Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'23 -Südlicher Oberrhein

53 6 | 2023 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Der Blick über den Tellerrand inspiriert oft zu neuen Ideen. In unserem Format „Frisch gedacht“ stellen wir deshalb Firmen aus der Region vor, die Themen aus dem Betriebsalltag mal anders angehen. Zum Staunen und Nachmachen. Diesmal: Erek Speckert, CEO und Vorsitzender der Geschäftsführung der Hugo Kern und Liebers GmbH & Co. KG in Schramberg, ließ sich einen Tag lang vom Nachwuchs in die Karten schauen. Herr Speckert, Sie haben im Frühjahr per Zeitungsanzeige Ihren Chefsessel angeboten. Erek Speckert: Ja, tatsächlich, wir haben meinen Chefsessel bei Kern-Liebers für einen Tag ausgeschrieben. Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren konnten sich für ihn bewerben. Wir haben das in der Tagespresse inseriert wie auch in den sozialen Medien und über unser internes digitales Brett gestreut. Und was hat es mit der Aktion auf sich? Ich möchte jungen Menschen die Möglichkeit geben, live zu erleben, was es heißt, Chef zu sein, Entscheidungen zu treffen, ein Unter- nehmen zu führen. Ich habe selbst drei Kinder und weiß aus erster Hand, dass die Jugend ganz andere Vorstellungen vom Arbeitsalltag eines Chefs hat. Der Marketingeffekt dieser Aktion ist zwar schön, war aber bei weitem nicht der Treiber der Idee. Sie sind dann Ende März den ganzen Tag von einer jungen Abiturientin begleitet worden. Was haben Sie Ihr gezeigt? Zunächst habe ich Ihr eine kleine Einführung in meine Aufgaben und Routinen gegeben und ihr Rede und Antwort gestanden. Anschließend hat sie mich in meine Termine begleitet: An diesem Tag waren fast alle Geschäftsführer für unser „Board of Management“- Meeting vor Ort. Alisa durfte die Sitzung führen und mit ihren Dis- kussionsbeiträgen uns „Alten“ andere Perspektiven aufzeigen. Später gab es zur Entspannung einen Rundgang durch Teile der Produktion und Gespräche mit Maike Pfennig, Senior Vice President Organization & Strategy, und mit einer unserer dualen Studentinnen. Und wie war ihr Feedback? Der Tag, so sagt sie, sei sehr hilfreich gewesen, um eine realistische Einschätzung von ihrem künftigen Studium und ihrem Traumberuf zu bekommen. Sie möchte Business Management oder Handelsma- nagement studieren und hat sich schon für entsprechende Studien- plätze beworben. Das freut uns natürlich, dass wir da Orientierung geben konnten. Würden Sie nochmal Ihren Chefsessel für einen Tag hergeben? Auf jeden Fall. Das ist eine Riesenchance für Jugendliche, mal in den Alltag eines Chefs reinzuschnuppern. Und ich denke, alle Beteiligten ziehen da was für sich raus. Das Gespräch führte Ulrike Heitze. Frisch gedacht: „Chef:in für einen Tag!“ bei Kern-Liebers Mit dem CEO durchs Unternehmen häufig „Kein zweiter Auftrag“ – doch im Klein- gedruckten wird ein solcher erteilt. Wer dann gutgläubig oder in Eile ist, unterschreibt mal schnell, faxt zurück – und ist den Betrügern auf den Leim gegangen. Im Ernstfall sofort reagieren Ob es sich bei einem so erschlichenen Auf- trag um einen Betrug im strafrechtlichen Sinn handelt, muss die Polizei prüfen. Agenturche- fin Monika Schäfer, die sich bei der IHK Südli- cher Oberrhein im Einpersonen- und Kleinst- unternehmensausschuss engagiert, hat den Vorfall auch den IHKs und dem Deutschen Schutzverband gegen Wirtschaftskrimina- lität (DSW) gemeldet. Die Kölner Masche, so DSW-Geschäftsführer Peter Sollfs, trägt ihren Namen, weil sich unzählige Callcenter im Kölner Raum zu Beginn der 2000er Jah- re darauf spezialisiert hatten. Mittlerweile agierten die meisten Drahtzieher aus dem Ausland. Sollfs rät: Wer ein solches Formular unterschrieben und zurückgefaxt habe, solle die Forderungen schnellstmöglich abwehren. „Bezahlen Sie auf keinen Fall den in der Rech- nung geforderten Betrag und holen Sie sich unverzüglich anwaltlichen Rat“, appelliert er. Erfolgt die Anfechtung des Vertrages zeitnah, kann sie erfolgreich sein. Einen Formulie- rungsvorschlag gibt es auf der DSW-Website. Zudem rät Sollfs zur Anzeige. Bei einer anderen Betrugsmasche werden Betriebe von vermeintlichen Webseitenbe- treibern oder Herausgebern von Branchen- büchern kontaktiert – oft mit teuren Folgen. Auch in diesen Fällen erhält der Empfänger un- aufgefordert Formulare, in denen vermeintlich kostenfreie Leistungen angeboten werden, die bei näherem Hinsehen aber auf den Abschluss langfristiger und vor allem teurer Verträge ab- zielen. Nina Lipp Info- und Meldestellen: Deutscher Schutzverband gegen Wirtschaftskri- minalität e. V. www.dsw-schutzverband.de Bundesnetzagentur www.bundesnetzagentur.de Übersicht über Meldestellen bei einem Cyberan- griff unter www.wirtschaft-im-suedwesten.de/ titelthemen/kann-jeden-treffen

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