Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juli/August'23 - Hochrhein-Bodensee
15 7+8 | 2023 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten HEMP DELUXE Sonja Baur (43) und Renate Hauser (58) begeistern sich für unkomplizierte, aber dennoch gesunde Ernährung. So stießen sie auf das Thema Hanf. Die Samen der Kulturpflan- ze, die bereits im alten Ägypten zu den Grundnahrungsmit- teln zählte, sind reich an natürlichen Mineralien, Nährstoffen und bekömmlichen Fettsäuren. Im Frühjahr 2022 beschlossen die beiden Frauen, die sich als Kolleginnen bei einem Medi- zintechnikunternehmen schätzen gelernt hatten, aus ihrer Begeisterung für Hanf ein Business zu machen. Danach ging es Schlag auf Schlag: Jobs gekündigt, Beratung durch die IHK-Gründergarage, Erarbeiten des Businessplans, Erhalt des Gründerzuschusses und Anmelden der Hemp Deluxe GmbH mit Sitz in Spaichingen. Das Produkt ist erklärungsbedürftig, da viele beim Thema Hanf nicht an ein regionales Superfood denken, sondern ausschließlich an Marihuana. Ein Missver- ständnis, denn der verwendete Nutzhanf verfügt weder über THC noch CBD. Inzwischen haben die beiden Gründerinnen rund 30 Einzelhändler überzeugt, die Nahrungsmittel ins Sor- timent aufzunehmen. Im Onlineshop ( www.hempdeluxe. de) sind zwei verschiedene Hanfsamenöle sowie Hanfsamen – geschält, geröstet und kandiert – erhältlich. „Deluxe“ ist ein Hinweis darauf, was den Gründerinnen wichtig ist: Die Wa- re stammt aus kontrolliert biologischem Anbau aus Deutsch- land. Das Hanfsamenöl ist in Steinkrügen abgefüllt, die Eti- ketten lassen sich ablösen: Der Krug ist wiederverwendbar. „Nachhaltigkeit hat für uns allergrößte Bedeutung“, betont Sonja Baur. Die Geschenksets, bestehend aus Hanfsamenöl und Hanfsamen, werden von einem Unternehmen verpackt, das Menschen mit psychischen Erkrankungen inkludiert. Die Idee, die Sets auch als Kundengeschenke zu vermarkten, ent- stand durch eine Anfrage des Technologienetzwerks Medical Mountains. Inzwischen versorgt das Start-up diverse Firmen und Hotels mit gesunden Präsenten, die auch soziale Projek- te unterstützen. „Wir packen gerne weitere Produkte aus der Region dazu“, sagt Renate Hauser. Daniela Becker FLINKBACK Das Thema lebenslanges Lernen gewinnt immer mehr an Bedeu tung. Ein Unternehmen, das diese Entwicklung mit den Möglich keiten der Künstlichen Intelligenz (KI) verknüpft, ist die 2019 ge- gründete Flinkback GmbH mit Sitz in Offenburg. Ihr Kerngeschäft ist ein Onlinetool, das es Nutzern ermöglicht, schnell und ohne lan- ges Filtern zur gewünschten Fortbildung zu gelangen. „Wir helfen Weiterbildungsanbietern, hochwertige Leads zu generieren und sie zu verwerten“, erklärt Flinkback-Gründer Pascal Anders . Daten in ein Onlineformular einzutragen und anschließend aus 300Ange- boten das richtige auszuwählen, sei überholt. „Wir lösen das Pro- blem, indem wir über unsere Kursberatung kontextuell die gesuch- ten Themen ausspielen“, erklärt der 37-Jährige. Früh sei dabei klar gewesen, dass der Einsatz von KI im Weiterbildungssektor Grund- lagenforschung erfordere und dass man Koop erationen würde ein- gehen müssen. Daher investiert Flinkback ( www.flinkback.com) gemeinsam mit der Universität Mannheim eine Million Euro in die Forschung und Entwicklung von KI-Lösungen für Weiterbildungs- empfehlungen. Das Projekt wird über das Invest BW-Programm des Landes mit bis zu 492.000 Euro gefördert. „Es gibt nicht viele Start-ups, die ein derartiges Projekt stemmen können“, freut sich Anders, der gemeinsam mit zwei Mitgesellschaftern aktuell zehn Mitarbeiter beschäftigt. In seine Heimatstadt Offenburg ist Anders 2019 nach BWL-Studium und längeren Auslandsaufenthalten zu- rückgekehrt. In Frankfurt hatte er zunächst bei namhaften Arbeit- gebern wie Roland Berger angeheuert. Die „Sinnsuche der Millen- nials“ hatte ihn dann, wie er sagt, zunächst an eine akademische Karriere denken lassen. Nach einem weiteren Studium, diesmal VWL, an der Duke University in North Carolina, kehrte Anders 2013 nach London zurück, um dort über die Entstehung von Synergien zu promovieren. DieAutomatisierung von Feedbackbriefen, die Do- zenten für ihre Studenten formulieren, war die Keimzelle für sein heutiges Geschäft. Die Software sei im Laufe der Zeit immer um- fangreicher geworden, hätte, so Anders, im universitären Umfeld aber wenig Erfolgschancen gehabt. Eine strategische Kooperation mit der Weiterbildungssparte des Stuttgarter Klett-Verlags war dann der Startschuss für die Flinkback GmbH – die mit dem geför- derten Projekt nun den nächsten Schritt macht. Benedikt Brüne Von links: Sonja Baur und Renate Hauser Pascal Anders
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