Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'23 -Südlicher Oberrhein
52 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 6 | 2023 PRAXISWISSEN Alte Betrugsmaschen – von wegen überholt Achtung, Abzocke Alle Welt hat inzwischen ein Auge auf Cyberkriminelle. Doch auch alte Offline-Betrügereien scheinen nicht auszusterben, wie ein aktueller Fall aus der Region zeigt. Wie man seine Belegschaft wachsam hält. M onika Schäfer ist sauer. Das, was die Inhaberin der Offenburger „Die Sign Agentur“, bei einem ihrer Kunden miterlebt hat, hält sie für eine Dreistigkeit. Sie appelliert an andere Unternehmen wachsam zu sein, da- mit ihnen kein Schaden entsteht. Was passiert ist? Eine Anruferin, die sich als „Dolly Scheider von der Firma AC Media“ vorstellte, berief sich auf eine Anzeige, die das Unternehmen einige Wochen zuvor geschaltet hatte. Von der wuss- te der angerufene Mitarbeiter, aber der Name seiner Gesprächspartnerin und der Firmenna- me sagten ihm nichts. Die Frau war freundlich, fragte, ob die Anzeige erneut geschaltet wer- den solle. Weil dem angerufenen Mitarbeiter die Sache suspekt vorkam, wimmelte er die Frau ab. Ebenso wie alle Kollegen, die in der Folgezeit angerufen wurden. Sie taten tat das Richtige. Die Vorgehens- weise der Anruferin heißt „Kölner Masche“: Unseriöse Anzeigenverlage gehen auf Kun- denfang, indem sie in anderen Medien veröffentlichte Anzeigen sichten und die Unternehmen anrufen. Angeblich soll ein An- zeigenabo bestätigt werden. Weil die meisten Firmen kein Interesse zeigen, bekommen sie einfach ein Fax zugeschickt. Dort steht zwar SECHS HACKS GEGEN BETRÜGER So schützen Sie Ihren Betrieb vor der „Kölner Masche“ und anderen Old-school-Vertrags- fallen: Sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter: Die wohl effektivste Präventionsmaßnahme gegen Betrug ist das Sensibilisieren Ihrer Mitarbeiter. Klären Sie Ihre Angestellten regelmäßig über die gängigen Maschen auf. Kennt die Belegschaft das jeweilige Vorgehen der Gauner, erkennen sie mög- liche Betrugsversuche, bevor es zu einem Schaden kommt. Nicht unter Druck setzen lassen: Lassen Sie – und Ihre Mitarbeiter – sich von zudring- lichen und penetranten Anrufern nicht be- drängen. Beenden Sie im Zweifel das Telefo- nat. Oder beharren Sie auf Ihr Recht,Verträge in Ruhe durchzulesen.Achten Sie darauf, dass Sie alles lesen können. Eine Qualitätsminde- rung der Dokumente durch den Versand via Fax wird von unseriösen Anzeigenverlagen gezielt ausgenutzt. Seien Sie wachsam: Werden Sie aufmerk- sam, wenn Sie in Verträgen, die Ihnen an- geboten werden, Formulierungen lesen, die Sie in Sicherheit wiegen. Etwa: „Vertrag läuft automatisch und ohne schriftliche Kündigung aus. Kein Abovertrag.“ Prüfen Sie, ob eine Geschäftsbeziehung vorliegt: UnseriöseAnrufer beziehen sich bei der ersten Kontaktaufnahme oftmals auf ei- nen „Vorvertrag“.Verlangen Sie, dass dieser vorgelegt wird. Recherchieren Sie: Eine Onlinerecherche kann Aufschluss darüber geben, wie seriös ein Unternehmen ist. Lückenhafte Informa- tionen oder eine sehr kurze Unternehmens- historie weisen auf Neugründung oder Na- mensänderung hin. Die Betreiber unseriöser Anzeigenverlage versuchen auf dieseWeise, ihrer Nachverfolgung zuvorzukommen. Andere aktuelle Maschen: Nicht totzukrie- gen sind die bekannten Pishing-Mails und SMS im Namen der Deutschen Bank, der Postbank, von Paketdiensten oder auch unter dem Deckmantel der IHK, etwa fälschlich als IHK Deutschland oder von service@ihk24.de und support@mein-ihk.de. Mails von solchen Absendern sollten ungelesen in den Papier- korb wandern (siehe unsereWarnungen in der November- und der Februar-WiS, online zum Beispiel hier www.wirtschaft-im-suedwes- ten.de/regioreport/erneute-phishing-kampa- gne-taeuscht-ihk-vor). Sollten IHK-Mitglieds- unternehmen oder Ehrenamtliche unsicher sein, ob eine Nachricht tatsächlich von ihrer IHK stammt, kann eine kurze telefonische Klärung mit der Kammer Sicherheit bringen. Gerade sehr aktuell: die SMS-Nachricht, dass Zoll für eine Sendung zu entrichten sei. nil Bild: Adobe Stock/Romolo Tavani
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2MDE5