Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Mai'23 - Hochrhein-Bodensee

8 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 5 | 2023 TITEL effizienter genutzt werden. Zusätzlich wurde der Netzdruck um zwei Bar reduziert, was den Energieverbrauch nochmals um etwa 15 Prozent reduzierte. Durch die Rückgewinnung der Wärme der Schmelzöfen wird das Warmwasser aufbereitet, die Raumheizung unterstützt sowie das Rohmaterial vorgewärmt. Auch in Sachen Beleuchtung wurde das Maximum he- rausgeholt: Die vorhandenen Natriumdampf- und Ha- logenlampen mit insgesamt 5116 Watt wurden durch 1272 LED-Watt ersetzt. Die Zeitschaltuhren der Außen- beleuchtung sind durch eine Dämmerungsschaltung op- timiert. Die Hallenbeleuchtung ist einzeln zuschaltbar und wurde auf jeden Arbeitsplatz abgestimmt. Durch die Umstellung wird 80 Prozent Strom eingespart. Der große Enthusiasmus, mit dem der kleine Betrieb sich in Sachen Energiewende engagiert, blieb nicht unbemerkt. Ende letzten Jahres war Megu eines von 14 Unternehmen, das vom Landesumweltministerium mit dem Preis „100 Betriebe Ressour- ceneffizienz“ gewürdigt wurde. Auch beim „Gipfelstürmer-Award“ des Netzwerks regionale Kompetenzstellen Energieeffizienz (KEFF) war das Unternehmen Finalist. Dies sei ein „Ritterschlag“, sagt Megu-Prokuristin Conny Obermeier stolz: Die kleine Firma bewege sich damit im selben Kreis der Energiesparelite mit Groß- firmen wie Daimler, Porsche, Siemens, Fischerwerke oder Würth, so Obermeier. Smarte Technologie im denkmalgeschützten Hotel 2018 übernahmen Steven Bier und sein Ehemann Christo- pher Bier-Nürnberg das lange leer stehende und in die Jah- re gekommene Hotel Lamm in Rottweil. Bier, geschäfts- führender Gesellschafter und Hotelhandwerker in Personalunion, hat das unter Denkmalschutz stehende Haus in ein schickes und zugleich höchst energieeffizientes Vier-Sterne-Hotel verwandelt. Megu spart durch smarte Beleuchtung 80 Prozent Strom. CONTRACTING: ENERGIELÖSUNGEN FÜR DEN HANDEL Eine Befragung der Klimaschutzoffensive des Handels aus dem Jahr 2019 hat aufgezeigt, dass der Mieterstatus ein zentrales Hemm- nis für die Durchführung von Energieeffizi- enzmaßnahmen darstellt. Das sogenannte Mieter-Vermieter-Dilemma entsteht, da die hohen Investitionskosten für energetische Gebäudesanierungen zunächst von der ver- mietenden Partei alleine getragen werden müssen, ohne dass sich daraus unmittelbare Vorteile ergeben. Denn die verringerten Ener- giekosten kommen nicht der vermietenden, sondern der mietenden Partei zugute, welche die Heiz- und Stromkosten trägt. Contracting ermöglicht einVertragsmodell, das einen fairen Ausgleich zwischen bei- den Parteien findet, sodass alle Beteiligten von zukunftsfähigen Lösungen profitieren. Im Zuge der Energiewende werden Ener- gielösungen komplexer. Egal, obAustausch von fossilen Heizungsanlagen gegen grüne Lösungen, eine neue effiziente Lüftungs- technik oder energiesparende Kälteanlagen: Oft handelt es sich um Maßnahmen, die intelligent in ein Gesamtkonzept integriert werden müssen, damit sie ihr gesamtes Energiesparpotenzial entfalten. Nicht selten sind mit solchen Maßnahmen zudem hohe Anfangsinvestitionen verbunden, die sich erst über einen längeren Zeitraum finanziell auszahlen. Insbesondere im Handelsbereich ergeben sich für Unternehmer, die ihr Ge- schäft in einer gemieteten Immobilie betrei- ben, in der sie nur wenig Einfluss auf den Ersatz von Energie-Anlagentechnik haben, weitere Herausforderungen. Energie-Con- tracting ist ein Instrument, das eine flexible und effiziente Umsetzung von Energiespar- maßnahmen ermöglichten soll. Dabei gibt es unterschiedlicheAusgestaltungsformen: Beim Energieliefer-Contracting versorgt ein Energiedienstleistungsunternehmen ei- ne Liegenschaft mit der benötigten Energie. Der Contractor kann ein Energieversorger, Energiedienstleister, eine Energieagentur, ein Anlagenbauer oder ein Handwerksun- ternehmen sein. Der Auftrag kann die Lie- ferung von Kälte, Wärme, Strom, Druckluft oder andere Formen von Energie umfassen. DieAnlage vor Ort wird vom Contractor be- trieben. Der Bezug von Energie über einen Dritten hat für den Kunden denVorteil, dass er nicht in eine Energieanlage investieren muss und das eingesparte Geld anderweitig einsetzen kann. Contracting-Verträge sind aufgrund der hohen Investitionskosten des Contractors längerfristig angelegt. Der Vor- teil besteht insbesondere darin, dass der Contractor alle Aufgaben und das gesamte Risiko, zum Beispiel außerplanmäßige Re- paraturarbeiten, übernimmt. Eine weitere Möglichkeit ist Anlagen-Con- tracting mit geteiltemGrundpreis. Beispiel: Ein Händler ist Mieter einer Verkaufsfläche in einem Gebäude, in dem eine Ölheizung für Wärme sorgt. Die Aufwertung dieser Heizungsanlage durch einen neuen Gas- kessel ließe sich einfach realisieren. Für den Vermieter könnte das wie eine sinnvolle Energieeffizienz-Lösung wirken. Für den Mieter, der die Heizkosten zu tragen hat, die durch den CO 2 -Preis stetig steigen, wäre ein vollständiger Verzicht auf fossile Ener- gie sinnvoller. Nach einem Gespräch ist der Vermieter bereit, die veraltete Anlage zu erneuern. Er möchte aber nicht die Mehr- investitionen tragen, die für eine tatsäch- lich „grüne Lösung“ nötig wären. Dies könnte beispielsweise eine Photovoltaik- anlage in Kombination mit einer Wärme- pumpe sein. Eine Möglichkeit ist nun, dass sich Mieter und Vermieter diese Mehrkos- ten über einen vereinbarten Grundpreis tei- len. Das bedeutet, auf den Mieter entfal- len die Kosten für die tatsächlich genutzte Energie sowie ein Grundpreis für Betrieb, Wartung und Instandhaltung. Er profitiert von langfristig günstigeren Energiepreisen. DerVermieter bezahlt die andere Hälfte des Aufpreises gegenüber der Installation einer konventionellen „fossilen Anlage“. Als Mieter einer Immobilie muss man bei der ökonomischen Betrachtung einer Maßnahme zudem auch die Mietvertrags- laufzeiten miteinbeziehen. Eine komplexe Energielösung wie eine PV-Wärmepum- penkombination hat zumeist Vertrags- laufzeiten und Abschreibungszeiträume zwischen zehn bis 20 Jahren. Bei einer kürzeren Mietvertragslaufzeit muss dies im vereinbarten Vertrag abgebildet werden. Mehr Infos unter www.hde-klima- schutzoffensive.de Contracting

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