Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Mai'23 - Hochrhein-Bodensee
9 5 | 2023 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 700 Quadratmeter auf vier Etagen wurden dazu von Grund auf neu- gestaltet, alle Böden und Wandbeläge komplett entfernt, Leitungen neu gezogen und ebenso alle rund 60 Jahre alten Bäder komplett saniert beziehungsweise errichtet, da viele Zimmer bis dahin nur über ein Gemeinschaftsbad auf der Etage verfügten. „Ich war schon immer technikaffin“, sagt Bier bescheiden. Eine Untertreibung, denn das „My Home Hotel Lamm Rottweil“ mit seinen 16 Zimmern in mo- dernem Ambiente ist heute ein technisch ausgeklügeltes Smart Home. Herzstück ist die intelligente Heizungssteu- erung, die automatisiert das ganze Haus bedarfsgerecht temperiert. Sind die Zimmer nicht belegt oder tagsüber leer, wird die Temperatur automatisch abgesenkt. In den Schlafzimmern sind standardmäßig 19 Grad Celsius ein- gestellt, die Bäder werden auf 21 Grad temperiert. Zu kühl? Keineswegs. Überhaupt erst zwei Gäste hätten um wärmere Temperaturen gebeten – ein Wunsch, der im Fall der Fälle natürlich schnell per Klick auf der Handysteu- erung oder an der Rezeption gewährt wird. Selbstver- ständlich kann jeder Gast auch selbstständig in seinem Zimmer mittels zentraler Steuerung Änderungen vor- nehmen. Auch die Warmwasserpumpe ist „smart“, denn sie merkt sich, wann warmes Wasser benötigt wird, und befindet sich zur restlichen Zeit im Ruhezustand. „Leider wurde in der Vergangenheit in unserer Branche wenig an den technischen Fortschritt gedacht. Heute haben viele Anbieter von Produkten für die Hotellerie das Problem, die verlorene Zeit aufzuholen und ausgereifte Lösungen anzubieten“, sagt Bier. Er habe Schwierigkeiten gehabt, alles technisch so umset- zen zu können, wie Team und Gäste es sich wünschten, „weil viele Softwareanbieter immer noch hinterherhinken“. Früher Skepsis, heute Lob von den Gästen Das ganze Hotel ist mit einer zeitgesteuerten LED-Beleuchtung aus- gestattet, damit das Ausschalten nicht vergessen werden kann. Alle Hotelflure und Bäder sind mit Bewegungsmeldern versehen, um unnötige Beleuchtung zu vermeiden. In den Zimmern sind spezielle Kartenschalter verbaut, sodass beim Verlassen des Zimmers keine unnötigen Geräte mehr Strom ziehen. Dauerstrom für zum Beispiel Handy und Laptop sind für die Gäste im Zimmertresor verbaut.In den Bädern wird mit Infrarotheizungen für angenehme Atmosphäre gesorgt, auch der Wasserverbrauch kann über die Hans Grohe Ar- maturen in der Dusche gesteuert und bei den Waschbecken über einen Bewegungssensor reguliert werden; das Wasser läuft nur, wenn der Gast es wirklich benötigt. „Vor der Energiekrise wurden uns unsere Bemühungen in Sachen Nachhaltigkeit in den Bewertungen manchmal negativ ausgelegt – heute gibt es viel positives Feedback,“ stellt Bier fest. Pro Zimmer fielen für neue Armaturen, Dusche sowie Heizungs- und Energiesteuerung Investitionen von rund 3.500 Euro für Material an; ein Betrag, der sich laut Bier „absolut ge- lohnt“ hat. Von der Dehoga wurde das fleißige Hotelteam mit dem Umweltcheck in Gold ausgezeichnet „und da unterschreiten wir die geforderten Werte um die Hälfte“, wie Bier stolz erklärt. Der nächste Plan liegt bereits in der Schublade: Bier möchte in eine Split-Klimaanlage investieren, mit der sich im Sommer kühlen und im Winter heizen lässt. Alles mit Ökostrom und smart natürlich. „So werden wir unabhängiger vom Gas“. Ökologisch Bauen mit Holz Beim Energiesparen gilt die Faustregel: Wo viel ver- braucht wird, lässt sich auch viel einsparen. Wo wenig bis gar nicht saniert wurde, ebenso. Aber, es gilt auch: Wer ein neues Projekt plant, kann gleich viel richtig machen. Wie das geht, zeigt der Lebensmittelhändler Beckesepp. Zahlreiche Architektur- und Designpreise hat der von Kuriarchitekten aus Schopfheim geplante Supermarkt inklusive Bäckerei und Café in Sölden eingeheimst. Im Februar 2021 fertig- gestellt, sichert der Markt die ländliche Nahversorgung in Sölden, nahe Freiburg, und den umliegenden Gemeinden. Das KfW 55 Effizienzgebäude ist nicht nur schön anzusehen, sondern auch nachhaltig und ökologisch anspruchsvoll gebaut: Mit Ausnahme der Bodenplatte und der Glasfront besteht es komplett aus Holz, das als Baustoff im Gegensatz zu Stahl oder Beton eine positive Klima- bilanz vorweisen kann. Die 800 Kubikmeter Holz für die Fassade aus Weißtanne und das Fichtenholz im Inneren stammen aus der Region, was den ökologischen Fußabdruck klein hält. Langfristig werden dadurch circa 800 Tonnen CO 2 gebunden. Die im Innenraum eingesetzten Elemente aus Moos, eine raumhohe Wasserwand und Akustikelemente aus Holz, verbessern das Raumgefühl, reduzieren den Lärmpegel und schaffen ein natürliches Ambiente. Im Bereich der Lebensmittelkühlung gelang die Abkehr von umweltschädlichen Kältemitteln hin zur effizienten und natürlichen Alternative. »Leider gibt es noch zu wenige smarte Technik- lösungen für die Hotellerie« Steven Bier, Betreiber My Home, Rottweil Steven Bier (rechts) und sein Mann Christopher haben das in die Jahre gekommene Hotel Lamm aufwendig energetisch ertüchtigt. In den Bädern steckt, wie im Rest des Hotels, viel smarte Technologie, mit deren Hilfe die Gäste ganz automatisch Energie sparen.
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