Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'23 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
41 6 | 2023 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten gel ein bis vier Wochen, je nach Beruf. Schüler und in der Zwischenzeit natürlich längst auch Schülerinnen aus ganz Baden-Württemberg kommen hierher. Viele von ihnen besuchen die Friedrich-Weinbrenner-Gewerbeschule und die Gertrud-Luckner-Gewerbeschule. Auch wenn sich die Zeiten geändert haben, der Leiter des Jugendgästehauses sieht nach wie vor die wichtige Bedeutung für die häufig noch Minderjährigen: „Wir haben zwar keinen Erziehungsaauftrag, wie das vielleicht noch vor 100 Jahren war, doch wir begleiten und unter- stützen die Jugendlichen da, wo es nötig und gewünscht ist. Wir haben auch einen hohen Qualitätsanspruch fürs Zusammenleben ge- nauso wie für die gemeinsamen Mahlzeiten.“ Frühstück, Mittagessen sowie Abendessen erhalten die Blockschüler während ihres Auf- enthalts. Die Kosten des Aufenthalts während des Blockunterrichts werden weitgehend vom Land Baden-Württemberg getragen. Aus der Not eine ökologische Tugend gemacht Die letzten Jahre waren für das Jugendgäste- haus schwierig. Präsenzunterricht in den Schu- len fand aufgrund der Pandemie nicht mehr statt. Waren es vor Corona noch 40.000 Über- nachtungen jährlich, stand plötzlich alles still. Und das mitten im Bau des neuen Gebäudes, dessen Kosten – insgesamt elf Millionen Euro – zudem deutlich höher ausfielen, als zunächst geplant. „Im Grunde genommen konnten wir die Krise nur dadurch stemmen, dass wir den KfW 55 Energiestandard für Neubauten haben, und so eine Förderung von der KfW Bank mit zinsgünstigem Darlehen erhalten“, resümiert Markus Günter die letzten Jahre. Energetisch kann sich der Bau blicken lassen: Zur Kühlung während der Sommermonate kann der hauseigene Brunnen genutzt werden, der konstant eine Temperatur zwischen 13 und 15 Grad hält und über die Fußbodenheizung für angenehme Frische sorgt. Für die Wärmever- sorgung ist eine Wärmepumpe zuständig, die Energie dafür liefert die Photovoltaikanlage. Für die Zukunft wünscht sich Markus Günter deutlich mehr derartige Wohnheimprojekte wie das – bis jetzt einzige – Jugendgästehaus in Freiburg: „Im Vergleich zum studentischen Wohnen haben Gästehäuser und Wohnheime für Auszubildende immer noch einen relativ ge- ringen Stellenwert, vor allem, was die öffent- liche Wahrnehmung und Bekanntheit angeht. Dabei ist es gerade für die Mobilität von Aus- zubildenden wichtig, vom Staat unterstützte Wohnflächen anzubieten. Auf dem regulären Wohnungsmarkt haben junge Menschen in Ausbildung kaum eine Chance.“ Andrea Keller 25 Jahre Leonhard Weine Pionier mit neuen Sorten EBRINGEN. Seit 25 Jahren führt Leon- hard Linsenmeier das Familien-Weingut am Ebringer Sommerberg und erzeugt dort auf zwei Hektar Rebfläche „LEONhard Weine“ . Die Familie Linsenmeier wirkt schon etwas länger in der ältesten Weinbaugemeinde im Markgräflerland, nämlich seit 1580. Lange bevor „bio“ und „klimafreundlich“ auch in Supermärkten Einzug halten, entscheidet sich Linsenmeier für ein Experiment. Auf dem Ebringer Sommerberg pflanzt er 1991 eine neue „PIWI“-Züchtung des Weinbauinstituts Freiburg, die Weißweintraube Bronner. Piwi steht für „pilzwiderstandsfähige Rebsorten“. Durch gezielte Einkreuzung von Wildreben in klassische Rebsorten werden besonders resistente Pflanzen erzeugt. Ihr Vorteil: Wäh- rend klassische Rebsorten mehrmals im Jahr mit Fungiziden gegen Mehltaukrankheiten geschützt werden müssen, kann beim Anbau von Piwis überwiegend bis vollständig auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ver- zichtet werden. Nicht zu spritzen, bedeutet auch weniger Traktorfahrten und damit we- niger verdichtete Böden im Weinberg. 2008 erfolgte die Zertifizierung zum Kontrolliert ökologischen Weinbau. Inzwischen hat Linsenmeier neben der Weiß- weinsorte Bronner noch Muscaris, Regent und Johanniter im Sortiment. „Die schme- cken alle mindestens so gut wie traditionel- le Weine“, sagt Linsenmeier. Schon nach wenigen Jahren Anbau wird er 2006 für den besten Regent Rotwein Europas ausgezeich- net. Ein Meilenstein: „Damit war ich dann sofort international bekannt“. Seither wird er regelmäßig prämiert – zuletzt 2019 mit der Gold- und Silbermedaille des internationalen Piwi-Preises für Bronner und Johanniter des Jahrgangs 2017. International gibt es großes Interesse an den Piwi-Reben, immer wieder erhält Linsenmei- er Anfragen von Winzern aus dem europä- ischen Ausland: Darunter Litauen, Schwe- den und Südfrankreich. Denn der 67-Jährige schwimmt nicht nur bei den Reben gegen den Mainstream: „Ich bin der Meinung, dass die Zukunft der Piwi–Weine nicht bei Cuvée liegt, sondern in der Sortenreinheit.“ Mit sei- nen besonderen Weinen hat sich der kleine Betrieb eine treue Kundschaft erarbeitet, teilweise helfen besonders Begeisterte so- gar bei Ernte und Vermarktung mit, erzählt Linsenmeier stolz. db Winzer Leonhard Linsenmeier IMS Gear mit 2022er Bilanz Kostensteigerungen trüben Ergebnis DONAUESCHINGEN. Der Zahnrad- und Getriebespezialist „IMS Gear SE & Co. KGaA“ konnte seinen Umsatz im Jahr 2022 um 18 Prozent auf 547 Millionen Euro steigern. „Mit diesem Volumen bewegen wir uns über dem Niveau, das wir vor der Coronakrise erreicht hatten“, sagte IMS-Gear-Vorstand Dieter Lebzelter. Die Kostenseite habe das Ergebnis jedoch außerordentlich belastet. Man sei speziell in Deutschland von explo- dierenden Energiekosten überrascht worden, gleichzeitig haben sich auch die Preise für Rohmaterial und Zukaufteile stark verteu- ert. „Diese Kostensteigerungen konnten wir im vergangenen Jahr nur in ausgesprochen eng begrenztem Umfang an unsere Kunden weiterreichen.“ Die Folge sei eine Umsatz- rendite von knapp drei Prozent. Der Fokus für 2023 liege auf einer Verbesserung des Ergebnisses. Das Unternehmen rechnet mit erneutem Wachstum. Rund 40 Millionen Euro hat der Getriebespe- zialist und Komponentenlieferant für die Au- tomobilindustrie nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr in den Ausbau seiner Pro- duktionskapazitäten investiert. Im laufenden Jahr sind erneut Investitionen in Höhe von 40 Millionen Euro geplant, wovon 25 Millionen auf die deutschen Standorte entfallen sol- len. db
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