Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'23 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

44 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 6 | 2023 75 Jahre Mildenberger Verlag GmbH in Offenburg Lebendiges Lernen OFFENBURG. Der Mildenberger Verlag blickt auf eine spannende Geschichte zurück: Nach dem Zweiten Weltkrieg benötigte man dringend neue Schulbücher, das vorhandene Material aus der Zeit des Nationalsozialismus war für den Neustart in eine Demokratie nicht zu gebrauchen. General Raymond Schmittlein, damals Leiter der Education publique der französischen Besatzungsmächte in Deutschland, gründete nach Kriegsende den „Lehrmittel-Verlag Of- fenburg-Mainz“. 1948 übernahmen drei deutsche Gesellschafter das Unternehmen, unter ihnen Franz Burda. Der Verlag deckte damals den gesamten Bedarf an Lehr- und Lernmitteln für die französische Besatzungszone. „Die erste Fibel war ein Schweizer Schulbuch, das angepasst wurde“, erläutert Frank Mildenberger, der das Familienunternehmen in dritter Generation leitet. Karl Mildenberger war zu diesem Zeitpunkt Prokurist des Unternehmens. Mit Burda ver- band ihn mehr als nur das Geschäftliche: „Aenne Burda und meine Großmutter sind zusammen mit den Kinderwagen spazieren gegangen, das waren sehr freundschaftliche Verbindungen zwi- schen meinen Großeltern und den Bur- das“, erzählt Frank Mildenberger, heutiger Geschäftsführer und Inhaber des Verlags. 1953 verkaufte Burda sämtliche Geschäftsanteile an Karl Mil- denberger, der sich selbstständig machte. Der neue Inha- ber änderte den Unternehmensnamen in „Lehrmittelverlag Karl Mildenberger Offenburg“. Anfangs war die Buchauswahl noch sehr übersichtlich: Auch wenn die Nachfrage groß war, es fehlte an Autoren. Heute konzentriert sich das Geschäft des Verlags auf Vor- und Grund- schule sowie Sekundarstufe I, Stück für Stück wurde das Repertoire erweitert. Mehr als 2.000 Titel hat Mildenberger in seinem Sortiment, der Umsatz des Familienunternehmens, das 67 Mitarbeiter beschäf- tigt, liegt bei 16,1 Millionen Euro. Neben den klassischen Deutsch- und Mathelehrbüchern gibt es zahlreiche Begleitwerke und Übungshefte für jedes Fach und Niveau. „Unsere Vielfalt ermöglicht es den Lehrern, im Unterricht der Heterogenität innerhalb der Klassen und auch dem unterschiedlichen Leistungsstand der Kinder gerecht zu werden“, erläutert der Verlagschef. Die größtenteils freien Autoren sind meist Lehrkräfte oder kommen aus dem Hochschulbereich. „Deren prakti- sche Erfahrung ist essenziell“, betont Mildenberger. Auch die Digitalisierung ist ein großes Thema für den Verlag, dem sich Mildenberger schon früh angenommen hat. Die erste Mathe- Lernsoftware wurde bereits 2004 entwickelt. „Wichtig ist, dass bei allen digitalen Angeboten das Level dem Alter der Kinder an- gepasst ist. Gerade in der Grundschule sind sowohl der mensch- liche und soziale Lehrkraft-Kind-Bezug als auch das haptische Erspüren enorm wichtig“, bekräftigt der Geschäftsführer. So erstaunt es nicht, dass der Mildenberger Verlag zahlreiche Pro- dukte mit dazugehörigem Maskottchen anbietet, welche in der päda- gogischen Arbeit in den Klassen zum Einsatz kommen. Ob mit Tessa Tinte, der bunten Krake, Rico, dem Schnabeltier, dem Mathetiger oder mit Eberhart, dem kleinen Tapir: Im Mittelpunkt steht lebendiges Lernen für Kinder von der Vorschule bis zur Sekundarstufe I. ak Frank und Christine Mildenberger Freiburger Sparkassen-Beteiligungsgesellschaft Ein Geldgeber wird 25 FREIBURG. Die S-Beteiligungsgesellschaft der Sparkasse Frei- burg-Nördlicher Breisgau mbH – kurz SBG - feiert Geburtstag: Sie wurde 1998 als 100-prozentige Tochtergesellschaft der Sparkasse gegründet. Regionalen Mittelständlern sollte mit sogenanntem Be- teiligungskapital – externem Eigenkapital – unter die Arme gegriffen werden, um die Eigenkapitalquote und die Liquidität zu stärken. Das Prinzip dahinter: Die Unternehmen in der Region erhalten von der SBG offene oder stille Beteiligungen, Genussrechte oder Nachrang- darlehen zur Verfügung gestellt – und dies als endfälliges Kapital ohne die Stellung von Sicherheiten. Damit wird deren Eigenkapital gestärkt und die Liquidität geschont. Auf diesem Weg werden Unter- nehmensnachfolgen finanziert, große Investitionen und ausgewählte Unternehmensgründungen ermöglicht. Noch unter Hermann Dittmers, SBG-Geschäftsführer seit dem Jahr 2001, wurde der Grundstein für Eigenkapitalkonsortien gelegt, welche gemeinsam mit der Sparkasse Freiburg und weiteren Spar- kassen in der Region größere Finanzierungen bei mittelständischen Unternehmen ermöglichen - mit der S-Beteiligungsgesellschaft als Konsortialführerin. Mit dem Erfolg wuchsen die Aufgaben. Seit Dittmers 2021 in Rente ging, erfolgt die Führung des kleinen Teams durch eine Doppelspitze: Der hauptamtliche Geschäftsführer Nicolai Gerig ist für Konditionen und Vertragsgestaltung, Finanzen und Personal zuständig und wird von Markus Hildmann unterstützt, der Marketing, Vertrieb und die Zusammenarbeit mit der Sparkasse verantwortet. Die Zahlen können sich sehen lassen: 2022 wurde das Rekordergebnis von 2021 noch einmal um 200.000 auf 1,3 Millionen Euro gesteigert. nil Das SBG-Team unter Leitung von Nicolai Gerig und Markus Hildmann (hintere Reihe, von links) Schulbuch- maskottchen Tessa Tinte

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