interviewmit Dieter Schmid, etwa zumThema Nachfolge finden Sie unter www.wirtschaft-im-suedwesten.de/rubrik/ unternehmen/waldhaus »Unsere Geschichte prägt unser Denken«

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2MDE5