Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe April'23 -Südlicher Oberrhein
10 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 4 | 2023 TITEL Kräfte mobilisieren In ihrem Ratgeber „111 Mental Hacks“ für mehr mentale Stärke spannt Führungskräftecoach Antje Heimsoeth einen wahrlich großen Bogen – von der Macht der Gedanken über den Um- gang mit Scheitern bis zum aktiven Stressabbau. Managementseminarerfahrene Chefs werden vielleicht den einen oder anderen ihrer Tipps schon kennen, trotzdem lohnt es, sich durch ihre sehr praxisnahen Übungen zu arbeiten. Die Portionierung in 111 Häppchen hilft, sich wirklich auf den gedanklichen Weg zu machen und es nicht im stressigen Alltag immer wieder zu vertagen. uh Antje Heimsoeth | 111 Mental Hacks – Einfache Techniken, die Ihre mentale Stärke und Positivität steigern | Springer | 240 Seiten | 19,99 Euro (Print) 14,99 Euro (eBook) »Morgens tref- fen sich alle auf einen Kaffee. Es wird geratscht und geplaudert – wie in einer großen Familie« Heike Groen Mitinhaberin Eishaar Schindler Kälte Klima GmbH, Gengenbach Kaffee. Es wird geratscht und geplaudert, wie in einer großen Familie.“ Daraus zögen sie und ihr Mann Kraft für die privaten und die beruflichen Herausforderun- gen. Batterien aufladen Die Gleichung ist für Claudia Serr einfach: „Wenn ich keine Energie habe, bin ich auch nicht in der Lage, ge- zielt an Aufgaben heranzugehen.“ Die Unternehmens- beraterin und Mentaltrainerin aus Villingen-Schwennin- gen unterstützt seit mehr als 25 Jahren Unternehmen bei der Entwicklung und beim Organisationsaufbau. Denn „Führen kostet Kraft“, stellt sie fest, und man- gelnde Energie führe dazu, dass der Fokus nicht mehr so gut gehalten werden kann, Kreativität fehlt und die Toleranzgrenze sinkt. Regeneration spiele daher eine herausragende Rolle, damit Unternehmer ihren Job machen können – mit Krise oder ohne. Woher ein Mensch Energie hernimmt, sei verschieden. „Mir tut Gartenarbeit sehr gut. Die Hände sind beschäf- tigt, man konzentriert sich, das Gehirn strengt sich nicht an – ist ganz im Hier und Jetzt – und das entspannt“, erläutert Claudia Serr. Sport, Bewegung, Spaziergänge oder ein entspannendes Buch, Mentaltraining oder Feel- goodmanagement – die Liste ist lang. Unternehmer, die für sich sorgen, seien energiegela- dener, klar in ihren Entscheidungen und glücklicher. Denn: „‚Wer nicht genießt, ist irgendwann ungenieß- bar‘, habe ich einmal gelesen. Da ist was Wahres dran.“ Ein wacher Kopf braucht Schlaf Die Krise kam gleich nach der Übernahme: Als Benedikt Wagner das Fachgeschäft Traumform in Trossingen vor gut drei Jahren eröffnete, dauerte es keine drei Monate, und er musste schließen. Lockdown. „Das war heftig“, sagt der 39-Jährige rückblickend. „Aber ich war der tiefen Überzeugung, dass diese Situation nicht ewig währen wird.“ Mit diesem unternehmerischen Glauben und dem emotionalen Rückhalt durch seine Frau schuf er sich eine gute Basis. Dazu kommt sein Fachwissen rund ums Thema Erholung. Für ihn gehört ein kurzer Mittagsschlaf – ein Power-Nap– genauso dazu wie fri- sche Luft bei entspannter Bewegung und Abstand zum Arbeitsalltag. „Abschalten ist enorm wichtig. Zu Hause ist mein Ruhepol. Da möchte ich mit meinen Gedanken nicht bei der Firma sein.“ Er sei lieber eine Stunde länger im Büro und gebe da 100 Prozent, als in der Freizeit ständig ans Unternehmen denken zu müssen. Benedikt Wagner hat zudem einen Tipp für besseren Schlaf – neben einer guten Matratze und angenehmem Bettzeug: „Im Schlafzimmer sollten nur Dinge stehen, die Schlaf unterstützen. Dazu zählen weder Fernseher noch Radio.“ Körper und Geist sollten Ruhe finden und nicht aktiviert werden. Patrick Merck »Abschalten ist enorm wichtig« Benedikt Wagner Inhaber der Traumform e.K., Trossingen (mit seiner Frau Simone Wagner) Burnoutforschung Die gute Nachricht Auch wenn es an der Unternehmensspitze oft kräftezehrend zugeht, ist man dort weniger von Burnout bedroht als etwa in den Ebenen darun- ter. Das hat eine Studie der Hamburger Kühne Logistics University im Jahr 2021 herausgefunden. Der Grund: Menschen in höheren Führungspositio- nen haben mehr Kontrolle über die Gestaltung der eigenen Aufgaben und die Zusammensetzung des Teams. Zudem bringen sie eine höhere Selbst- wirksamkeit– das Vertrauen darauf, eine Heraus- forderung mit den eigenen Fähigkeiten meistern zu können – mit. Das Gefühl, die Dinge im Griff zu haben, schütze sie vor Stress, Angst und auch Burnout, so die Autoren der Studie. uh
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