Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'23 -Südlicher Oberrhein

51 6 | 2023 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten IMPRESSUM „WIRTSCHAFT IM SÜDWESTEN“ Zeitschrift und amtliches Verkündungsorgan der Industrie- und Handelskammern im Regierungsbezirk Freiburg– ISSN 0936-5885 Redaktion: Pressestelle der Industrie- und Handelskammern im Regierungsbezirk Freiburg i. Br. e.V.: Ulrike Heitze (Leitung, v. i. S. d. P.), Daniela Becker, Andrea Keller, Nina Lipp Rehlingstraße 16a, 79100 Freiburg Postfach 860, 79008 Freiburg Telefon 0761 15105-0, Fax 0761 3858-398 E-Mail: wis@freiburg.ihk.de www.wirtschaft-im-suedwesten.de Titelbild: Adobe Stock, Yakobchuk Olena Verlag und Anzeigen: Prüfer Medienmarketing Endriß & Rosenberger GmbH Ooser Bahnhofsstr. 16, 76532 Baden-Baden Verlags-/Anzeigenleitung: Achim Hartkopf Anzeigendisposition: Andrea Albecker Telefon 07221 211912, albecker.andrea@pruefer.com www.pruefer.com Zurzeit gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 41 gültig ab Januar 2023. Satz: Freiburger Druck GmbH & Co. KG www.freiburger-druck.de Druck: Druckhaus Kaufmann GmbH www.druckhaus-kaufmann.de Herausgeber: IHK Hochrhein-Bodensee Reichenaustraße 21, 78467 Konstanz Telefon 07531 2860-0 und Gottschalkweg 1, 79650 Schopfheim, Telefon 07622 3907-0, info@konstanz.ihk.de , www.ihk.de/konstanz Pressesprecher: Sebastian Holl, Telefon 07531 2860-193 IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg Albert-Schweitzer-Straße 7, 78052 Villingen- Schwenningen Telefon 07721 922-0, info@vs.ihk.de , www.ihk.de/sbh Pressesprecher: Christian Beck, Telefon 07721 922-174 IHK Südlicher Oberrhein Schnewlinstraße 11 bis 13, 79098 Freiburg (Besucheradresse: Bismarckallee 18-20, 79098 Freiburg) Telefon 0761 3858-0 und Lotzbeck- straße 31, 77933 Lahr, Telefon 07821 2703-0, info@freiburg.ihk.de www.ihk.de/freiburg Pressesprecherin: Natalie Butz, Telefon 0761 3858-113 Erscheinungsweise: Diese Druckversion der Wirtschaft im Südwesten erscheint am 1. Juni 2023. Die elektronische Version ist unter www.wirtschaft-im-suedwesten.de verfügbar. Bezug und Abonnement: Der Bezug der IHK-Zeitschrift erfolgt im Rahmen der grundsätzlichen Beitragspflicht als Mitglied der IHK. „Wirtschaft im Südwes- ten“ kann zudem für 19,80 Euro/Jahr beim Verlag abonniert werden. präferierte Arbeitszeit selbst bestimmen. „Man weiß heute, dass Menschen verschie- dene Biorhythmen haben. Ich bin überzeugt, dass die Ergebnisse am besten werden, wenn man dann arbei- tet, wann es einem am leichtes- ten fällt.“ Holmes schreibt nur Stellen mit maximal 30 Wochenstunden aus, zahlt aber ein nach eigenen Anga- ben vergleichbares Gehalt wie für eine Vollzeitstelle; Überstunden werden bezahlt. „Ich denke, ge- rade im virtuellen Team ist es un- realistisch, 40 Stunden die Woche produktiv zu arbeiten. Was bringt es mir, wenn Leute sich rumquä- len, weil sie denken, sie müssten diese 40 Stunden vor dem Bild- schirm absitzen?“ Ihr Angebot sei: Arbeite effizient in 30 Stunden. „Die restlichen zehn Stunden sind für meine Mitarbeitenden dafür da, sich eine Work-Life-Balance zu schaffen, die sie brauchen, um auszugleichen, dass es halt kein Schwätzchen am Kaffeeautomaten gibt.“ Viel Eigenverantwortung Doch woher nimmt sie das Vertrauen, dass ihre Mitarbeitenden die Aufgaben gut und ef- fizient erledigen? „Ich biete eine Mischung aus ganz viel Freiheit und hoher Eigenverantwor- tung“, sagt Holmes. Das heißt, ihre Mitarbeiter betreuen ihre eigenen Projekte und Kunden selbstständig und können den Ablauf nach eigenem Ermessen gestalten. Holmes diene bei Bedarf als „Backup und Sparringspartne- rin“. „Das Gefühl, dass sie sich um ihr ,eigenes Baby‘ kümmern, löst etwas aus.“ Pygmalion-Effekt wird dieses Phänomen in der Wissenschaft genannt. „Wenn ich mei- nen Mitarbeitern sehr viel zutraue, schaffen sie viel mehr. Wenn ich dagegen sehr miss- trauisch bin, erledigen sie vieles schlechter“, erläutert Psychologin Laura von der Groeben. Grund zur Sorge gäbe es ohnehin nicht: In- zwischen, so die Expertin, sei in zahlreichen Untersuchungen festgestellt worden, dass Mitarbeiter bei der Remotearbeit keineswegs faul herumliegen, sondern mindestens ge- nauso viel leisten wie im Büro. Völlig im luft- leeren Raum bewegt sich die Belegschaft von Ynovation dennoch nicht. Die Arbeitszeit pro Projekt wird über eine Time-Tracking-Soft- ware mitgeloggt. Zum einen, um dem Kunden gegenüber kommunizieren zu können, wieviel Arbeit in welche Aufgaben geflossen ist. Zum anderen, um zu verhindern, dass Kollegen mit dem Anspruch auf Perfektion zu viel Zeit an ein spezielles Problem verschwenden. „Natürlich bekommt man etwas weniger von den privaten Sachen mit. Die Ar- beit läuft trotzdem super und ich habe auch nicht das Gefühl, dass etwas aktiv vermisst wird.“ Ein- bis zwei Mal im Jahr gebe es einen Prä- senzteamtag, bestehend aus „ein bisschen Arbeit und viel Spaß“: Projekte durchsprechen, Team- coachings, Bogenschießen, gutes Essen. Ihre Mitarbeiter bewegen sich in der Altersrange zwischen 20 und 60 Jahren. „Ich habe das Gefühl, dass die Art zu arbeiten weniger vom Alter als vom Typ ab- hängt. Sowohl Eltern als auch die jüngere Generation ohne Kinder, die einer gute Work-Life-Balance viel Bedeutung zumisst, schätzten das Angebot. Großer Talentpool Als Arbeitgeberin sieht sie den Vorteil: „Mein Talentpool erstreckt sich auf ganz Deutsch- land.“ Das einzige Manko: Sie bekomme nicht ganz so schnell mit, wenn jemand in einem Projekt „in die falsche Richtung“ läuft. „Man hört halt nicht mit halben Ohr mit, wenn je- mand mit einem Kunden telefoniert.“ Laura von der Groeben rät daher zu häufigeren, aber kurzen Telefonaten mit den Mitarbeitern. „Dabei sollte man nicht das Gefühl vermitteln, dass es um Kontrolle geht, sondern wertschät- zend Interesse an der Arbeit des Mitarbeiters zeigen und Feedback einholen.“ Kreative und organisatorische Prozesse sowie Knowledgemanagement virtuell sicherzustel- len, muss gut vorbereitet sein. „Das ist die Aufgabe einer Führungskraft – egal, ob in Prä- senz oder virtuell“, meint von der Groeben. Folgt man den Autoren der Konstanzer Studie, müssen sich Arbeitnehmer darauf einstellen, dass es für immer mehr Beschäftigte nicht in Frage kommt, fünf Tage die Woche im Büro zu arbeiten. „Wir haben im Moment einen Arbeit- nehmermarkt. Wenn auf qualifizierte Mitarbei- ter Zwang ausgeübt wird, damit sie gegen ihren Willen dauerhaft ins Büro zurückzukehren, be- steht die Gefahr, dass diese kündigen“, sagt von der Groeben. Genauso gebe es auch Mit- arbeiter, die gerne die ganze Woche in einem lebhaften Büro sitzen und es schade finden, wenn sich alle nach Hause verziehen. Der Vor- schlag der Beraterin: „Karten auf den Tisch“. Statt Druck auszuüben, rät sie zum offenen Gespräch, um die bestmögliche Lösung für alle Beteiligten auszuhandeln. Daniela Becker »Ich habe nur gute Erfah- rungen mit Remote-Arbeit gemacht« Stephanie Holmes Geschäftsführerin Ynovation, Müllheim

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