Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'23 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

47 6 | 2023 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Rund um das Nukleus- Projekt in Albruck soll im Südwesten eine Wasserstoffregion entstehen. Ausbau der erneuerbaren Energien“, betonte IHK-Experte André Olveira-Lenz in Basel. Genau dieses Konzept verfolgen die Energie- versorger Badenova und RWE in Albbruck. Dort soll bis 2025 eines der bis dato größten Zen- tren zur Produktion von grünem Wasserstoff in Deutschland entstehen. 100 Millionen Euro wollen die beiden Unternehmen investieren. Die Energie für die Wasserstoff-Elektrolyse wird das bestehende Laufwasserkraftwerk Albbruck-Dogern liefern. Neben dem Strom aus dem Wasserkraftwerk könnte perspek- tivisch auch Wind- und Solarstrom aus der Region zum Einsatz kommen. Das Wasser für die Elektrolyse soll laut RWE aus dem Grundwasser bezogen werden – insgesamt 80.000 Kubikmeter pro Jahr. Das Kühlwasser für die Anlage wird aus dem Rhein geholt und anschließend wieder dorthin zurückgeleitet. Badenova als Partner des Projekts wird un- ter anderem für den Vertrieb zuständig sein. Jährlich sollen rund 8.000 Tonnen Wasser- stoff produziert werden. Der bei der Elekt- rolyse in Albbruck entstehende Sauerstoff sowie die Prozesswärme sollen im geplan- ten Gesundheitspark des Kreises, im neuen Quartier auf dem Areal der früheren Papier- fabrik Albbruck (PFA) sowie im benachbarten Verbandsklärwerk genutzt werden. Länderübergreifende Kooperation Die beteiligten Firmen versuchen hier im Klei- nen ein Wasserstoff-Ökosystem zu schaffen, um das aktuell bestehende Henne-Ei-Prob- lem zu lösen: Der Aufbau von Wasserstoff- Produktionsanlagen und der entsprechenden Infrastruktur ist kapitalintensiv, gleichzeitig gibt es bis dato neben der stofflichen Nut- zung wenige Abnehmer für den Wasserstoff, da es noch wenig technische Anwendungen gibt und fossile Kraftstoffe und Erdgas noch immer preisgünstiger sind. „Wir müssen jetzt die Weichen stellen, groß planen und Geschwindigkeit aufbauen. Politisch muss im Vordergrund stehen, welche Förderanreize gesetzt werden können, damit die Unterneh- merschaft entsprechend in die Transforma- tion investiert“, sagte André Olveira-Lenz. Eindringlicher Tenor in Basel: Die zu bewäl- tigenden Aufgaben seien derart groß, dass dies nur im Schulterschluss über die Lan- desgrenzen hinweg gelingen könne. Als ex- emplarisch kann die Kooperation zwischen dem Schweizer Energieversorger „Industriel- le Werke Basel“ (IWB) mit der Laufenburger Energiedienst gelten. Die beiden Unterneh- men arbeiten seit diesem Jahr im Bereich Produktion und Einsatz von Wasserstoff zu- sammen, nach dem der IWB der Bau einer eigenen Anlage in Birsfelden nicht genehmigt wurde. Die Power-to-Gas-Anlage in Grenzach-Wyh- len, Kreis Lörrach, mit einer Leistung von ei- nem Megawatt, hatte Energiedienst bereits 2018 in Rahmen eines Leuchtturmprojekts auf dem Gelände des Wasserkraftwerks Wyh- len errichtet. Gemeinsam mit EnBW soll als „Reallabor H 2 -Wyhlen“ die bestehende 1-Me- gawatt-Elektrolyseanlage um fünf Megawatt sowie die benachbarte Versuchsanlage des Forschungsinstituts ZSW auf bis zu einem Megawatt erweitert werden. Dies wäre dann die bislang größte Wasser- stoffproduktion im süddeutschen Raum. Die Gesamtprojektkosten gibt das Konsortium mit rund 40 Millionen Euro an, 15 Millionen Euro kommen aus staatlicher Förderung. Die rund 140 Tonnen Wasserstoff, die bereits in Grenzach-Whylen hergestellt werden, kauft die IWB, um sie bei Pilotprojekten im Raum Basel einzusetzen. „Wir sehen eine große Perspektive im Schwerlastbetrieb“, sagte Dirk Mulzer, COO von IWB. Ausbau der Infrastruktur noch ganz am Anfang Ein großes Thema für Mulzer – und aber auch die restlichen Teilnehmer der Konferenz – ist die Frage, wie das Hoffnungs-Gas künftig von A nach B kommt. Dabei geht es sowohl um internationale Transportwege als auch um die lokale Verteilung bis zum Endnutzer. Für den Sommer hat die deutsche Bundes- regierung Details für ein nationales Was- serstoffnetz angekündigt. Bislang gibt es in Deutschland erst drei Wasserstoff-Netze: Im Ruhrgebiet, im Chemiedreieck um Bitterfeld sowie in Schleswig-Holstein. Bestehende Erdgasleitungen können für den flüchtigen Wasserstoff nicht ohne Weiteres verwendet werden. Das Ertüchtigen ist eine Herkule- saufgabe: schließlich ist das Transportnetz von rund 40.000 Kilometern und das Verteil- netz von 470.000 Kilometern Länge weitest- gehend unterirdisch verlegt. Für Pilotprojekte wird Wasserstoff aktuell oft noch per Lkw angeliefert. „Aber das ist kein langfristig tragfähiges Konzept. Wir bemühen uns an den Backbone angeschlossen zu werden“, sagt Mulzer. Da- mit meint der Unternehmer ein noch zu rea- lisierendes europäisches Fernleitungsnetz, genannt „European Hydrogen Backbone“, (Rückgrat) das bislang eine Vision von 32 europäischen Energieinfrastrukturbetreibern ist. Die Initiative zielt nach eigenen Angaben darauf ab, den Wettbewerb auf dem Markt, die Versorgungssicherheit, die Nachfrage- sicherheit und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen den europäi- Quelle: Badenova * Backbone = Geplante Infrastruktur der Fernleitungsnetzbetreiber

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